unterschiedlichen Situationen führen.
Katzenbesitzer erzählen während einer Beratung häufig, dass „meine vorherige Katze das nie gemacht hat“, „meine alte Katze hat das gemacht“, oder „die Katze meiner Eltern reagiert ganz anders darauf“.
Wie kommt das?
In diesem Kapitel wollen wir uns die verschiedenen Einflüsse auf das Verhalten Ihrer Katze näher anschauen.
Der Charakter Ihrer Katze hat zwei Faktoren
Der Charakter Ihrer Katze wird durch zwei wichtige Faktoren bestimmt. Auf ihrer Basis können vier Kombinationen aufgestellt werden, um eine Katze zu beschreiben. Die zwei Faktoren werden später um allgemeine Einflüsse auf das Katzenverhalten ergänzt.
Dominant? Nein! Selbstsicher!
Faktor 1 ist der angeborene Grad an Selbstbewusstsein Ihrer Katze, vielfach als „Dominanz“ oder „Unterwürfigkeit“ missverstanden. Dominanz gibt es bei Katzen eigentlich nicht, da sie von Natur aus solitäre Jäger sind und zum Überleben keine feste Hierarchie brauchen.
Der Grad an Selbstsicherheit einer Katze ist angeboren und kann von sehr schüchtern bis sehr selbstbewusst variieren. Dieser angeborene Charakterzug bestimmt zum großen Teil, wie die Katze auf ihre Umgebung reagiert.
Wenn sich eine schüchterne Katze bedroht fühlt, wird sie sich zurückziehen und sich an einem höhergelegenen oder sicheren Ort, wie dem Dachboden, verstecken. Diese unsicheren Katzen neigen bei Stress weniger zum Markieren. Sie halten sich am liebsten zurück, um möglichst nicht aufzufallen.
Eine selbstbewusste Katze wird bei Angst und Frustration jedoch ein aggressives Verhalten wie Ausholen oder Attackieren an den Tag legen. Diese Katzen verstecken sich auch nicht unter Stühlen und Sofas, wenn sie sich nicht gut fühlen, sondern markieren dann.
Schüchterne Katzen haben ein kleineres Revier und sind vorsichtiger, indem sie sich nicht so neugierig zeigen und sich nicht in den Vordergrund drängen.
Selbstsichere Katzen wollen alles sehen und haben in der Regel einen größeren Entdeckungsdrang, was logischerweise auch ein größeres Revier bedeutet.
Sozialisation in den ersten sieben Wochen
Faktor 2 ist die Sozialisation. Eine Katze ist immer an etwas sozialisiert, sei es an ihre Umgebung oder an Lebewesen, die sie in den ersten sieben Wochen ihres Lebens kennengelernt hat.
In der Forschung wird die Sozialisationsperiode als Zeit zwischen der zweiten und siebten Woche definiert. In diesem Zeitraum lernt die Katze, was normal ist und vor was sie sie fürchten muss.
Katzen lernen, indem sie auf eine nicht-invasive oder nicht-intensive Art verschiedenen Reizen ausgesetzt werden, wobei die Tiere immer die Möglichkeit haben, diese zu untersuchen oder sich zu entfernen, wenn sie wollen. Katzenjunge besitzen in diesem Alter noch keine automatische Schreckreaktion, was bedeutet, dass sie nicht alles gleich als bedrohlich erfahren.
Wenn ein Katzenjunges auf einem Bauernhof aufwächst, dann wird es sich später in einer Umgebung am wohlsten fühlen, die dieser ähnelt.
Wenn eine Katze bei Menschen aufwächst, die sich aktiv um die Sozialisation der Katzenjungen kümmern und sie an alle Reize der Menschenwelt gewöhnen, dann wird sich die Katze später in menschlicher Umgebung am wohlsten fühlen.
Und jetzt?
Beide Faktoren (Grad der Selbstsicherheit und Sozialisation) dienen also nicht nur dazu, das Verhalten der Katze zu erklären. sondern sind auch Werkzeuge, um zu verstehen, wie das Wohlbefinden der Katze verbessert werden kann.
Wenn also beispielsweise anhand der Sozialisation einer Katze Katzeneltern ausgewählt werden und das Tier trainiert wird, bestimmte Dinge im neuen Zuhause (oder ganz neu) kennenzulernen, erhöht dies die Erfolgsaussichten der Adoption und das Wohlbefinden von Katze und Besitzer. Zu welcher „Kategorie“ Ihre Katze gehört, ist sicher nicht bindend und unumstößlich. So können schüchterne Katzen in einer veränderten Umgebung aufblühen und selbstsicherer werden. Manchmal ist es aber leider auch umgekehrt.
Katzen, die nicht so gut sozialisiert sind, können sich mit ausreichend Geduld und entsprechenden Trainingsmethoden in ihrer Umgebung wohler fühlen, auch wenn sie in jungen Jahren nicht sozialisiert wurden.
Wenn Sie sich eine Katze ins Haus holen, dann schauen Sie zuerst einmal, woher das Tier kommt und wie es die ersten Wochen aufgezogen wurde.
Selbstsicher und gut sozialisiert
Die Katze hat viel Selbstvertrauen und ist als Junges in der Umgebung sozialisiert worden, in der sie momentan lebt. Sie ist sehr entdeckungsfreudig und hat nicht gleich vor allem Angst. Diese Katzen sind immer sofort dabei und schrecken auch nicht davor zurück, andere Katzen einzuschüchtern oder ihnen den Weg zu versperren, um ihre Ressourcen (Essen, Trinken, Spiele …) ganz für sich zu haben. Wenn Sie sich eine glückliche Katze wünschen, ist dies das beste Szenario. Aber es ist nicht unbedingt ideal, wenn noch andere, schüchternere Katzen im selben Haus leben.
Nicht selbstsicher und nicht gut sozialisiert
Diese Katze ist äußerst schüchtern und lässt sich von Dingen oder Ereignissen in ihrer Umgebung leicht beeindrucken. Die Katze bekommt schnell Angst, da sie viele Dinge nicht kennt und nie gelernt hat, dass sie okay sind. Diese Katze ist äußerst stressanfällig, da sie viele Reize und Erlebnisse als bedrohlich empfinden. Sie zieht sich zurück, was aber ihre Situation nicht ändert. Sie lernt auf diese Weise nichts dazu, und so ändert sich für sie nichts. Diese Katzen sollten deshalb am besten in eine Umgebung kommen, die der ähnelt, in der sie aufgewachsen sind.
Selbstsicher und nicht gut sozialisiert
Die Katze hat viel Selbstsicherheit, ist aber nicht an die Umgebung sozialisiert, in der sie lebt. Folglich hat sie häufig Angst vor Dingen in ihrer Umgebung, die sie nicht kennt und als bedrohlich erfährt. Diese selbstsicheren Katzen zeigen ihre Angst durch Aggression, ängstliches Verhalten oder deutliche Kommunikationsmittel wie Kratzen und Markieren. Dieser Katzentyp ist seiner Umgebung gegenüber nicht milde gestimmt. Der selbstsichere Charakter der Katze dient vielmehr als Ventil, um mit den Gefühlen umzugehen, da das Tier tatsächlich an seiner Umgebung etwas ändern kann. Die Katze kann Feinde verjagen oder Duftsignale absetzen, die die Vorhersagbarkeit ihres Reviers erhöhen. Diese Katzen werden in Ihre Nähe kommen und bestimmte Streicheleinheiten akzeptieren, werden sich aber selten auf Ihren Schoß legen und sich stattdessen eher in Ihrer Nähe niederlassen.
Nicht selbstsicher und gut sozialisiert
Diese Katze ist schüchtern, aber gut an ihre Umgebung sozialisiert. Sie zeigt kaum Schreckreaktionen, betrachtet Dinge aber zunächst aus einiger Entfernung, bevor sie sie näher erkundet. Diese Katzen lieben den Kontakt zu Ihnen, werden sich aber erst abwartend zeigen.
Einflüsse auf das Verhalten Ihrer Katze
Neben diesen vier Kombinationen gibt es noch eine Reihe anderer Einflüsse auf das Verhalten Ihrer Katze. Sie bestimmen, warum Ihre Katze auf eine bestimmte Art und Weise reagiert und sich nicht so verhält, wie die Katze des Nachbarn oder „Ihre alte‟ Katze.
Diese Einflüsse sind keine exakte Wissenschaft und die Kennzeichen oder Kombinationen sind nicht immer und in allen Situationen für alle Katzen gültig. Häufig handelt es sich um einen Mix verschiedener Einflüsse.
Betrachten Sie die Typeneinteilungen im Hinblick auf die zwei Faktoren also nicht als „Schubladen“, in die Sie Ihre Katze einsortieren, sondern vielmehr als einen nötigen Hintergrund und als mögliche Erklärung dafür, warum Ihre Katze zu einem bestimmten Verhalten Ihnen oder anderen Katzen gegenüber