Ulrike Thurm

CGM- und Insulinpumpenfibel


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von Stahlkathetern spätestens nach 1 – 2 Tagen gewechselt werden, bei Teflonkathetern nach spätestens 2 – 3 Tagen.

      Kanülen und Insulinschlauch sind bei einigen abkoppelbaren Kathetermodellen getrennt erhältlich. In diesem Fall sollte der Insulinschlauch bei jedem Ampullenwechsel erneuert werden, d. h. nach spätestens 6 Tagen (Ausnahme: bei Insulin Apidra® sollte die Ampulle nicht länger als 48 Stunden in der Pumpe verweilen).

      Wird die Kanüle seltener gewechselt, nimmt das Infektionsrisiko erheblich zu. Außerdem kann es zu Verhärtungen im Bereich der Einstichstelle kommen, wodurch die Insulinaufnahme an dieser Stelle behindert wird. Die Insulinaufnahme kann sich nach mehreren Tagen Tragedauer verlangsamen oder gänzlich unberechenbar werden. Verhärtungen im Unterhautfettgewebe können Monate zur Regeneration brauchen oder irreversibel sein und sollten daher unbedingt vermieden werden.

      In einigen Situationen ist ein vorzeitiger, sofortiger Wechsel des gesamten Insulinkatheters nötig:

      Anhaltend hoher Blutzuckerwert, der anderweitig nicht erklärbar ist (liegt der Blutzucker über 250 mg/dl, muss eine beginnende Ketoazidose mit einem Ketontest ausgeschlossen werden)

      Einstichstelle juckt, brennt oder schmerzt oder benachbarte Hautareale sind geschwollen, gerötet oder überwärmt

      An der Einstichstelle werden Verhärtungen oder Knoten bemerkt.

      Im Insulinschlauch läuft Blut oder Gewebeflüssigkeit zurück.

      Am Insulinkatheter (Verbindungsstellen oder Insulinschlauch) werden Risse, Löcher oder „Insulingeruch“ bemerkt.

      Am Insulinkatheter läuft außen Insulin zurück.

      Der Insulinkatheter ist verstopft (Fehlermeldung der Insulinpumpe).

      Anmerkung: Die Hersteller empfehlen, Stahlkatheter nach höchstens zwei Tagen zu wechseln, Teflonkatheter nach maximal drei Tagen (Teflonkatheter sind wesentlich teurer als Stahlkatheter). Die genannten Probleme und Komplikationen betreffen jedoch alle Kanülenmaterialien gleichermaßen, sodass eine generelle Beschränkung der Tragedauer auf 48 Stunden sinnvoll erscheint.

       3.3.7 Tipps zur Vermeidung von Katheterproblemen

       Praxis-Tipp: Regeln zur Vermeidung von Katheterproblemen

      Sterilität einhalten (siehe Kap. 3.3.5)

      Kanüle spätestens nach 2 – 3 Tagen wechseln

      Zweimal täglich Einstichstelle kontrollieren

      Auf Anzeichen einer Entzündung achten und frühzeitig ärztliche Hilfe suchen

      Insulinkatheter nicht wiederverwenden

      Was tun, wenn im Zusammenhang mit dem Insulinkatheter trotz aller Bemühungen Hautprobleme oder andere Irritationen auftreten? Unverzichtbar sind eine ausführliche Anamnese und die Inspektion der Einstichstelle, ggf. sollte der Pumpenträger zu Demonstrationszwecken einen Katheterwechsel im Beisein der Diabetesberaterin durchführen. In der Checkliste sind die häufigsten Probleme und die jeweils möglichen Ursachen und Lösungen aufgeführt.

       A) Irritation an der Einstichstelle

       Mögliche Beschwerden an der Einstichstelle sind Hautrötung, Jucken, Papeln, Pusteln, eitrige Herde, Quaddeln oder dumpfer Schmerz. Mögliche Ursachen und ihre Beseitigung:

      Zu lange Liegedauer der Kanüle

      –Nach spätestens 2 –3 Tagen sollte die Kanüle gewechselt werden.

      Mangelnde Hygiene beim Legen des Insulinkatheters

      –Grundregeln zum aseptischen Arbeiten einhalten (siehe Kap. 3.3.5, Kasten)

      Desinfektionsmittel nicht vollständig getrocknet

      –Trockenzeit des Desinfektionsmittels einhalten (laut Herstellerangaben)

      Unverträglichkeit des Desinfektionsmittels

      –Desinfektionsmittel eines anderen Herstellers ausprobieren

      –Falls nicht erfolgreich: Versuch mit alkoholfreiem Desinfektionsmittel (z. B. Octenisept®); Vorsicht: Haut wird nicht entfettet, Pflaster klebt evtl. nicht gut, Katheter kann herausrutschen.

      Unverträglichkeit/allergische Reaktion auf das Pflaster des Insulinkatheters oder auf zusätzliches Klebematerial

      –Insulinkatheter eines anderen Herstellers und anderes Klebematerial ausprobieren

      –Falls nicht erfolgreich: Verwendung eines Insulinkatheters ohne integriertes Pflaster und eigenhändige Fixierung mit geeignetem Pflaster bzw. Folie.

      –Falls nicht erfolgreich: Verwendung eines „Allergieblockers“ (z. B. Cavilon®, Skin-Prep®)

      –Weitere Tipps: Kap. 13.5

      Unverträglichkeit von Stahlnadeln bei Nickelallergie (äußerst selten, laut Literatur möglich)

      –Versuch mit Teflonkatheter

       B) Katheter hält nicht, rutscht heraus

      Keine ausreichende Entfettung der Haut (zu wenig oder ungeeignetes Desinfektionsmittel)

       Alkoholische Desinfektionsmittel (z. B. Cutasept®) entfetten gleichzeitig die Haut, was die Klebeeigenschaften aller Materialien verbessert. Maßnahmen:

      –Größere Menge eines alkoholischen Desinfektionsmittels verwenden

      –Vorgehen in 2 Schritten: Erst Desinfektionsmittel zur Entfettung auftragen und mit Zellstoff abwischen, dann Desinfektionsmittel zur Desinfizierung auftragen und trocknen lassen.

      Katheterpflaster individuell ungeeignet

      –Insulinkatheter eines anderen Herstellers ausprobieren (individuell andere Klebeeigenschaften)