Anneleen Bru

I love Happy Cats


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      Aus wissenschaftlichen Studien wissen wir, dass der Charakter des Katzenvaters Einfluss auf das Selbstvertrauen einer Katze hat. Untersuchungen haben gezeigt, dass Katzenjunge von selbstsicheren Vätern ebenfalls mehr Selbstvertrauen haben, sodass sie sich schneller an ihre Umgebung sozialisieren und dadurch freundlicher werden.

      Pränatale Einflüsse

      Katzenmütter, die in der Schwangerschaft mehr Stress ausgesetzt waren und damit auch einen erhöhten Cortisol-Spiegel im Blut hatten, gebären meist auch reaktivere Junge.

      Diese Katzenjungen reagieren ängstlicher und nehmen Dinge häufiger als Bedrohung wahr. Nicht unlogisch: Wenn man in einer Zeit von Gefahr und Stress geboren wird, muss man schnell und effizient auf eine Bedrohung reagieren.

      Fellfarben

      Früher ging man davon aus, dass Fellfarbe und Verhalten miteinander in Verbindung stehen. Crèmefarbene oder rote Katzen galten als aggressiver und weniger tolerant gegenüber Fremden und als angeblich temperamentvoller.

      Inzwischen werden die bestehenden wissenschaftlichen Untersuchungen jedoch stark angezweifelt und wir gehen davon aus, dass es keine verlässliche abschließende Studie gibt, die darauf hinweist, dass bestimmte Fellfarben bestimmte Charakterzüge nach sich ziehen.

      Weitere Studien zur Wahrnehmung von Charakterzügen anhand von Fellfarben bei Katzenbesitzern haben allerdings gezeigt, dass ein Zusammenhang zwischen verschiedenen Farben (Weiß, Schwarz, zweifarbig, dreifarbig und Rot) und Charakterzügen wie zurückhaltend, freundlich, intolerant, ruhig oder schüchtern von den Besitzern beobachtet wurde. Hier geht es natürlich lediglich um die Wahrnehmungen der Katzenbesitzer und nicht um nachweisbare Zusammenhänge bei den Katzen selbst.

      Farbe ist in jedem Fall nur ein kleiner Bereich in dem großen Feld möglicher Einflüsse auf das Katzenverhalten. Wir sollten uns also nicht allzu sehr darauf fixieren.

      Rasse

      Katzenrassen werden nicht nur aufgrund ihrer morphologischen und äußerlichen Kennzeichen unterschieden, sondern auch hinsichtlich ihres spezifischen Verhaltens. Hier können sicherlich bestimmte Verbindungen gezogen werden, auch wenn uns kein wissenschaftlicher Beweis vorliegt, der diese Beziehungen untermauert.

      So gelten Bengalen als sehr tatendurstig. Östliche Rassen wie Siam oder Balinese hingegen sind sehr aktiv, sowohl vokal wie sozial, und zeigen häufig das Pica-Syndrom (Fressen von nicht essbaren Dingen, wie z. B. Stoff).

      Ragdolls sind auf Charakterzüge wie Trägheit und Anhänglichkeit gezüchtet, wie echte Puppen (dolls). Eine Heilige Birma ist unabhängiger, aber trotzdem sozial. Blaue Russen sind schüchterner und Perser zeigen häufiger Verhaltensauffälligkeiten. Wir als Therapeuten berücksichtigen das selbstverständlich, aber die Rasse ist nie der ausschlaggebende Grund oder die Ursache eines bestimmten Verhaltens oder Problems.

      Es ist daher auch keine gute Idee, an Rassekatzen andere Erwartungen zu stellen als an normale Haus-, Garten- oder Küchenkatzen. Ob Ihre Katze nun ein weißes Fell oder blaue Augen hat, ein Tabby-Fell oder ein plattes Maul, besondere Streifen oder andere Muster, alle Katzen sind gleich programmiert und haben dieselben Nöte und Instinkte.

      Von Rassekatzen wird beispielsweise viele eher erwartet, dass sie problemlos in einer Wohnung gehalten werden können, aufgrund ihres höheren Anschaffungspreises, der Angst, gestohlen zu werden oder weil man befürchtet, dass sie weniger Katzenfertigkeiten besitzen, um im Freien zu überleben. Doch das stimmt überhaupt nicht. Rassekatzen mögen zwar die Außenwelt nicht kennen, aber jede von ihnen hat den Drang, auf Erkundungstour zu gehen, zu jagen oder zu klettern, so wie alle normalen Straßenkatzen oder Tierheimkatzen auch.

      Umgebung

      Die Umgebung einer Katze hat großen Einfluss auf ihr Verhalten. Eine Katze ist deshalb auch sehr an ihre Umgebung gebunden! Darum lassen wir die Katze möglichst zu Hause. Katzen in eine andere Umgebung zu versetzen, ist nicht nur für sie äußerst stressig, sondern eine Veränderung bewirkt – aufgrund der vielfältigen Einflüsse (Geräusche, Gerüche, neue Dinge …) – auch ein anderes Verhalten als in vertrauter Umgebung.

      Ob die Umgebung die Nöte und natürlichen Instinkte der Katze ausreichend berücksichtigt, wird ihr Verhalten gegenüber Menschen und anderen Katzen beeinflussen. Ob die Katze sich tolerant zeigt oder sich sicher fühlt, hängt folglich vom Angebot der Umgebung ab, wie etwa Fressplätze, Trinken, Katzentoiletten, Verstecke, Kratzplätze, Jagdmöglichkeiten und reichhaltiges Futter.

      Wir wissen, dass der größte Stressfaktor bei Katzen nicht so sehr das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein einer Bedrohung an sich ist, sondern die Möglichkeiten und Wahlmöglichkeiten, mit denen die Katze in ihrer Umgebung konfrontiert wird. Kann sich das Tier an einen sicheren Ort zurückziehen und hat es ausreichend Ruhe? Sind die notwendigen Grundbedürfnisse (Fressen, Trinken, Katzentoilette …) vorhersehbar und sicher zugänglich? Katzen sind durch und durch Opportunisten und behalten gern die Kontrolle!

      Wenn Katzen genügend Wahlmöglichkeiten bleiben und sie sich je nach Gefahr in ihrem Versteck sicher fühlen, dann fühlen sie sich insgesamt wohler. Das Angebot zur Befriedigung der Bedürfnisse, die Werkzeuge zur Stressbewältigung und die Anreize in der Umgebung haben einen entscheidenden Einfluss auf das tägliche Verhalten und Wohlergehen der Katze und ihren Umgang mit anderen Katzen und uns Menschen.

      Individuelle Vorlieben

      Ihre Katze wird nicht nur mit einem ganz eigenen Charakter hinsichtlich ihres Selbstvertrauens geboren, sie entwickelt nach der Geburt und Sozialisation auch ihre eigenen Vorlieben.

      Die Vorlieben der Katze zeigen sich beispielsweise am bevorzugten Ort zu fressen und zu trinken, am Geruch der Beute, die sie anregt, an den Stellen, an denen sie gern gestreichelt wird, und daran, welche Stimmen und Personen ihr angenehmer sind, in welchem Körbchen sie lieber schläft oder ob sie lieber auf dem Boden oder weiter oben sitzt, und so weiter.

      Die individuellen Vorlieben können sich während des Katzenlebens verändern, und das ist auch der Grund, warum wir in diesem Buch über das Prinzip von „Supermärkten“ sprechen, die wir im Lebensraum der Katze einrichten, damit die Katze ihren persönlichen Vorlieben entsprechend eigene Entscheidungen treffen kann.

      Gelerntes Verhalten

      Jedes Tier, das länger als zwei Jahreszeiten lebt, besitzt ein gewisses Lernvermögen. Jeden Tag lernt es beispielsweise, welche Signale in der Umgebung etwas Gutes bedeuten und welche etwas Negatives. Bei Tieren wird ihre Intelligenz an ihr Lernvermögen gekoppelt – nämlich indem geschaut wird, wie schnell das Tier Assoziationen in seiner Umgebung herstellt. So ist es auch bei Katzen: Sie lernen jeden Tag, mit welchem Verhalten sie am meisten erreichen können.

      Wie bereits erwähnt, sind Katzen Opportunisten, sie werden jede Gelegenheit nutzen, um (möglichst ohne große Mühe) etwas zu erreichen, das ihnen wichtig ist, wie Fressen, Aufmerksamkeit, Zugang nach draußen, neue Entdeckungen und Ähnliches.

      Das opportunistische Verhalten hat dazu geführt, dass Katzen enorm clevere Tiere sind, die genau wissen, in welcher Situation, bei welcher Person, zu welcher Tageszeit, unter welchen Umständen und sogar in welchem Gemütszustand des Besitzers sie etwas erreichen können.

      Katzen laufen den ganzen Tag durch die Gegend und beobachten ihr Lebensumfeld, zu dem wir als ihre Besitzer dazugehören. Sie wissen, welche Bewegungen Sie im Bett kurz vor dem Aufstehen machen, sie wissen, dass das Klingeln des Weckers bedeutet, dass Sie nun aufstehen und ihnen das Fressen hinstellen, und sie wissen nur zu gut, dass sie keine Aufmerksamkeit erwarten können, wenn das Telefon klingelt.

      Denken Sie also daran, dass Ihre Katze sehr schlau ist und Sie ihr viele neue Dinge beibringen können. Menschen sagen oder denken oftmals, man könne Katzen nichts beibringen; „sie sind doch nicht so klug wie Hunde“. Nun, Katzen sind mindestens genauso klug. Sie sind einfach nicht