Anita B.

Zwischen Hoffen und Zerbrechen - Ist mein Partner ein Narzisst?


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Häuschen kaufen können. Du hast die letzten Jahre so viel für mich getan, das werde ich dir nie vergessen. Wegen mir musst du überhaupt nicht mehr arbeiten gehen. In unserer Firma gibt es genug zu tun, womit du mir helfen kannst.« »Aber John! Wir brauchen doch ein sicheres Einkommen. Ich habe bisher immer richtig gut verdient. Sonst hätte ich mir die Knastzeit mit dir gar nicht leisten können!« »Das weiß ich doch, gerade drum. Selbstverständlich wirst du auch ein ordentliches Gehalt von mir bekommen. Sobald ich Einnahmen habe, stelle ich dich offiziell ein. Ich möchte, dass ihr immer abgesichert seid und du niemals wieder so hart schuften musst wie zuletzt. Ab jetzt soll arbeiten wieder Spaß machen.« Ich muss zugeben, das Angebot klingt verlockend.

      Beim Mittagessen erzählt mir John noch einmal von all den Kunden aus der Sportbranche, die er noch von früher kennt. »Die warten nur darauf, dass ich endlich die erste Zeitschrift rausbringe. Für Werbung zahlen die Preise, davon träumen normale Angestellte nur. Und je größer unsere Auflage irgendwann sein wird, desto mehr können wir für die Anzeigen auch verlangen.« Dann nimmt er mich in den Arm, küsst mich auf die Stirn und fügt hinzu: »Du kennst mich, Süße, ich lasse lieber Taten folgen, als dir irgendetwas vorzumachen. Entscheiden musst am Ende du, wenn du arbeiten gehen möchtest, dann nur noch zum Spaß, okay?«

      Also Spaß machen die Fahrten nach München und ein meist stressiger Job in einer Unternehmensberatung garantiert nicht. Überstunden sind dort an der Tagesordnung und ich kann John unmöglich bei seinem Pensum auch noch die Kinder aufhalsen. Ich werde ihm auf jeden Fall den Rücken freihalten müssen. Kinder und Job, das bringe ich schon irgendwie allein unter einen Hut. Aber schaffe ich das zeitlich überhaupt?

      Letztlich entscheiden wir gemeinsam, dass es bei mindestens zwei Stunden Fahrzeit von und nach München besser für mich und die Kinder sei, wenn ich meinen Job kündige. Somit kann ich mir meine Zeit mit den Kindern frei einteilen und John bei allem was kommt unterstützen.

      Gemeinsame Zeit in Garmisch

      Endlich Wochenende! Es klingelt. Die Jungs werden wie jedes zweite Wochenende von ihrem Vater abgeholt. John hat bisher nichts Genaues verraten, nur dass er eine ganz besondere Überraschung für uns bereithält. Neugierig komme ich vom Parkplatz wieder hoch.

      John nimmt mich in den Arm und erzählt mir fröhlich von unserem ersten Kunden. Er zahlt zwar kein Geld, aber für eine Seite in unserem Heft bekommen wir zwei Nächte, inklusive Halbpension, in einem Nobelhotel direkt in Garmisch. John möchte heute noch losfahren. Im ersten Moment finde ich es ein wenig schade, dass die Jungs nicht dabei sein können. Gleichzeitig freue ich mich wahnsinnig auf unseren spontanen Kurzurlaub.

      Plötzlich halte ich inne: »Aber morgen ist doch Marcs Geburtstag, da sind wir eingeladen. Er wird vierzig und der halbe Ort kommt.« »Tut mir leid, Süße, das hatte ich völlig vergessen. Jetzt habe ich fix gebucht, ich wollte dir so bald wie möglich eine Freude machen.«

      Ich bin traurig. Es ist das erste Mal, seit wir hier wohnen, dass uns jemand einlädt. So gerne wäre ich mit John gemeinsam hingegangen. Die meisten hier im Ort kennen John noch nicht einmal. Allerdings, so ein Kurzurlaub im Hotel, mit Schwimmbad, Sauna und leckerem Essen klingt schon sehr verlockend.

      Ein wenig bedrückt sage ich Marc ab. Auch Linda gebe ich schnell noch Bescheid. Ihre Reaktion: »Du musst wissen, was du tust«, macht mich traurig. Von meiner besten Freundin hätte ich mir ein wenig mehr Verständnis erhofft. Sie hat miterlebt, wie hart ich die letzten beiden Jahre für unser Glück gekämpft habe. Da ist es doch nachvollziehbar, dass ich mich auf ein Urlaubswochenende im Hotel freue. John sieht meine Enttäuschung und versucht mich aufzubauen: »Hak’s schnell ab, war bestimmt nicht so gemeint. Sie hatte halt gehofft, dass du morgen dabei bist. Also los, pack deine Sachen, dann fahren wir los.«

      In Garmisch angekommen, werden wir vom Fernseher in unserem Zimmer mit »Herzlich Willkommen Herr und Frau Jackson« empfangen. Ich bin glücklich.

      Es sind nur zwei Tage, und dennoch, es fühlt sich irgendwie ganz besonders an. Zwei Tage, in denen John mir so nah ist, zwei Tage, in denen ich mich wieder neu in ihn verliebe und zwei Tage, von denen ich jede Sekunde mit ihm voll auskoste.

      Zunächst schlendern wir bei schönstem Wetter durch den Ort. Geld zum Shoppen haben wir zwar beide keins, aber den einen oder anderen Cocktail in der Sonne lassen wir uns trotzdem schmecken.

      Zurück im Hotel erwartet uns ein fantastisches Fünf-Gänge-Menü. Lange sitzen wir im Restaurant, schlemmen und planen unseren morgigen Trip. Anschließend werden wir im Zimmer von einer eisgekühlten Flasche Prosecco mit frischen Erdbeeren überrascht. Hat John die etwa bestellt? Wieder spricht er den halben Abend von unserem Nesthäkchen und wie angekommen er sich in unserer Familie fühlt. Er hätte nie gedacht, dass er jemanden mal so sehr lieben könnte wie mich. Mir geht es nicht anders. In seinen Armen liegend, weiß ich endlich was es heißt, seinen Traummann gefunden zu haben. Mehrfach stoßen wir auf unseren ersten gemeinsamen Urlaub an. John verspricht mir, dass viele weitere folgen werden.

      Nach einer kurzen Nacht stehen wir zeitig auf. Schnell noch frühstücken und dann fahren wir mit dem Auto bis zum Parkplatz vorm Skistadion. Von dort aus starten wir unsere Wanderung auf die Zugspitze. Für den Weg über die Partnachklamm sollten wir circa acht bis neun Stunden einplanen, meinte die Dame an der Rezeption.

      Auf halben Weg wird es in der Mittagssonne richtig heiß. Schwer bepackt mit Essen, Trinken und nun auch noch unseren Jacken und Pullis geht es seit Stunden bergauf. Steile Geröllfelder erfordern uns zum Teil alles ab.

      Die Landschaft ist beeindruckend schön. Oft bleiben wir stehen und halten den fantastischen Ausblick mit der Kamera fest. Immer wieder merke ich, wie perfekt John für mich ist. Wir sind uns so ähnlich. Ich bin froh, dass wir auch im wahren Leben dieselben Interessen haben. Es war also nicht nur leeres Geschwätz in seinen Briefen. Im Gegenteil, solche Tage zeigen mir, wie gerne auch er im Freien aktiv ist. Es gibt bestimmt nicht viele Paare, die so einen Bergmarathon ohne Training anpeilen.

      Voller Stolz schauen wir beim Mittagessen von der Partnachalm nach unten. Kaum zu glauben, dass wir das alles gelaufen sind. Auch wenn es uns zu diesem Zeitpunkt bereits schwerfällt wieder aufzustehen, der kurze Zwischenstopp tat gut!

      Nach der nächsten Kuppel sehen wir, was noch vor uns liegt. John schaut mich hilfesuchend an. Er bittet mich, das letzte Stück von der Knorrhütte bis zum Gipfel mit der Seilbahn zu fahren. Kopfschüttelnd lehne ich ab. Gemeinsam kämpfen wir die letzten drei Stunden Meter für Meter weiter. Am Schluss müssen wir entlang eines gespannten Seils nach oben klettern. Ich habe fast schon Mitleid mit John, während ich ihn immer wieder motiviere weiterzulaufen.

      Am Gipfel angekommen, sind die Strapazen der letzten Stunden schnell vergessen. Die Aussicht hier ist atemberaubend. Strahlendblauer Himmel lässt uns hunderte von Kilometern in die Ferne blicken. Wir schauen über die Alpen und entdecken unzählige kleine Bergseen. Dank zahlreicher Fotos und Videos möchte John uns diesen Trip unvergesslich werden lassen.

      Dann besetzt er uns zwei Sonnenplätze. Ich hole die Getränke und für John Gulaschsuppe und Germknödel. Er meint, er esse diese merkwürdige Kombination schon immer, wenn er in den Bergen wandern geht. Ich schaue ihm beim Essen zu und freue mich auf unser leckeres Abendessen im Hotel. Das haben wir uns heute wirklich verdient.

      Nach dem Essen zeigt John mir stolz auf seinem Handy, wie viele Fans unsere Bergwanderung mit ihrem Like belohnen. Auch für mich wird Facebook langsam zur Droge. Immer öfter ertappe ich mich dabei, wie ich ständig auf mein Handy schaue, um nachzusehen, ob unsere Fanzahlen schon wieder gestiegen sind und bei welchen Beiträgen wie viele Likes dazukommen. Manchmal gebe ich John Tipps, die er sich dankbar lächelnd anhört.

      Schließlich fahren wir mit der letzten Seilbahn hinab ins Tal. Achtundsechzig Euro für die Talfahrt erschlagen mich zwar fast, aber runterzulaufen wäre allein schon aufgrund der Uhrzeit keine Option gewesen. In der Bahn übermannt mich urplötzlich ein Flashback. Panisch klammere ich mich an John. Schnell realisiere ich jedoch, er muss ja gar nicht wieder weg am Sonntag. Nein! Auch morgen haben wir den ganzen Tag für uns. Kaisheim ist vorbei! Ich fühle, wie sich meine plötzliche