endlich losgeht, sei noch gesagt, dass wir das Leben unserer Katze verbessern wollen, aber dies sollte behutsam geschehen. Sie sollten möglichst nur Dinge ergänzen, aber nicht plötzlich wegnehmen oder ersetzen. Das bringt viel zu viel Unruhe für Ihre Katze. Möchten Sie experimentieren? Lassen Sie alles so stehen, wie es stand, und ergänzen Sie nur an anderer Stelle etwas. Beobachten Sie, ob die Veränderung in den kommenden Wochen funktioniert und nehmen Sie erst dann etwas weg, das nicht mehr gebraucht wird. Sie sollten also nicht wie ein Tornado durchs Haus fegen, sondern ganz langsam zu Werke gehen.
Viel Spaß beim Lesen! Und ich verspreche Ihnen, dass die Beziehung zu Ihrer Katze nicht mehr dieselbe sein wird.
Anneleen Bru
MSC in Animal Behaviour Counselling (University of Southampton, UK)
Verhaltenstherapeutin für Katzen
Felinova Animal Behaviour Consulting
WAS HABEN SIE DA EIGENTLICH IM HAUS?
Hintergrund Check Ihrer Katze
Felis silvestris – wer?
Dank umfangreicher DNA- und Verhaltensforschungen wissen wir, dass unsere Hauskatze von der Nordafrikanischen Wildkatze (Felis silvestris lybica) abstammt. Dieser Vorfahr unserer Katze lebt in Nordafrika und dem Mittleren Osten und ist ein äußerst territorialer, solitärer und opportunistischer Jäger mit einem großen Repertoire an besonderen Eigenschaften und Gewohnheiten.
Wie jeder erfolgreiche Jäger entwickelte diese Wildkatze eine spezielle Bandbreite an Kommunikationsformen, Konfliktstrategien, Jagdfertigkeiten und Verhaltensweisen, die dem Leben in verschiedenen Habitaten (Steppe, Savanne, Wald, Wüste), Wetterbedingungen und Umständen angepasst sind. Die Nordafrikanische Wildkatze hat allerdings auch mit Einschränkungen zu kämpfen. Dieser Katzenart fällt der Umgang mit anderen Katzen schwer, da sie nie in einer Gruppe gelebt hat und ihre Anpassungsfähigkeit oftmals versagt. Das trägt dazu bei, dass Katzen innerhalb der Familie der Felis silvestris lybica äußerst stressempfindlich sind.
Wichtig zu wissen ist, dass Ihre Hauskatze ihrem Vorfahren zum Verwechseln ähnlich ist – dieselben Instinkte, Nöte, Vorlieben und Erwartungen. Jede Katze hat das gleiche Köfferchen zu tragen, egal ob Britisch Kurzhaar, Heilige Birma mit blauen Augen oder echter Tierheimkater.
Die (Selbst-)Domestizierung der Hauskatze ist ein Prozess aus jüngerer Zeit, bei dem die Katze ihr ödes solitäres Leben mit wenig Ressourcen nach und nach zugunsten eines Nahrungsüberflusses aufgibt und sich tolerant zeigt – etwa gegenüber anderen Katzen und Menschen. Und genau das kann der Fall sein, wenngleich unterschiedlich ausgeprägt. Wenn alle Umgebungsfaktoren optimal sind, kann die Katze sogar starke soziale Bindungen zu anderen Katzen eingehen.
Beschreibung der Nordafrikanischen Wildkatze
Sehr territorial
Solitärer Jäger
Schüchtern, versteckt sich schnell
Beute größerer Raubtiere
Soziale Kontakte nur während der Paarungszeit
Rasche Anpassung an die Umgebung
Vor allem nachts und in der Dämmerung aktiv
Vermeidet Konflikte, schützt sich durch Flucht
Frisst mehrfach am Tag kleine Beutetiere
Jagt Mäuse, Vögel, Insekten, Reptilien und Amphibien
Trinken hat keine Priorität, wegen hohen Flüssigkeitsgehalts der Beutetiere
Als solitärer Jäger sehr anfällig, lässt sich keinen Schmerz anmerken
Die Erbanlagen, die unsere Hauskatze von ihren Vorfahren bekommen hat, zeigen sich in an sehr subtilen Verhaltensmustern, die uns Menschen manchmal seltsam vorkommen, doch oftmals tief in der Katze programmiert sind, auch wenn sie längst nicht mehr relevant erscheinen.
Dazu einige Beispiele:
Exkremente werden gründlich in der Katzentoilette vergraben, denn die Gerüche könnten Raubtiere anlocken
Rund um den Futternapf kratzen, um Stücke „zu vergraben“, aus demselben Grund
Feinde anstarren
Fremde Katzen als Feinde betrachten
Etwa 10- bis 20-mal am Tag kleine Portionen essen
Sich beim Fressen und dem Besuch des Katzenklos sehr verwundbar fühlen
Über ein sehr beschränktes Repertoire an sozialen Signalen gegenüber anderen Katzen verfügen
Kein soziales Versöhnungsverhalten gegenüber anderen Katzen, in der Wüste zogen Katzen sich einfach zurück
Täglich feste Strecken ablaufen, um den eigenen Lebensraum zu markieren und Pheromone abzusondern
Empfindlich auf Stress reagieren, bei Veränderungen und neuen oder unbekannten Dingen
Sich selbst in Sicherheit bringen
Sich keinen Schmerz anmerken lassen
Von ihrem Vorfahren lybica geerbte Vorlieben:
Weicher Sand beim Toilettengang, wie in der Wüste
Erhöhter Platz, um Ausschau zu halten und sich in Sicherheit zu bringen
Weicher Untergrund wie Holz und Rinde, um Krallen abzustoßen
Fließendes Wasser zum Trinken – statt stehendes
Fressen und Trinken von großen Oberflächen, damit die Schnurrhaare nichts berühren
Kleine Räume zum Verstecken
Wie Ihre Katze die Welt wahrnimmt
Ihre Katze sieht nicht, was Sie sehen
Katzen können besser sehen als Menschen, aber sie sehen weniger bunt. Bei der menschlichen Netzhaut kommen auf einen Zapfen (um Farbe zu sehen) vier Stäbchen (um Hell und Dunkel zu unterscheiden, also um scharf zu sehen). Katzen haben pro Zapfen etwa 20 Stäbchen, wodurch sie selbst die kleinste Bewegung in der Ferne wahrnehmen können. Für ihre Überlebenschancen und den Beutefang ist das äußerst effizient.
Katzen können Blau, Grün, Violett und ein wenig Gelb sehen. Farben wie Rot, Rosa, Braun und Orange nehmen sie nur als Grauabstufungen wahr. Sie unterscheiden dafür mehr Grautöne als wir Menschen. Die Farbe einer Beute ist daher aber völlig uninteressant.
Bewegung, Geräusche und Gerüche sind hingegen von großer Bedeutung. Für die Katze spielt der Kontrast zwischen dem Körper des Opfers und dem Hintergrund eine wesentliche Rolle. Haben Sie einen hellen Boden, dann wählen Sie dunkles Spielzeug, ist der Boden