Stefan Feiler

Füße


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weichen Schicht überzogen, der sogenannten Gelenkschleimhaut (Synovia). Im Gelenkspalt befindet sich eine geringe Menge einer viskösen, ja fast öligen Flüssigkeit. Sie benetzt die Knorpelflächen und verbessert deren Gleitfähigkeit wie ein Schmiermittel. Bei Gelenkreizungen durch Verschleiß, Entzündung oder Verletzung reagiert die Synovia mit Schwellung und Bildung von zusätzlicher Flüssigkeit. Es entsteht ein Gelenkerguss, der die Funktion des Gelenkes weiter beeinträchtigt und den Knorpel schädigt – ein Teufelskreis.

      Das obere Sprunggelenk

      Die knöchernen Bestandteile des oberen Sprunggelenks habe ich weiter oben bereits beschrieben. Vereinfacht betrachtet handelt es sich dabei um ein Scharniergelenk. Es ermöglicht die Anhebung (Dorsalextension) und Absenkung (Plantarflektion) des Fußes in seinem Drehzentrum und schafft damit die biomechanische Voraussetzung für einen normalen Abrollvorgang des Fußes. Das Sprunggelenk wird von einer Gelenkkapsel umschlossen und durch Bänder insbesondere auf der Außenseite (lateral) und der Innenseite (medial) stabilisiert.

      Im äußeren Bereich unterteilt sich der Außenbandkomplex in drei einzelne Bandzügel. Zwischen Außenknöchel und dem vorderen Sprungbein (Talushals) spannt sich das vordere Außenband (Ligamentum fibulotalare anterius). Zwischen Außenknöchelspitze und Fersenbein befindet sich das mittlere Außenband (Ligamentum fibulocalcaneare), zwischen Außenknöchel und dem hinteren Anteil des Sprungbeines das hintere Außenband (Ligamentum fibulotalare posterius). Das vordere Außenband ist das mit Abstand am häufigsten geschädigte Band des oberen Sprunggelenks bei der Umknickverletzung (

Kapitel 13).

      Die Gelenkrolle des Talus wird von hinten (posterior) nach vorne (anterior) breiter. Das heißt: Je stärker der Fuß im Sprunggelenk angehoben wird (Dorsalextension), desto stabiler verklemmt sich das Sprungbein unter der Knöchelgabel und drückt diese dezent auseinander. Daher passieren die meisten Umknickverletzungen auch in einer leichten Plantarflexion (abgesenkte Fußstellung).

      Das Innenband ist zweilagig. Eine erste, tiefe Schicht spannt sich wie ein Fächer zwischen Innenknöchel und Sprungbein. Eine zweite, oberflächlichere Schicht zieht sich vom Innenknöchel zum Fersenbein und Kahnbein. Wegen seiner fächerförmigen Dreiecksform wird das Innenband auch Deltaband genannt. Dieser straffe Bandkomplex ist deutlich seltener verletzt als das Außenband.

      Nicht nur das Sprunggelenk als Funktionseinheit wird innen und außen durch Bänder gefestigt und geführt. Auch Wadenbein und Schienbein, die zusammen die Knöchelgabel bilden, werden durch eine straffe Bandstruktur stabilisiert, so dass die beiden Knöchel nur minimal auseinander gedrängt werden können. Diese straffe Bandstruktur unmittelbar oberhalb des oberen Sprunggelenks nennt man Syndesmose. Bei vielen Sprunggelenkbrüchen reißt diese Syndesmose auseinander und muss im Rahmen der unfallchirurgischen Operation der gebrochenen Knochen ebenfalls repariert werden. Aber auch isolierte Verletzungen der Syndesmose mit einer subtilen schmerzhaften Instabilität gibt es. Sie sind nicht so häufig wie Außenbandverletzungen und ähnlich schwer zu diagnostizieren wie Innenbandverletzungen.

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      [6 a–b] Bänder am oberen Sprunggelenk außen (links) und innen (rechts)

      Das untere Sprunggelenk

      Den Begriff „unteres Sprunggelenk“ gibt es weder in der englischen noch der französischen Fachliteratur. Dort werden die Gelenke, aus denen sich der Komplex „unteres Sprunggelenk“ zusammensetzt, stets einzeln bezeichnet.

      Dazu zählt zum einen das sogenannte Subtalargelenk zwischen Sprungbein und Fersenbein mit einer hinteren größeren Gelenkkammer und variierend einer bis zwei kleineren vorderen Kammern. Das Subtalargelenk wird zum einen durch ein sehr straffes Band zwischen Sprungbein und Fersenbein geführt. Zusätzlich wird es auch durch die Bandanteile des oberen Sprunggelenks mitstabilisiert, die sich sowohl zwischen Innenknöchel und dem Fersenbein als auch dem Außenknöchel und dem Fersenbein spannen. Die Hauptbewegungsrichtung des Subtalargelenks besteht in einer Kippung der Ferse nach innen (Inversion) und nach außen (Eversion).

      Zum anderen gehört das Gelenk zwischen Sprungbein und Kahnbein (Talonavikulargelenk) zum Gelenkkomplex des unteren Sprunggelenks. Es wird von unten noch durch das sogenannte Pfannenband verstärkt. Das Gelenk spannt sich vom Fersenbein zum Kahnbein und ist mit Knorpel überzogen. In ihm liegt der vordere Anteil des Sprungbeins (Talushals und Taluskopf) wie in einer Hängematte. Das Gelenk zwischen Fersenbein und Würfelbein (Calcaneocuboidalgelenk) muss funktionell ebenfalls zum unteren Sprunggelenk gerechnet werden. Zusammen mit dem Talonaviculargelenk bildet es die Chopard-Linie. Das untere Sprunggelenk ist verantwortlich für den feinmotorischen Ausgleich von Unebenheiten des Bodens. Zudem ist es ein natürlicher Stoßdämpfer, der die Belastung des Fußes, die beim Aufsetzen durch das Körpergewicht entsteht, durch ein leichtes Einknicken der Ferse abfedert.

      Fußwurzelgelenke

      Die Gelenke zwischen dem Kahnbein und den drei Keilbeinen sind durch eine Vielzahl von Bändern so straff verspannt, dass hier nur eine minimale Beweglichkeit möglich ist. Gleiches gilt für die Lisfranc-Gelenklinie. Gebildet wird sie von den Gelenken zwischen den Keilbeinen und den ersten drei Mittelfußknochen sowie den Gelenken zwischen dem Würfelbein und den äußeren beiden Mittelfußknochen. Eine gewisse Ausnahmestellung nehmen die beiden Gelenke an den Rändern dieser Gelenklinie ein. Das Gelenk zwischen dem ersten und kräftigsten Mittelfußknochen und dem innen liegenden Keilbein (erstes Tarsometatarsalgelenk) ist etwas beweglicher als die Tarsometatarsalgelenke des zweiten bis vierten Strahls. Es spielt eine tragende Rolle bei der Entwicklung des Spreizfußes und des Hallux valgus (

Kapitel 4). Dies ist entwicklungsgeschichtlich zu begründen. Schließlich war dieses Gelenk, als unser Fuß noch ein Greiforgan war, das Sattelgelenk des Daumens, der den anderen Fingern (jetzt Zehen) zangenartig gegenübergestellt werden konnte. Auch der fünfte Mittelfußknochen kann im Gelenk zwischen Fußwurzel und Mittelfuß nach außen abweichen, wenn sich ein Spreizfuß entwickelt. Dann entsteht ein Schneiderballen, eine Schwellung am Außenrand der kleinen Zehe, also das Gegenstück zum Hallux valgus am Fußaußenrand (
Kapitel 6). Das am wenigsten bewegliche Gelenk der Lisfranc-Gelenkreihe ist das zweite Tarsometatarsalgelenk. Es ist gegenüber seinen Nachbargelenken etwas nach hinten versetzt und dadurch kaum noch flexibel.

      Zehengelenke

      Auf Höhe des Fußballens befinden sich die Grundgelenke der Zehen zwischen jeweils einem Mittelfußknochen und dem Grundglied der Zehen (Metatarsophalangealgelenke). Unter diesen Gelenken ist das Großzehengrundgelenk am stärksten ausgebildet. Optisch ist es zwar sehr plump, hat aber die wichtige Funktion, für einen kräftigen Abdruck des Fußes zu sorgen. Es ermöglicht damit die Vorwärtsbewegung und dient als Stabilisator des Fußes bei unebenem oder instabilem Untergrund. Mit Ausnahme der Großzehe, die nur aus Grund- und Endglied mit einem Zwischengelenk besteht, haben alle anderen Zehen zwei Zwischengelenke zwischen ihren drei Knochengliedern.

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      [7 a] Gelenke des Fußes, Aufsicht

      Die vorrangige Bewegungsrichtung der Zehengrundgelenke und der Zehenzwischengelenke sind die Streckung (Dorsalextension) und die Beugung (Plantarflexion).

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