feinen Zwirn zusammengebunden werden. Damit die Halme beim Verarbeiten nicht brechen, sollten sie vorher eine Viertelstunde in heißem Wasser liegen.
SO WIRD’S GEMACHT
1. Jeder Stern beginnt mit einem Kreuz. Die Stücke werden zwischen Daumen und Zeigefinger festgehalten. Quer darüber legt man weitere Kreuze.
2. Das Garn wird überhängend über den zuletzt gelegten Halm gezogen, von hinten nach vorn, eingefädelt und gut verknotet.
3. Für einen dichten Stern werden zwei fertige Achtersterne übereinandergelegt und alle Halme miteinander verwoben. Der Garnrest ergibt die Schleife.
4. Zusammengehalten wird der Stern mit dem zuletzt gewebten Garn. Nun werden die inneren Garnfäden entfernt und die Strahlenenden auf die gleiche Länge gebracht und in Form geschnitten.
Besonders schöne Akzente bekommt man, wenn man bunte Fäden verwendet, bzw. ein Band durch die fertigen Sternspitzen webt.
DIE RAUNÄCHTE
RACHN GEHEN
Es war eines meiner liebsten Rituale:
Am 24. Dezember gingen wir mit dem Vater räuchern.
Der Geruch von Weihrauch, Myrrhe und getrockneten
Kräutern ist für mich und meine Familie fest
mit Weihnachten verbunden.
Wenn rund um Weihnachten das Aroma von Weihrauch, Harzen und Tannennadeln, getrockneten Kräutern und Baumflechten von Rauchschwaden durchs Haus getragen wird, ist die Zeit zwischen den Zeiten angebrochen. In weiten Teilen des Salzburger Landes gibt es drei Raunächte: den 24. und 31. Dezember und den 5. Jänner. Mancherorts zählt noch der 21. Dezember, die Thomasnacht, dazu und in einigen Regionen gelten sogar alle zwölf Nächte zwischen dem Heiligen Abend und dem Dreikönigstag als Raunächte.
In diesen Tagen, so heißt es, sind die Pforten zur Anderswelt offen. Dann treibt sich die Frau Percht, die mächtigste Unterweltgöttin des Alpenraums, mit ihrem Gefolge herum, um den Menschen Angst zu machen. Deshalb ging der Bauer und Hausvater mit der Familie räuchernd durch Stall und Haus, um alle Bewohner vor den bösen Mächten zu bewahren. Dem aromatischen Rauch wurde nicht nur eine schützende Wirkung gegen das Dunkle und Unheimliche zugesprochen, er wirkte auch reinigend für Haus, Körper, Geist und Seele. Das ist bis heute so der Brauch.
Lange bevor es dem Menschen möglich war, wohlriechende Essenzen durch Destillation zu gewinnen, setzte man den Duft von Hölzern, Harzen und Kräutern durch Rauch frei, indem man sie auf heiße Steine oder in die Glut legte. Der Rauch stieg nach oben, dorthin wo die Götter wohnten, und so wurde Räuchern zu einer Art duftender Post, mit der man Wünsche und Gebete gen Himmel schickte.
Ihren Ursprung haben die Raunächte in einer viel älteren Zeitrechnung: Während das Mondjahr nur 354 Tage hatte, zählte das Sonnenjahr 365. Die fehlenden 11 Tage und 12 Nächte wurden von den Kelten als »tote« Tage außerhalb der Zeit eingeschoben, um den Zeitunterschied auszugleichen.
Auch das Ritual des segnenden und reinigenden Räucherns geht auf die Kelten zurück. Es passt ja sehr gut in diese geheimnisvolle Zeit, in der Altes noch nicht ganz gegangen und das Neue noch nicht angekommen ist, und in der die Sehnsucht nach dem Ursprünglichen, dem Natürlichen erwacht.
Nicht ganz einig ist man sich, ob es Raunächte oder Rauchnächte heißen soll. Die einen sagen, es sei aus dem mittelhochdeutschen Wort rûch für haarig entstanden und bezieht sich auf die rauen, bockfüßigen Dämonen, die in diesen Nächten ihr Unwesen treiben. Die anderen leiten es vom Brauch des reinigenden Räucherns ab.
Ob so oder so, beim traditionellen »Rachn gehen« geht der Vater mit der Räucherpfanne voraus, dahinter die Mutter und die Kinder mit Kräutern und Weihrauch in den Händen und es wird gemeinsam gebetet. So ziehen sie von Raum zu Raum und in der dritten Raunacht auch noch dreimal ums Haus herum.
Seit Jahrhunderten bewährtes Räucherwerk und seine Wirkung:
Wacholder: wirkt desinfizierend, aufbauend, heilend, innerlich reinigend
Salbei: entlädt Räume nach Streitereien, wirkt reinigend, aufbauend, gedächtnisstärkend
Beifuss: wirkt anregend, reinigend, hilft die Orientierung zu behalten
Sonnwendkräuter: Johanniskraut und Königskerze wirken stimmungsaufhellend
Kiefernharz: nannte man früher Waldweihrauch, ist mittlerweile schwer zu bekommen. Vertieft die Atmung, gibt Kraft und Ausdauer, stärkt Lebensfreude und Selbstvertrauen
Tannenharz: gibt Kraft, Mut und Ausdauer
Weihrauch: ist das Harz von Boswella-Bäumen, die in Somalia, Äthiopien und Südarabien beheimatet sind. Wirkt keimtötend, desinfizierend, wundheilend, antirheumatisch, stimmungsaufhellend
Myrrhe: ist das Gummiharz des Myrrhestrauchs, der in Äthiopien und Südarabien beheimatet ist. Wirkt wundheilend, entzündungshemmend und bewusstseinserweiternd
Es gibt Räucherschalen aus Ton oder Metall, man kann aber einfach so wie früher eine Gusseisenpfanne nehmen. Wichtig ist, dass sie einen Stiel zum Tragen hat. Sie wird mit Quarzsand befüllt und darauf wird Räucherkohle platziert. Wenn diese zu Glühen beginnt, legt man das Räucherwerk auf. Moderne Kräuterhexen raten, das Fenster zu öffnen, damit die schlechte Energie, die dem Rauch entflieht, auch entweichen kann. Traditionell hat man früher höchstens die Türe geöffnet, um das Böse hinauszutreiben. Der Duft entfaltet sich jedenfalls besser, wenn die Fenster zu bleiben. Geräuchert werden kann vieles. In der Kirche steht Weihrauch und Myrrhe an oberster Stelle, aber auch Tannen- und Kieferharze, Wacholder, Salbei und Beifuß gehören zum heimischen Brauchtum. Und natürlich die Sonnwendkräuter, die bereits zur Sommersonnenwende geerntet und dann getrocknet wurden.
Beim Räuchern mussten wir immer
Rosenkranzbeten. Das konnten wir natürlich
nicht, also haben wir gemurmelt. Vielleicht
wäre das Hexeneinmaleins leichter gewesen.