Martin Breutigam

Himmlische Züge


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Ich spiele auf Sieg seinen steten Hang für Überraschungselemente. Mit 21 Jahren war er Großmeister geworden, und in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre galt er neben Bobby Fischer als bester Spieler des Westens. Viermal qualifizierte sich Larsen, oben mit Schwarz am Zug, für die Kandidatenturniere – jedoch nie für einen WM-Kampf.

      Am 9. September ist Bent Larsen, 75-jährig, in seiner Wahlheimat Buenos Aires verstorben.

      Lösung: 1…Sf3+! (Und hier gab der Finne Heikki Westerinen diese 1967 in Havanna gespielte Partie auf. Der weiße König zappelt bereits in einem Mattnetz: 2.gxf3 Td5+! 3.Kc1 Txe1 matt. Rettungschancen hätte Weiß hingegen im Fall von 1…Txe1? 2.Txe1 Txe1 3.Kxe1 Sxc2+ 4.Kd2 erhalten.) 0:1.

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      Grüße aus dem Kreml

      Welche gesellschaftspolitische Rolle das Schachspiel in Russland noch innehat, zeigte sich in dieser Woche bei der Eröffnung der Schacholympiade im sibirischen Chanty Mansijsk, als den 5.000 Besuchern auf einer Leinwand ein Video-Grußwort des Kremlchefs Dmitri Medwedew übermittelt wurde. Schach genoss ja schon im intellektuellen Leben der Sowjetunion ein hohes Ansehen. Die Nährböden der in den 1920er Jahren begonnenen staatlichen Förderung wurden immer breiter, so dass auch Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg fast alle Weltmeister aus der Sowjetunion kamen. Eine Dominanz, die sich prima ideologisieren ließ – und den Staat überlebt hat.

      Nun in Chanty Mansijsk sind wieder die Russen (mit Kramnik, Grischuk, Swidler, Karjakin und Malachow) der große Favorit. Wie zuletzt in Turin 2006 und Dresden 2008. Bloß holte dort jeweils Armenien Gold. Das kleine Land mit der ebenfalls großen Schachkultur kann es sich sogar leisten, auf einen seiner Jungstars zu verzichten: Zaven Andriasjan, oben mit Weiß, glänzte zuletzt anderenorts.

      Lösung: 1.Txf7! Dxf7 (Oder 1…Kxf7 2.Tf1+ und gewinnt.) 2.Sd6+! (Nach dieser netten Pointe gab Schwarz, der junge Deutsche Alexander Raykhman, diese beim Open in Thessaloniki gespielte Partie auf. Auf 2…Lxd6 folgt 3.Dd8 matt, bzw. 2…Kf8 3.Sxf7. Andriasjan gewann am Ende das Turnier) 1:0.

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      In zerrissenen Jeans

      An manchen Tagen sieht man Magnus Carlsen mit Seitenscheitel und zerrissenen Jeans herumlaufen. Das 19-jährige Schachgenie aus Norwegen hat jetzt nämlich einen einträglichen Nebenjob als Model für eine bekannte Modemarke. Am Schachbrett hingegen widersteht Carlsen allen Modewellen. Dank seines außergewöhnlichen Gedächtnisses kann er viele Informationen in kurzer Zeit aufnehmen, was ihn in die Lage versetzt, alle möglichen, auch unmodischen Eröffnungen zu spielen. Bloß hin und wieder zieht er etwas „Unmögliches“: Gegen Wassili Iwantschuk eröffnete er sogar einmal mit dem Randbauern (1.a3). Carlsen verlor die Partie – glücklicherweise, ist man geneigt zu sagen angesichts dieses für ihn untypischen Anflugs von Überheblichkeit.

      Bei der Schacholympiade in Chanty Mansijsk hat es die Nummer eins der Welt nun erneut übertrieben, als er sich gegen Michael Adams bizarr verteidigte (mit 1.e4 g6 2.d4 Sf6 3.e5 Sh5). Am Ende zerriss der Brite als Weißer, beginnend mit einem feinen Manöver, Carlsens Königsstellung. Wie?

      Lösung: 1.Ld1! (Ein aus Carlsens Sicht äußerst schmerzhafter Rückzug. Adams’ Läufer nimmt das Feld h5 unter Kontrolle, so dass Schwarz keine gute Verteidigung gegen das Opfermotiv Txh6+ hat.) 1…Tae8 2.Txh6+! (Carlsen gab auf. Auf 2…Kxh6 3.Dg5+ Kh7 gewinnt 4.Dh4+ Sh5 5.Lxh5 leicht.) 1:0.

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      Jet-Set-Liga

      Eben saß die Weltelite noch bei der Schacholympiade in Sibirien. An diesem Wochenende sind einige schon wieder hierzulande zugange. Die Bundesligasaison 2010/11 hat begonnen! Ob die OSG Baden-Baden den Titel verteidigen wird, hängt aber nicht allein von der Frage ab, wie oft die beiden Superstars, Magnus Carlsen und Vishy Anand, zum Zug kommen. Selbst für eine OSG-Bestbesetzung wäre das Team von Werder Bremen ein harter Gegner. Die stehen in einer fiktiven Global-Player-Tabelle ohnehin weit vorn: Im Aufgebot der Norddeutschen befinden sich neben nur einem deutschen Großmeister 15 aus anderen Nationen, zum Beispiel zwei frische Olympiasieger, nämlich die Ukrainer Eljanow und Jefimenko. Ihr olympisches Gold verdanken die Ukrainer übrigens vor allem dem (für Remagen spielenden) Wassili Iwantschuk, der am Spitzenbrett acht Punkte aus zehn Partien holte.

      Und auch der Franzose Laurent Fressinet ist ein Werderaner. Wie überlistete Fressinet mit Schwarz in der Schlussrunde in Chanty Mansijsk den Armenier Wladimir Akopjan?

      Lösung: 1…Sxg3+ (Zunächst eine nüchterne, hinlenkende Vorbereitung für …) 2.Kf2 Lc5! (… eine ungleich schönere Hinlenkung. Akopjan gab sofort auf, denn er würde unweigerlich seine Dame verlieren, z. B. 3.Dxc5 Se4+.) 0:1.

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      Gruppenphänomen

      Wieso Männer im Allgemeinen besser Schach spielen als Frauen, ist vor zwei Jahren an der Universität Tübingen erforscht worden. Wissenschaftler hatten die Leistungen von 120.000 deutschen Spielern (darunter 7.000 Frauen) verglichen – und fanden eine verblüffend einfache Antwort: Der Stärkeunterschied hänge damit zusammen, dass viel mehr Männer als Frauen Schach spielen. Die Ergebnisse entsprächen den statistischen Erwartungen, denn aus großen Gruppen würden mit höherer Wahrscheinlichkeit Topleistungen hervorgehen als aus kleinen. Tja, vielleicht sollte man die gängige Geschlechtertrennung einfach abschaffen? Nach der Logik der Tübinger Forscher dürfte sich das Spielniveau dann schneller angleichen.

      Judit Polgar, einzige Frau in den Top 100, spielt von jeher nur bei Männerturnieren, so auch neulich bei der Schacholympiade in Chanty Mansijsk: Dort setzte die Ungarin mit Schwarz ihrem Gegner, Ahmad Amhouri, etwas Verblüffendes vor. Sehen Sie, was es war?

      Lösung: 1…Sd5! (Ein Zauberzug!) 2.exd5 (Die fragile weiße Stellung fällt in jedem Fall zusammen, z. B. 2.fxe5 Sxe3 oder 2.Sdf1 Sxf4 oder 2.Sdc4 Txc4 3.fxe5 Lh4 4.Te2 Sf4 5.Th2 Lxe4 6.Lxe4 Txe4 7.Df3 T8xe5.) 2…Lxc2 3.De2 Sd3 4.Sf3 (Oder 4.Tf1 Lh4 5.Sf3 Sxc1 6.Taxc1 Txe3.) 4…Sxf4 5.Dh2 Sd3 6.Te2 Ld1 0:1.

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      Judit Polgar

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      Souverän in Bilbao: Wladimir Kramnik

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