befand Laila sich erneut an Bord der Bergensfjord. In ihrer Kabine legte sie sich aufs Bett, schwelgte in Erinnerungen und genoss sogar das Geräusch der im Schiffsrumpf pulsierenden Maschinen. Diesmal ereignete sich auf der Überfahrt nichts Dramatisches, und auch wenn sie keine Gelegenheit mehr hatte, das Birdland zu erleben, das in der Zwischenzeit bereits geschlossen hatte, konnte sie immerhin ein paar andere Jazzclubs besuchen, doch verglichen mit dem, was sie auf der Rückfahrt erlebte, waren das alles Nebensächlichkeiten, denn bei einem ihrer Schönwetterspaziergänge auf dem Promenadendeck fiel ihr plötzlich ein Mann auf, der sie anstarrte. Das heißt, er starrte nicht, sondern betrachtete ihr Gesicht auf eine Weise, die sie an ihren Besuch bei dem Maler Kai Fjell denken ließ. Der gleiche Blick. Als hätte ihr Gesicht etwas an sich, das er nicht einordnen konnte. Ein Geheimnis, das auf schamlose Weise seine Neugier weckte. Der Mann kam auf sie zu und stellte sich vor, bat sie um Verzeihung für seine Aufdringlichkeit und erklärte, sie sei ihm schon am ersten Tag aufgefallen, ihre Haltung sei die einer Königin. »Und Ihr Gesicht«, sagte er, »besitzt eine ganz besondere Ausstrahlung, und das sage ich nicht bloß, weil ich mit Ihnen flirten will.« Sie sah, dass er es wirklich ernst meinte. Er hatte sie gesehen. Ihr Gesicht. Es war herausgestochen. Obwohl ich es nicht weiß geschminkt habe, dachte sie.
Diese Worte leiteten ein Gespräch ein, und es war dies ein Gespräch, das alles auf den Kopf stellte. Nur wenige Jahre später sollte Laila aus Tåsen zu Laila of Norway werden.
Doch als sie damals alle in Tåsen im Wohnzimmer gestanden waren und voneinander Abschied genommen hatten, am selben Tag, als Kronprinz Harald seine Sonja ehelichte, hätte keiner, und Laila am allerwenigsten, geglaubt, dass ihr Leben jene Wendung nehmen sollte, die es schließlich nahm. Die anderen sollten sie noch oft daran erinnern, was sie kurz vor dem Abschalten der Fernsehübertragung gesagt hatte, während Sonja Haraldsen, oder jetzt einfach Sonja, sich durch das Stadtzentrum von Oslo hindurchwinkte: »Es muss schrecklich sein, so plötzlich im Rampenlicht zu stehen. Mit so etwas würde ich nie klarkommen. Es ist besimmt ein Fluch, berühmt zu sein.«
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