Anne Löwen

Minimalismus Mom


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irgendwann herausgefordert, Existenznot durchzustehen. Dann werden wir so froh sein über alles, was wir von ihnen lernen konnten.

      Aber solange wir im Überfluss leben, sollten wir auch das dafür passende Mindset wählen. Und das heißt abzugeben, was zu viel ist.

      WAS IST MINIMALISMUS?

      Und damit sind wir eigentlich schon bei der Erklärung, was Minimalismus eigentlich ist. Denn Minimalismus ist nichts anderes als das passende Mindset für unsere Überflussgesellschaft. Es bedeutet also nicht Verzicht, wie so viele meinen. Sondern es bedeutet, sich dafür zu entscheiden, genau so viel zu besitzen, wie man braucht und wirklich möchte. Es ist ein Abstreifen all dessen, was zu viel ist und belastet. Es bedeutet, frei und mit Leichtigkeit zu leben.

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      Ich merke, wie mich diese Gedanken jedes Mal aufs Neue packen und begeistern. Denn ich möchte frei und leicht durchs Leben hüpfen, ohne Ballast auf meinem Rücken zu tragen, der mich runterzieht und mir viel zu schwer ist.

      Ist dir bewusst, dass es sich mit deinem Besitz genauso verhält wie mit einem Rucksack? Auch wenn es etwas merkwürdig klingt, aber im Grunde tragen wir unseren Besitz mit uns herum. Zwar nicht direkt auf unseren Schultern, aber in unseren Gedanken sehr wohl.

      Stell dir diese Situation mal für einen Moment bildlich vor: Alles, was du besitzt, trägst du in einem Rucksack auf deinem Rücken. Wie fühlt sich das an? Ist dir der Rucksack zu schwer? Brichst du unter seiner Last zusammen? Schneiden die Riemen schmerzend in deine Schultern? Oder hast du das Gefühl, dass das Gewicht dir passt? Dass du alles hast, was du für deine Reise brauchst? Oder ist der Rucksack zu leicht und du sorgst dich, genug dabeizuhaben (was allerdings in unserem Land eher unwahrscheinlich ist)?

      Es kann total helfen, sich durch diese Visualisierung Klarheit darüber zu verschaffen, wie man sich eigentlich in Bezug auf seinen Besitz fühlt. Und nur um Missverständnissen entgegenzuwirken: Ich meine damit nicht, dass wir alle nur noch so viel besitzen sollen, wie wir gut in einem Rucksack tragen könnten. Ich weiß, dass viele Minimalisten so leben und um die Welt reisen, aber für uns Mamas mit Babys in den Armen und Schulkindern im Haus ist das wohl eher unrealistisch, oder?

      MINIMALISMUS BEDEUTET NICHT VERZICHT, SONDERN BEWUSST NUR SO VIEL ZU BESITZEN, WIE MAN WIRKLICH BRAUCHT UND MÖCHTE.

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      Dieser Übung nachzuspüren, wie sich dein Haushalt für dich anfühlt, ist natürlich im übertragenen Sinn gemeint. Scheint dir, was du besitzt, zu schwer oder passend?

      Ziel des minimalistischen Lifestyles ist es, sich sein Zuhause und sein Leben so zu gestalten, dass es passt und einen nicht mit seinem Gewicht erdrückt. Es bedeutet, genau das zu haben, was man wirklich braucht und liebt. Und sich gleichzeitig zu erlauben, all das nicht zu besitzen, was einem zu viel ist. Es bedeutet, sich seinen eigenen Wohlfühlbereich zu schaffen, eine Oase, in die man gerne zurückkehrt und in der man sich erholen und auftanken kann.

      Ist das nicht eigentlich genau der Lebensstil, den wir uns alle so sehr wünschen? Wer möchte nicht ein Zuhause haben, das einen wirklich aufatmen und zur Ruhe kommen lässt? Das einen mit Freude und Frieden erfüllt? Das alles hat, was man braucht oder sich wünscht?

      Ich glaube, der Grund dafür, dass nur so wenige in unserem Land nach diesem Prinzip leben, ist der, dass so viele Missverständnisse rund um Minimalismus kursieren. Viele von uns haben wahrscheinlich schon Bilder im Internet von spartanisch eingerichteten Zimmern gesehen, in denen Menschen in grauen Leinengewändern einfach auf dem kahlen Boden schlafen. Ganz im Ernst: Mein Ding ist das überhaupt nicht. Ich liebe mein Bett mit der dicken Matratze, der kuscheligen Decke und den flauschigen Kissen. Ich liebe Gardinen an den Fenstern, die einen Raum sofort gemütlich und wohnlich machen. Ich liebe meine Bücher und meine ätherischen Öle, von denen ich jeweils einige zu Hause habe (dazu später mehr). Und graue Leinengewänder brauche ich auch nicht so wirklich.

      Aber hier kommt die gute Nachricht: Du musst nicht auf deine geliebte Jeans oder deine gemütliche Bettdecke verzichten, wenn du minimalistisch leben willst. Du musst auf gar nichts verzichten. Um es noch mal zu wiederholen: Minimalismus bedeutet nicht Verzicht. Minimalismus bedeutet, so zu leben, wie es für dich passt – ohne irgendwelche Anzahlbeschränkungen.

      Es geht nicht darum, nur zwei T-Shirts zu besitzen, sondern genauso viele, wie du brauchst. Und das hängt von so vielen Umständen ab. Wenn du jeden Tag wäschst, wirst du mit weniger auskommen, als wenn du deine Maschine nur einmal in der Woche anwirfst. Wenn du in einer Bank arbeitest, brauchst du mehr Businessklamotten, als wenn du Erzieherin oder mit deinen Kleinen zu Hause bist. Deshalb ist Minimalismus auch absolut individuell und sieht für jeden anders aus.

      Wenn du überhaupt nicht gerne liest, kannst du deine Büchersammlung mit gutem Gewissen abgeben. Wir hingegen haben superviele Schränke voll mit Büchern, weil alle sechs Personen aus unserer Familie Bücher absolut lieben und täglich lesen beziehungsweise Bilderbücher anschauen.

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      Minimalismus heißt also, dir deine vier Wände so zu gestalten, dass sie genau zu dir und deinem Leben passen. Es heißt, dir deine persönliche Wohnoase zu kreieren, in der du mit Leichtigkeit leben kannst, anstatt dir deinen Lebensraum eng zu machen, indem du Dinge hortest, die du gar nicht brauchst oder liebst.

      Und ich kann dir sagen, dass dieses ganz individuelle Gestalten total viel Spaß macht. Ja, es ist nicht einfach, sich Kiste für Kiste, Schublade für Schublade, Regal für Regal durchzuarbeiten; aber wenn du einmal das Gröbste geschafft hast, bringt es wirklich nur noch Freude.

      Außerdem lernst du dich selbst noch mal um einiges besser kennen. Denn um zu entscheiden, was du brauchst oder nicht brauchst, behalten möchtest oder eben nicht, musst du dich selbst und dein Leben immer wieder hinterfragen und unter die Lupe nehmen. Ist zwar nicht immer ganz easy, aber dennoch befreiend. Es hat so viel damit zu tun, dementsprechend zu leben, was einem wirklich wichtig ist. Sich selbst immer wieder an Wahrheiten zu erinnern und Lügen und schlechte Gedankenmuster aus seinem Leben zu werfen. Und das sind ja alles Dinge, die für jeden lebensbereichernd sind und der Unzufriedenheit einen Strich durch die Rechnung machen.

      MINIMALISMUS IST ABSOLUT INDIVIDUELL UND SIEHT FÜR JEDEN ANDERS AUS.

      EIN BEFREIENDER LEBENSSTIL

      Das Leben, das ich früher ohne Minimalismus gelebt habe, hat mich tatsächlich immer irgendwie unzufrieden gemacht. Nicht dass du mich falsch verstehst: Ich war nicht dauerfrustriert oder permanent unglücklich. An sich war ich eigentlich auch da schon ein total glücklicher Mensch. Aber was meinen Haushalt angeht, war ich auf jeden Fall unzufrieden und ziemlich überfordert. Irgendwie war mir alles zu viel. Warum das so war, verstehe ich erst jetzt, wenn ich an unser vorminimalistisches Leben zurückdenke.

       ZU VIELE OPTISCHE REIZE

      Ich glaube, dass mir ganz besonders die vielen optischen Reize zu schaffen gemacht haben. Gefühlt war alles irgendwie zu bunt und zu voll. Überall stand etwas herum. Die Schubladen waren übervoll. Das war ein permanenter Stress für meine Sinne.

      Allerdings war mir das zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht bewusst. So richtig verstanden habe ich das erst später, als unser Haus optisch viel ruhiger wurde und ich gespürt habe, wie unendlich gut mir diese Entspannung für die Sinne tut. Vieles merkt man ja erst dann, wenn es sich verändert. Mir war gar nicht bewusst, wie sehr mich die ganzen Gegenstände um mich herum eigentlich gestresst haben. Erst als sie weg waren und ich die Ruhe wirklich spüren konnte, wurde es mir klar.

       ZU VIEL CHAOS

      Anders