Anne Löwen

Minimalismus Mom


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nicht zu den ordentlichsten Typen, sondern eher zu den verpeilten, die alles irgendwo verschludern. Ständig habe ich irgendwo irgendetwas gesucht. Und oft auch nicht mehr gefunden. So viele peinliche Situationen sind dadurch entstanden (oder Mahngebühren wurden fällig, weil ich die Rechnungen verschlampt und dann vergessen hatte …).

      Dieses ständige Gefühl von Chaos um mich herum und dass ich meinen Haushalt nicht im Griff habe, hat mir echt zu schaffen gemacht. Ich fühlte mich in diesem Bereich wie ein Versager. Und all das führte zu diesem konstanten Gefühl der Überforderung. Egal, was ich an Ordnungssystemen ausprobierte, nichts konnte mir wirklich langfristig helfen.

       ZU VIEL ARBEIT

      Unser Besitz will gepflegt, entstaubt und geputzt werden. Als wir noch inmitten all unserer gefühlt 100 000 Sachen saßen, hatte ich den Eindruck, nie fertig zu sein. Wenn ich in allen Räumen endlich Staub gewischt hatte, hatte sich im ersten schon wieder eine Staubschicht gebildet. Wenn ich versucht habe, in einen Raum mehr Ordnung zu bringen, dauerte es nicht lange und alles war schon wieder durcheinander – einfach weil zu viele Sachen in zu wenig Platz gestopft waren.

      Es war wie eine Schublade, in die man versucht, mehr reinzuquetschen, als eigentlich hineinpasst. Man bemüht sich, alles hineinzuschieben und die Schublade mit aller Kraft zuzudrücken. Doch immer bleibt noch ein Spalt offen, durch den ein paar zerknitterte Blätter und eine Taschentuchpackung lugen. Es kam mir so vor, als ob unser Haus wie diese zu volle Schublade war, die ich mühevoll versuchte zuzudrücken. Leider ohne Erfolg und mit viel zu viel Kraftaufwand.

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      Nur um Missverständnissen vorzubeugen: Wir hatten keinen Messiehaushalt, in dem sich die Dinge im wahrsten Sinne des Wortes bis zur Decke türmten. Eigentlich hatten wir ein ganz normales Haus mit einer wahrscheinlich durchschnittlichen Menge an Gegenständen. Wenn du zu Besuch gekommen wärst, hättest du bestimmt nichts Besonderes gedacht. Aber diese ganz durchschnittliche Menge hat mich dennoch unglaublich auf Trab gehalten.

      Unmengen an Kleidung, die gewaschen, getrocknet und in den Schrank geräumt werden wollten. Deko an Fenstern, auf Fensterbänken, Tischen und Kommoden, die zwar wunderschön war, aber auch das Putzen sehr aufwendig gemacht hat. Einmal Fensterputzen bedeutete, erst mal einen ganzen Haufen an Deko wegzumanövrieren. Die Böden in den Kinderzimmern waren übersät mit Spielsachen, derer ich irgendwie nicht Herr wurde. Egal, wie sehr ich meinen Kindern half, alles schön zu sortieren, es war einfach zu viel für sie (und für mich) und das Chaos behielt letztlich doch die Oberhand.

      Ständig fühlte ich mich unter Druck, irgendetwas machen zu müssen, um dem großen Ziel, ein schönes und ordentliches Zuhause zu haben, ein kleines Stückchen näher zu kommen. Ich wünschte mir so sehr Ordnung in meinen vier Wänden. Und dennoch kam es mir so vor, als ob ich dieses Ziel nie erreichen könnte. Egal, wie sehr ich mich um Ordnungssysteme bemühte oder wie motiviert ich ans Putzen und Sortieren ging: Ich kam nie an den Punkt, an dem ich das Gefühl hatte, fertig zu sein. Es gab immer noch mehr zu tun. Mehr zu putzen. Mehr zu ordnen. Mehr zu verstauen. Ich kam nie an ein Ende. Und dieses konstante Empfinden, nie fertig zu sein, nahm mich echt mit.

       ZU WENIG ZEIT

      Durch diesen ständigen Druck, eigentlich etwas machen zu müssen und nie ausruhen zu dürfen, fehlte mir die Zeit für so viele Dinge, die mir so wichtig waren. Es gab unzählige Momente, in denen meine Kinder mir etwas zeigen wollten, ich aber gestresst durch die Küche lief und ihnen nur ein kurz angebundenes „Jetzt nicht!“ entgegenschleuderte. Wie oft habe ich wertvolle Spielzeit mit ihnen geopfert, um mich doch lieber noch mal schnell durch die Wäscheberge zu kämpfen. Ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr ich schon um diese verlorenen Momente getrauert habe. Versäumte Zeit mit meinen Lieblingsmenschen, die nicht mehr nachzuholen ist.

      Zeit ist etwas unbeschreiblich Wertvolles. Sie vergeht so schnell. Sie ist begrenzt. Sie bedeutet Leben. Und wie wir sie nutzen, zeigt, wie unser Leben aussieht. Denn unser Leben ist eine lange Aneinanderreihung vieler kleiner Momente. Deshalb zählt jeder Moment. Und damit zählt auch, wie wir ihn füllen.

      Ich war überhaupt nicht glücklich damit, womit ich meine kleinen Momente verbrachte. Unglaublich viele waren mit irgendwelchen Gegenständen gefüllt. Ich beschäftigte mich mit meinem Staubsauger und meiner Waschmaschine. Meinem Staubtuch und meinem Kochlöffel. Meine Zeit ging in das Sortieren und Umräumen der Kleiderschränke und Spielzeugkisten, Nachttischchen und Vorratsschränke. Unser ganzes Zeug hielt mich permanent in Bewegung und dadurch vom Wichtigsten ab: von Menschen.

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       FRUST

      Irgendwie war ich dadurch total frustriert. Ich wusste einfach keine Lösung für dieses Problem. Es war für mich, als würde ich von zwei Seiten hin- und hergezogen werden: Auf der einen Seite wünschte ich mir, ein ordentliches und schönes Zuhause zu haben, in dem wir uns alle wohlfühlen; auf der anderen Seite stand mein Wunsch, ganz für meine Kinder, meinen Mann (und auch andere Menschen) da zu sein und nicht ständig mit irgendetwas beschäftigt zu sein.

      Egal wofür ich mich in einem bestimmten Moment entschied: Das Ergebnis war Frust. Wenn ich versuchte, unser Haus etwas aufzuhübschen und, so gut es ging, alles sauber und ordentlich zu halten, dann blieb keine Zeit mehr für das, was mir eigentlich viel wichtiger im Leben war. Ich wollte meine Zeit mit Menschen verbringen und nicht bloß mit Gegenständen. Also machte sich der Frust breit.

      Wenn ich mich stattdessen ganz meinen Kindern und anderen lieben Menschen widmete, versank unser Haus im Chaos. Und ich spürte immer wieder deutlich, dass ich so auch nicht leben wollte. Ich sehnte mich nach einer ruhigen und schönen Umgebung. Ich wollte nicht, dass meine Kinder in Unordnung groß wurden und das als normal ansehen würden, sondern dass sie von Anfang an lernen konnten, dass Ordnung etwas Wunderschönes ist, das unser Leben vereinfacht und Schönheit bringt.

       MAMAS: DAS HERZ EINES ZUHAUSES

      Ich möchte für meine Kinder da sein, aber ich möchte auch gut für das sorgen, was Gott uns an materiellen Dingen gegeben hat. Für mich gehören diese beiden Seiten zu der Aufgabe, die Gott mir als Mama anvertraut hat.

      ICH MÖCHTE FÜR MEINE KINDER DA SEIN, ABER ICH MÖCHTE AUCH GUT FÜR DAS SORGEN, WAS GOTT UNS AN MATERIELLEN DINGEN GEGEBEN HAT. FÜR MICH GEHÖREN DIESE BEIDEN SEITEN ZU DER AUFGABE, DIE GOTT MIR ALS MAMA ANVERTRAUT HAT.

      Als Mama darf ich das Herz meines Zuhauses sein. Das ist eine Sache, die mich immer wieder mit unglaublicher Dankbarkeit, aber auch Ehrfurcht erfüllt. Ich verstehe bis jetzt immer noch nicht genau, was es ist, das uns Mamas so besonders für unser Zuhause macht, aber Gott hat uns zu etwas ganz Wichtigem berufen.

      Unsere Stimmung beeinflusst die ganze Familie. Wenn wir schlecht drauf sind, dann dauert es nicht lange, bis alle genervt sind. Wenn wir aber vor Freude übersprudeln, stecken wir unsere Lieben genauso damit an. Auch stelle ich immer wieder fest, dass meine Kinder (auch die älteren) wesentlich schlechter damit umgehen können, wenn ich einmal für zwei Stunden unterwegs bin, als wenn mein Mann den ganzen Tag weg ist. Ich muss nur mal in den Supermarkt fahren und schon stehen meine Kinder vor der Haustür, fallen mir in die Arme und sagen mir, wie sehr sie mich vermisst haben. Auch wenn ihre Reaktion ziemlich süß ist, bringt mich das Ganze trotzdem ins Nachdenken.

      Wir Mamas haben einfach eine besondere Position in unserer Familie. Wir sind diejenigen, die Liebe, Herzlichkeit und Freude in unsere vier Wände bringen können wie kaum jemand sonst. Wir prägen unsere Familie auf ganz besondere Art.

      Ich habe diese ganz spezielle Aufgabe, die Gott mir in meiner Familie übertragen hat, schon immer als ein riesiges Geschenk und Privileg empfunden. Ich finde, es ist eine wunderschöne Aufgabe. Eine Berufung von unschätzbarem Wert. Ich glaube zutiefst, dass es dabei nicht die eine Art und Weise gibt, diese Berufung