Manfred Engeli

Gottes Angebote


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es nicht schafft zu vergeben? Wie kommt Gott diesen Menschen dann zu Hilfe? Dieser Frage bin ich in meiner Arbeit immer wieder begegnet. Ich verstand jeweils so gut, dass sich in der Seele des Opfers alles dagegen sträubte und es ihm menschenunmöglich schien zu vergeben. Andererseits wusste ich zu gut, dass es für die betroffene Person lebenswichtig war, es zu tun. Der erste Schritt bestand oft in der Einsicht, dass sie um ihrer selbst willen vergeben müsste; und so bewirkte Gott dann das Wollen. Aber der Schritt zum Vollbringen war auch dann oft noch groß. Deshalb beteten wir manchmal um die innere Bereitschaft und die Kraft dafür. Und wenn es auch dann zu keinem Durchbruch kam? Durch die unten geschilderte Erfahrung wurde mir zum ersten Mal klar, dass auch Vergeben-Können ein göttliches Angebot ist: Wir dürfen Gott unsere Unfähigkeit bekennen und in die Vergebungsbereitschaft Jesu eintreten. So wird auch das Vergeben zu einem von Gott vorbereiteten Werk. Dies wird hier deutlich (Beispiel 3):

      Im ersten Ehejahr hatte das junge Paar eine hilfsbedürftige junge Frau bei sich aufgenommen. Nach Jahren hatte meine Klientin dann erfahren, dass Ihr Mann sie während fünf Jahren mit der jungen Frau betrogen hatte. Nun war die Ehe am Ende, und wir arbeiteten die verletzenden Erfahrungen auf. Heute war schon das dritte Gespräch, in dem die Frau versuchte, ihrem Mann zu vergeben. Und wieder sagte sie unter Tränen: „Ich schaffe es nicht!“ Was konnten wir tun? Ich schlug eine Zeit des hörenden Gebets vor: „Herr, wie möchtest du Frau B. zu Hilfe kommen?“ Ich hatte einen bildhaften Eindruck: Jesus stand Herrn B. gegenüber und schaute ihn mit seiner ganzen Barmherzigkeit und Liebe an; die von ihm ausgehende Gnade war wie ein Lichtkegel. Ich verstand, dass Jesus Frau B. einlud, sich vor ihn hinzustellen und so in seine Vergebungsbereitschaft einzutreten. Dazu war sie bereit. Im Gebet stellte sie sich vor Jesus hin; so stand sie auch selber im Lichtkegel der Gnade. Als sie ihren Mann dann mit dem Blick der Barmherzigkeit Jesu ansah, brach sie in Tränen aus und sagte: „Der arme Kerl!“ Nun war das Tor für sie offen, den Weg des Vergebens zu gehen.

      1.3.3. Erlösung aus dem unguten Erbe

      Aber auch hier stellt sich die Frage, ob der Klient Gottes Angebot wirklich annehmen und eigenverantwortlich werden will, oder ob er sein Verhalten weiterhin mit diesen Prägungen entschuldigen möchte. Dieses Angebot kann in fünf Schritten angenommen werden:

       Die Person bekennt die unguten Reaktionsweisen oder Muster vor Gott als Schuld und bittet dafür um Vergebung.

       Sie legt die unguten Prägungen ab und nimmt Gottes Angebot des Loskaufs für sich in Anspruch; der Seelsorger bestätigt die Gültigkeit von Gottes Zusage und setzt die abgelegten Muster außer Kraft.

       Die Person zieht die neuen, gottgemäßen Haltungen und Lebensweisen an; sie tritt in diesem Bereich in das ihr als Gotteskind zustehende Erbe ein. Der Helfer kann diesen Schritt bestätigen (Zeugengebet35).

       Fürbitte für die Menschen, die bisher durch diese unguten Reaktionen betroffen worden sind, Gott möge es gemäß Römer 8,28 an ihnen gut machen.

       Falls die Person Kinder hat: Gebet, dass dieser ungute Strang der Erb­linie auch für kommende Generationen durchtrennt sein möge.1.3.4. Sorgen abwerfen

      All eure Sorge werft auf ihn,

      denn er kümmert sich um euch (1Ptr 5,7 EÜ).

      Wenn wir eine bedrängende Sorge los werden wollen, so sollten wir Gottes Angebot wörtlich ernst nehmen. Solange wir bitten: „Nimm mir meine Sorgen doch ab!“, wird wohl kaum etwas geschehen. In 1. Petrus 5,7 steht: „… werft auf ihn!“ Dies ist eine bewusste, aktive Handlung, hinter der ein klarer Entschluss steht. Um diesen Schritt im Gebet mit Entschiedenheit zu vollziehen, kann man ihn mit einer symbolischen Handlung begleiten. Immer wieder habe ich Klienten ermutigt, sich Zeit zu nehmen, um ihre Sorgen klar zu formulieren und auf ein Blatt Papier zu schreiben. Wenn sie dann bereit waren, sie loszulassen, nahmen sie mit einem letzten Blick auf das Blatt Abschied von ihnen, zerrissen das Blatt dann betend, und ich entsorgte die Fetzen im Papierkorb. Hier die Entdeckung eines Klienten (Beispiel 4):

      Welche Kraft in einer symbolischen Handlung liegt, hat ein Klient, mit dem ich über seine Sorgen und die Jakobus-Stelle gesprochen hatte, von sich aus intuitiv erfasst. Beim nächsten Termin berichtete er mir, was er anschließend an unser Gespräch aus eigener Initiative getan hatte: Er hatte sich am Fluss, an dessen Ufer die Christliche Beratungsstelle lag, einen flachen Stein ausgesucht, seine Sorgen darauf geschrieben und diesen dann betend in den Fluss geworfen. Wie befreiend war es, die Sorgenlast versinken zu sehen!

      1.3.5. Gottes individuelle Angebote

      Mein Staunen gilt aber nicht nur den für alle Menschen gültigen, biblischen Angeboten Gottes, sondern noch mehr seinen individuellen Angeboten, Wegen und Lösungen, die er für die einzelne Person bereithält. Es ist beeindruckend, die Kreativität Gottes zu entdecken und zu sehen, mit wie viel wohlwollendem Entgegenkommen, Gnade, Weisheit und Feinheit er auf die einzelne Person in ihrer einmaligen Wesensart und Situation eingeht.