Egon Theiner

Dominic Thiem


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Buchform aufgearbeitet und präsentiert werden sollte. Der Niederösterreicher ist 27 Jahre alt, das mag zu jung sein für eine Autobiografie oder eine von ihm selbst mitgestaltete autorisierte Biografie, nichtsdestotrotz ist in seinem Leben schon dermaßen viel passiert, das nach Sortierung und unaufgeregter Einordung verlangt. An einer umfassenden Darstellung des Lebens- und Karriereweges des Tennis-Stars sowie einer sporthistorischen Einordnung seiner Leistungen fehlt es – diese Lücke will vorliegendes Buch schließen und damit auch das Informationsinteresse der Allgemeinheit befriedigen.

      Obschon dies nur eine Zwischenbilanz ist, steht bereits fest, dass die Performance von Dominic Thiem – länderbezogen auf Österreich, fachsportlich bezogen auf Tennis – von sporthistorischer Bedeutung ist. Aufgrund seiner Siege geht er in die heimische und internationale Sportgeschichte ein, aufgrund seiner Lebensführung ist er ein für uns alle nachahmenswertes Beispiel. Thiem ist nicht nur Grand-Slam-Sieger, er ist auch Lehrmeister.

      So ist dieses Werk eine Verbeugung vor einem der größten Sportler, die Österreich je gehabt haben wird. Es ist ein Buch, das erzählen und erklären soll, und hoffentlich auch motivieren und inspirieren wird.

      Viel Spaß beim Lesen.

      Egon Theiner, im November 2020

       1993 bis 2011

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       Marktgemeinde Lichtenwörth / Österreich

      Die 2742 Einwohner zählende Marktgemeinde (Stand 1.1.2020) war vor Christi Geburt Teil des keltischen Königreiches Noricum, unter den Römern lag die Gegend in der Provinz Pannonia. Urkundlich erstmals erwähnt wurde Lichtenwörth in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Darin überlässt der Salzburger Erzbischof Adalbert III. dem Kloster Vorau 1174 alle Pfarrrechte und einen Teil der Zehnte, die innerhalb der Grenzen des Gebietes „Lutunwerde“ entrichtet werden. Im gleichen Jahrhundert wird eine Burg errichtet, die „Feste Lichtenwörth“ wird erst um 1490 zerstört. Auf der „Insel“, wo sich diese Burg befand, wurde später ein bischöflicher Hofgarten angelegt. Heute ist die Insel mit dem so genannten Villateich öffentlich zugänglich und wird sowohl als Veranstaltungsplatz als auch als Naherholungsgebiet genutzt.

      Der Name Lichtenwörth (früher Lutunwerde) bedeutet „eine Siedlung auf einer Insel oder auf einer Bodenerhebung inmitten eines Sumpfes“.

      1992 wurde Lichtenwörth vom Niederösterreichischen Landtag das Marktrecht verliehen, politisch halten sich schwarz und rot die Waage. Aktuell sitzen im 21-köpfigen Gemeinderat zehn SPÖ-Vertreter, neun von der ÖVP (Wir alle sind Lichtenwörth). Zukunft Lichtenwörth (ZL) und FPÖ haben jeweils einen Sitz. Den Bürgermeister stellt mit Manuel Zusag die ÖVP. Es gibt zwei Kindergärten, eine Volksschule, eine Mittelschule, eine Musikschule. Und den Tennis Club Lichtenwörth.

      An der Katholischen Pfarrkirche Lichtenwörth zum Heiligen Jakobus der Ältere wird rund 500 Jahre gebaut. Begonnen wird bereits im 14. Jahrhundert mit dem Bau der Kirche in gotischem Stil, doch Überfälle und Geldmangel verhindern eine zeitnahe Fertigstellung. Diese erfolgt erst 1889. Als ein Wahrzeichen von Lichtenwörth zählt auch das Adlertor, das als eines der drei Zugänge zur Arbeitersiedlung und in gutem Zustand erhalten ist.

      Auf der Wikipedia-Seite steht unter Lichtenwörth, Persönlichkeiten: Dominic Thiem (* 1993), Tennisprofi

      Ebendort, in Lichtenwörth, wächst Dominic Thiem auf. Geboren wird er am 3. September 1993 in Wr. Neustadt, er kommt etwas überraschend. Mutter Karin studiert Ökologie im ersten Abschnitt, Vater Wolfgang ist Grundwehrdiener und steht kurz vor der Abrüstung. Die finanzielle Situation des Pärchens ist, nun ja, nicht rosig. „Als wir erfuhren, dass wir ein Kind bekommen, sind wir zunächst aus allen Wolken gefallen“, erinnert sich Karin Thiem in einem News-Interview zurück. Von einem Moment auf den anderen ändert sich das Leben schlagartig. Wichtig ist vor allem, regelmäßiges Einkommen zu generieren. Die beiden besinnen sich auf das, was sie können: und das war unter anderem auch Tennis spielen. Die Prüfungen zu Tennislehrwart und Tennistrainer sind rasch geschafft, und da der Sport – Thomas Muster und Co. sei Dank – boomt, bringen es Karin und Wolfgang Thiem bei mehreren Vereinen auf bis zu 60 Stunden Tennistraining.

       I am from Lichtenwörth

      Mit zwei schlägt Dominic die ersten Bälle über das Netz, mit vier gibt es für ihn nur mehr ein Spielgerät: das Tennisracket. Seinen Vater nennt er „Trainer“, und wenn er mit ihm auf den Platz geht, hat er drei Schläger dabei, für alle Fälle. Wolfgang freut es, dass er sich um seinen Sohn kümmern kann, immer dann, wenn Pausen entstehen, während (oder zwischen) seinen Trainerstunden, spielt er mit Dominic ein paar Bälle und verbringt so sehr viel Zeit mit ihm. Bei einem Strandurlaub in Griechenland simuliert das Kind fortwährend Vor- und Rückhandschläge, und Passanten werden sich wohl ihren Teil gedacht haben. Wenn weder Eltern noch Großeltern daheim Zeit für den Kleinen haben, schlägt er stundenlang Bälle gegen die Hauswand.

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      Dominic ist immer noch ein Kind, als Vater Wolfgang bei Günter Bresnik in dessen Tenniszentrum in der Baumgasse in Wien vorstellig wird. Bresnik ist so etwas wie der Übervater der österreichischen Tennisszene, er hat seit Mitte der 1980er-Jahre mit Spielern wie Boris Becker, Henri Leconte, Patrick McEnroe zusammengearbeitet, er hat Horst Skoff und Stefan Koubek betreut, war Kapitän der österreichischen Davis-Cup-Mannschaft und Sportchef des Österreichischen Tennisverbandes. Der Australier Bob Brett, selbst eine Legende unter den Tennis-Trainern, inspiriert ihn. Kurzum, Bresnik ist jemand, von dem man nur lernen kann.