Harald W. Fiori

Erziehung, was ist das eigentlich? Wer schreit hat Recht?


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kommunizierten, wäre der Lärmpegel keineswegs geringer als jetzt bei den Kindern. Würden Sie dann auch mit der Drohung argumentieren, man müsse diese Gruppen an die Luft setzen? Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass Ihnen dazu wohl doch der Mut fehlte. Warum aber versuchen Sie nun, Ihre Macht und Stärke den vermeintlich Schwächeren gegenüber auszuspielen? Denken Sie bitte mal darüber nach!“

      Der unwirsche Herr mit dem roten Gesicht steigt aus, ehe ich dazu komme, überhaupt etwas zu sagen.

      Lehrerart!: „Erst denken, dann reden“, zumindest wird das doch von einem Lehrer erwartet.

      Offenbar bin ich leicht rot angelaufen. Meine lieben Schülerinnen und Schüler schauen mich mitleidig an und werden tatsächlich etwas leiser.

      Was wäre eine solche Geschichte ohne Moral?

      Wenn zwei das Gleiche tun, ist das noch lange nicht das gleiche! Das gilt ganz besonders in der Erziehung.

      Erziehung, welch ein entsetzliches Wort! Da muss man doch unbedingt klären, was das eigentlich bedeutet. Was, zum Teufel, ist Erziehung?

      „Nehmen Sie die Menschen, wie sie sind, andere gibt’s nicht!“

      (Konrad Adenauer, erster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland 1876 – 1967)

      Wenn zwei das Gleiche tun, ist das häufig nicht dasselbe!

      Gelassenheit, Lebenslust und eine Prise Humor.

      Das wünsche ich allen!

      Kapitel 2

      Ganz besonders liebe Kinder

      Kindergeschrei geht vielen unheimlich auf die Nerven. Nicht zum Aushalten. Wieso müssen eigentlich Kinder immer so laut schreien? Zumindest dann, wenn sie zu mehreren miteinander spielen. Natürlich, da gibt es die Gruppendynamik. Wenn einer laut schreit, dann müssen es alle. In der Gruppe ist man stark. Je lauter man schreit, desto stärker ist man.

      Soweit so gut. Was lernt ein Kind über Rücksichtnahme?

      Besonders ältere Menschen finden manchmal, dass Kinder viel zu rücksichtslos sind. Fremde Kinder jedenfalls und solche, die kein Deutsch können oder nur sehr schlecht deutsch sprechen können.

      Das hat natürlich nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun, ist ja nur eine ganz unbestrittene Tatsache bei manchen älteren Menschen, die ja unbestritten eine sehr gute, lang erprobte Menschenkenntnis haben. Gemeint sind natürlich nur Ältere, so ab zwanzig aufwärts.

      Also Großeltern können Kinderlärm fantastisch gut ertragen, besonders dann, wenn der eigene Enkel in der lärmenden Gruppe der Anführer ist. Also bitte nicht immer auf die Alten schimpfen.

      Dabei ist eines ganz klar, ganz brave Kinder gibt es niemals, es sei denn, man würde sie dazu erziehen. Aber das ist bei Kindern wohl nicht ganz so leicht.

      Leichter ist das zum Beispiel bei Tieren, ganz besonders bei Hunden. Das sind dann die bravsten Kinder. Manchmal sind sie sogar mehr als Kinder!

      „Pinky komm mal her! Was hast du denn da am Füßchen, du kleiner Süßer du? Hast du dir wehgetan? Ja, nun zeig doch mal! Ach, da hast du ja in einen Dorn getreten! Nun bleib mal ganz ruhig sitzen! Das macht Mama doch gleich! Siehst du, kleiner Spatz, da haben wir den bösen Kerl! Nun kannst du wieder weiter toben! Zuhause guckt Mama dann noch mal nach! Dann waschen wir das Pfötchen!“

      Der kleine Kerl schaut so rührend und treu mit seinen schwarzen Äugelein auf die Mama. Kein Ton kommt über seine Lippen. Ganz lieb und unterwürfig hat er sein Pfötchen hingehalten.

      So wünscht man sich ganz besonders liebe Kinder. Sie sind ja so süß und anhänglich, diese Kleinen. Sie zeigen so vehement ihre Freude und Liebe. Sie widersprechen niemals. Und sie verstehen alles und haben für alles Verständnis! So ist es brav, so hat Frauchen ihren Liebling gern, dann wedelt er noch so rührend mit dem Schwanz, der Kleine!

      „Also, Frau Gedöns, so ein Hund ist doch wirklich wie ein Kind! Meinen Sie nicht auch? Ich möchte meinen kleinen Liebling nicht missen!“

      „Ja, da gebe ich Ihnen völlig Recht! Mein Foxi ist auch so eine treue Seele, versteht alles, ist immer freundlich und immer lieb, der reinste Seelentrost! Wenn ich den nicht hätte, wäre es ganz schön einsam! Foxi komm schön her, Frau Kleinerliebling hat doch ein Leckerchen für dich, nun komm schnell!“

      Foxi ist ein wenig abgelenkt, kommt aber sofort bei dem Wort „Leckerchen“. So ein kluges Kerlchen versteht doch alles, was Frauchen sagt.

      Und Frau Kleinerliebling hat ja wirklich ein Leckerchen, wie jeden Tag um diese Zeit. So wünscht man sich doch seine braven Kinderchen, Pardon Hündchen.

      Nicht unbedingt so, wie der Herr dort drüben. Der wirkt ein wenig hochnäsig. Aber sein Dobermann ist fantastisch gut erzogen, geht ohne Leine ganz eng bei Fuß, sitzt sofort, wenn Herrchen stehen bleibt. Bleibt auch sitzen, wenn Herrchen das verlangt und weitergeht. Phänomenal, was so ein Tier alles lernen kann.

      Der Hund gibt auf Kommando Pfötchen, er dreht sich um seine eigene Achse, wenn Herrchen das will, er setzt sich aufrecht auf Zuruf, und lässt seine Notdurft, die er gerade verrichten will, sofort sein, wenn Herrchen das will.

      Herrchen will das aber meistens nicht, denn der Hund ist ja deshalb draußen, damit er seine Notdurft, zu gut Deutsch seinen „Scheißhaufen“ dort lässt, wo er gerade läuft und steht.

      So brav wünscht sich doch mancher die Kinder von heute!

      Natürlich gibt es auch Hundehalter und Hundehalterinnen, die das, was der Hund fallen lässt, in eine dafür mitgenommene Tüte packen. Aber das ist nicht so wichtig. Wichtig ist nur, dass das liebe Tier wie ein braves Kind alles versteht und Herrchen oder Frauchen nur Freude macht.

      Allemal mehr Freude als ein Kind, oder?

      Also manche meinen jedenfalls, besser einen Hund anschaffen als ein Kind, getreu der Meinung „lieber Rinder als Kinder“.

      Dabei geht es eigentlich nur um richtig gute Erziehung!

      Oder ist das vielleicht doch keine echte Erziehung, wenn Hündchen oder „kleines Leckermäulchen“ oder der beste Freund des Menschen so viel gelernt hat von Frauchen oder Herrchen?

      Dämliches Wort „Erziehung“. Aber was genau bedeutet es eigentlich? Das muss doch festzustellen sein!

      Lieber heimlich schlau als unheimlich dumm!

      Die vernünftige Kreatur wird durch nichts so sehr als durch Belohnung aufgemuntert!

      Johann Adolph Hoffmann

       Muttersöhnchen

      Jungen sind grundsätzlich viel einfacher zu erziehen als Mädchen! Sagt jedenfalls meine Frau. Sie muss es wissen. Sie hat beides, einen Jungen und ein Mädchen.

      Ich natürlich auch, aber Väter haben manchmal auch noch andere Interessen. Jungen sind ja so anhänglich, wenigstens bei Mama.

      Jungen tun grundsätzlich alles, was Mama von ihnen verlangt. Jungen lassen sich von Mama zu allen möglichen Dingen überreden. Sie glauben zum Beispiel daran, dass es ein reines Vergnügen ist, in ein Krankenhaus zu kommen, um dort an den Mandeln operiert zu werden.

      Jungen schmusen oder kuscheln unheimlich gerne mit Mama. Wenn Mama es zulässt, lassen Jungen die Mama fast überhaupt nicht mehr los. Jungen gucken genauso lieb und treu, wie ein Hund auch gucken würde, wenn man denn einen Jungen so erzieht, zumindest bei Mama.

      Jungen sind Muttersöhnchen, wenn man sie lässt. Manchmal gibt es da noch Papa. Der war auch mal ein Muttersöhnchen, wenn man ihn gelassen hat.

      Deshalb klappt das mit dem lieben Jungen und dem eigenwilligen Papa auch manchmal nicht ganz so gut.

      Denn das Muttersöhnchen Papa möchte auch mit Mama schmusen oder kuscheln. Welche Konkurrenz!

      Wie verhält sich in diesem Fall denn Mama?

      Die pflichtbewusste Mama weiß natürlich, dass sie ihren Mann ganz sicher hat! Wenigstens glaubt sie das, so lange, bis sie