Sandra König

Guten Morgen, Leben!


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Yoga« oder der »achtstufige Pfad«

      Dabei geht es um Selbstdisziplin und die tatsächliche Yogapraxis. Raja-Yoga umfasst die uns bekannten Yogatechniken wie Asana (Körperübung), Pranayama (Atemübung), Meditation und Kriya (Reinigungstechniken).

       4. Gyana-Yoga: der philosophische Weg

      Beim Yoga geht es immer um Körper und Geist. Es geht darum zu üben, zu spüren, zu fühlen, aber auch zu erkennen. Yoga als Weg zur Selbsterkenntnis.

      Diese vier Yogawege gehen Hand in Hand: Wenn wir liebevoll mit unseren Mitmenschen und der Natur umgehen, sind wir Bhakti-Yogis. Karma-Yogis sind wir, wenn wir anderen helfen. Wenn wir über den Sinn des Lebens nachdenken, sind wir Gyana-Yogis, und wenn wir unsere Yogaübungen machen, sind wir Raja-Yogis. So können wir alle vier Yogawege an jedem Tag leben … oder es zumindest versuchen.

      »YOGA IST DAS ZUR-RUHE-BRINGEN DER BEWEGUNGEN IM GEIST.«

      PATANJALI

       NANCY KRÜGER

       PHILOSOPHIN, YOGALEHRERIN, FREIGEIST

      Was bedeutet Yoga in unserer heutigen Zeit? Wie kann man eine 5.000 Jahre alte indische Philosophie ins Hier und Jetzt übersetzen und wie einen Nutzen für ein Leben in der westlichen Welt daraus ziehen? Nancy Krüger bildet nicht nur Yogalehrer aus, sie strahlt von morgens bis abends – dank Yoga.

      Wenn Nancy über Yoga-Philosophie spricht, glitzern ihre Augen. Ihre Erzählungen alter indischer Mythen und Geschichten leuchten in allen Farben wie ein Tempel in Indien.

      »Morgens wache ich auf, weil mein Sohn Pauli zu mir ins Bett kriecht. Jeden Tag sage ich dann: Nur noch fünf Minuten! Woraufhin er mir ein ›Kraftbussi‹ gibt – er ist davon überzeugt, dass seine Guten-Morgen-Küsse Zauberkräfte haben. Und das haben sie auch! – Meine eigene Morgenroutine beginnt erst, wenn ich Pauli in den Kindergarten gebracht habe. Dann setze ich mich auf meinen orangen Sessel und schaue aus dem Fenster. Das sind die einzigen fünf Minuten des Tages, in denen ich ganz still bin und nichts mache. Danach praktiziere ich Yoga. Früher wollte ich kreativ sein und jeden Tag etwas Neues ausprobieren oder üben. Jetzt mache ich jeden Morgen dieselben Positionen und versuche, sie nicht langweilig werden zu lassen. Routinen anders zu sehen, auf Details zu achten und ehrliche Freude dabei zu empfinden, das trainiere ich Tag für Tag auf meiner Yogamatte.

      Ist es nicht so, dass wir üblicherweise zwischen Dingen hin- und herspringen, die wir entweder sehr oder gar nicht mögen? Dass wir uns stets auf das nächste Highlight freuen? Dabei nimmt doch eigentlich die Zeit zwischen diesen Highlights den größten Raum ein. Ich halte es für eine unglaublich starke Kraft zu sehen, dass das wahre Leben aus ganz simplen Dingen besteht. Wenn man nur auf die Besonderheiten wartet, verpasst man es.

       Auch in einfachen Positionen liegt eine ganze Welt

      Yoga ist extrem rituell. In traditionellen Yogaschulen in Indien wird jeden Tag zur selben Zeit das ganze Yogasutra, alle 195 Verse, rezitiert. Das Yogasutra des indischen Gelehrten Patanjali gilt als wichtigster Yoga-Leitfaden im alltäglichen Leben. Es ist wie ein tägliches Wiederkäuen. Yogis glauben, wenn man diese Botschaften im Körper verankern möchte, muss man sie durch die tägliche Wiederholung in eine festere Konsistenz bringen. Physisch ist das der Sonnengruß, der jeden Morgen wiederholt wird, wieder und wieder und wieder.

      Gerade morgens ist es noch leicht, Klarheit zu finden, den Zauber zu sehen. Die Schwierigkeit liegt darin, über die Schwelle seiner Wohnungstür zu gehen und diese Qualität auch in den Tag mitzunehmen. Im Schnitt werden wir Mitteleuropäer 80 Jahre alt. Etwa 24 Jahre davon verbringen wir mit Schlafen, zwölf Jahre sitzen wir vor dem Fernseher, acht Jahre arbeiten wir, fünf Jahre widmen wir uns dem Essen, zwei Jahre und sechs Monate verbringen wir im Auto, ganze 16 Monate wird geputzt und neun Monate wird gewaschen und gebügelt. Wenn wir also den größten Teil unseres Lebens mit langweiligen Routinen verbringen, stellt sich mir die Frage, wie man dieses System im Kopf umkehren kann. Wie kann ich es schaffen, mich nicht nur auf die wenigen Momente zu fokussieren, in denen Höhepunkte passieren, sondern in allem anderen Freude zu finden?

      »ROUTINEN ANDERS ZU SEHEN, AUF DETAILS ZU ACHTEN UND EHRLICHE FREUDE DABEI ZU EMPFINDEN, DAS TRAINIERE ICH TAG FÜR TAG AUF MEINER YOGAMATTE.«

      NANCYS TIPPS FÜR TAGE, AN DENEN ES NICHT LÄUFT:

      1. LASSE ANDERE MACHEN!

      2. FÜHRE KEINE SCHWIERIGEN GESPRÄCHE!

      3. SAGE TERMINE AB UND NIMM DIR DEINEN RAUM!

      Manchmal gelingt meine Yogapraxis besser, manchmal schlechter – es gibt eben gute und weniger gute Tage. Aber die Kunst ist es, auch die weniger guten anzunehmen und nicht nur hinter sich zu bringen. Yoga hilft uns auch anzuerkennen, dass wir nicht jeden Tag herumreißen müssen, dass wir unsere Tagesverfassung auch einfach annehmen können und keine Widerstände erzeugen müssen.

      Auch schlechte Tage drücken dich nicht nieder, wenn du diesen Zustand mit Gleichmut nimmst – und dich selbst nicht so wichtig. Du bist nur ein kleiner Teil des Universums und musst nicht jeden Tag in Bestform sein. Das Universum wird trotzdem funktionieren.

      Wie sich die Welt verändern würde, wenn alle morgens fünf Minuten Yoga machten? Gute Frage. Dazu kann ich eines sagen: Ich kenne niemanden, dessen Leben durch die morgendliche Yogapraxis nicht ungemein bereichert wurde. Wie viel mehr ist möglich, wenn man im Inneren tief entspannt ist. Das Innere ist immer ein Ausgangspunkt für alles nach außen Gerichtete. Und selbst wenn es um Streit mit heftigen Emotionen geht, die richtig überkochen – Ausgangspunkt für deine Überzeugungskraft ist deine innere Ruhe. Und die kanalisierst du am besten in deiner gelernten und gelebten Routine.«

       DIE WICHTIGSTEN

       YOGASTILE IM ÜBERBLICK

      Yoga ist nicht gleich Yoga. Welcher Yogastil am besten zu dir passt?

       Das probierst du einfach aus!

       HATHA-YOGA

      Diese Form des Yoga ist die klassischste und im Westen bekannteste. Aus den Lehren des Hatha-Yoga haben sich alle anderen bekannten Stile entwickelt. Das Ziel und die Bedeutung von Hatha-Yoga liegt in der Herstellung des Gleichgewichts von Körper und Geist. Im langsamen Wechsel übst du verschiedene Yoga-Positionen, wobei du deinen Atem bewusst kontrollierst und mit der Bewegung synchronisierst. Auf das kraftvolle Halten folgt eine Phase der Entspannung.

       ASHTANGA-YOGA

      Kraftvoll und dynamisch – das ist Ashtanga-Yoga, einer der wichtigsten klassischen indischen Stile. Die Positionen werden immer in festgelegten Serien ausgeführt. Besonders wichtig ist es, die Bewegungen mit einem gleichmäßigen Atem zu verbinden, so wird das Üben sehr meditativ. Die Übungsreihen sind so aufeinander abgestimmt, dass nacheinander alle Körperteile aktiviert und gedehnt werden.

       IYENGAR-YOGA

      Diese indische Yogarichtung wurde von B. K. S. Iyengar entwickelt. Im Laufe seiner jahrzehntelangen Übungspraxis erforschte er jede einzelne Yoga-Haltung in Bezug auf die korrekte Ausrichtung und Wirkung. Die Yogis werden in die seltsamsten Positionen gebracht, teilweise wird mit Hilfsmitteln wie Holzblöcken, Decken und Gurten gearbeitet, um die Ausführung komplexer Übungen auch für Anfänger und Menschen mit körperlichen Einschränkungen zu ermöglichen. Iyengar-Yoga steht für kraftvolles Üben, das sich durch äußerst genaue Ansagen auszeichnet und so einen hohen Grad an Präzision ermöglicht.

       VINYASA-FLOW UND POWER-YOGA

      Für