Elmar Zinke

Eine Frau für Mama


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ihre Vorlieben im Essen und Trinken aus. Im Anschluss schwärmt der Jüngere von seiner Eigentumswohnung am Fluss im Allgemeinen und im Besonderen von der Inneneinrichtung, bis zur letzten Glühbirne stammt sie aus Hongkong. Durch das Gedämpfte der Stimmen schnappt von Klopp allein Wortfetzen auf, in einer Gesprächslücke sieht er aus den Augenwinkeln die schwebende Verbindung einer weißhäutigen mit einer dunkelhäutigen Hand. Im Lauterwerden putschen sich die Männer mit übergenauen Erklärungen über die handwerklichen Feinheiten ihrer Vorlieben von Sexualpraktiken auf. Von Klopp versteht fast jedes Wort, ein Lächeln spielt um seinen Mund. Die beiden Khmerfrauen am Tisch rücken in sein Blickfeld, ihre angejahrten Durchschnittsgesichter entfachen in von Klopp boshafte Freude.

      „Wollen wir noch eine Bar aufsuchen?“, wendet er sich Nhim zu.

      Dem vollkommenen Mondschein begegnet sie im nachdenklichen Lächeln, von Klopp deutet ihr Schweigen als Zustimmung, winkt den Kellner für die Rechnung herbei. Nhim kramt in ihrem Stoffhandtäschchen.

      „Du bist natürlich mein Gast“, sagt er geschwind. „Das gilt bis zum Ende unserer Tage.“

      Sie setzt die Suche fort, bringt einen Zettel zum Vorschein, überreicht ihn von Klopp. Er breitet das Papierstück bedächtig auseinander, als erstbeste Lichtquelle fällt ihm sein Handylicht ein. Der blaue Stempel stammt vom Medicincenter in Siem Reap, rote Farbe kringelt ohne Ausnahme die Minuszeichen ein. Mit einer weit ausholenden Unterschrift bestätigt der Unterzeichner dem untersuchten Patienten das Ergebnis HIV-negativ. Als Nächstes präsentiert sie ihm das Foto eines Kleinkindes.

      „Dein Kind?“

      Ihr Mutterstolz lässt die Augen leuchten, den Kopf heftig nicken.

      „Junge oder Mädchen?“

      „Ein Junge.“

      „Wie schön. Und wer ist der Vater?“, erwacht Neugier in ihm.

      „Mann aus Japan. Armer Mann. Student.“

      „War er …?“, gerät sein Taktgefühl ins Hintertreffen.

      „Kind bei meiner Mutter“, hastet sie hervor. „Schicke Geld. Mutter nicht arbeiten. Nicht möglich. Sehr krank. Großvater tot. Schicke viel Geld.“

      In einer Vierundzwanzigstundenbar unterhalten die Bardamen am langen Tresen wenige Männer mit mittelschwerer Schlagseite. Das Gros der Gäste breitet sich über die Tische im Freien aus, die Zuwendungsdienste von Frauen kommen nur im Einzelfall zum Zuge. Von Klopp wirkt müde, trinkt sein Bier wie alle aus der Flasche, Nhim passt sich ihm und der Gepflogenheit an. Unversehens baut sich eine junge Schönheit vor ihm auf, er nickt zum Rauchangebot. Sie steckt ihm eine Zigarette in ihrem Mund an, er pafft seit Jahren den ersten Zug. Nhim entreißt ihm kurzerhand den Glimmstengel, verschluckt sich fürchterlich im Rauchen, wirft der anderen Frau finstere Blicke zu. Die schmucklose Hand dieser Frau beansprucht die Lehne des freien Stuhles am Tisch.

      „Willst Du Geschichte hören?“ fragt Nhim überschwänglich, gibt ihm die Zigarette zurück. „Geschichte von mir?“

      „Gern“, brummt er, drückt die Zigarette am Tischbein aus.

      Nhims Vater stammt aus einem Provinznest nahe der Grenze zu Vietnam. In der Suche nach einem Broterwerb übertritt er die Grenze, landet in Hongkong. Ein reicher Chinese stellt ihn gegen einen Hungerlohn als Gärtner und Chauffeur ein. Nhims Vater fährt die Tochter seines Arbeitgebers zum Reiten und zum Tanzunterricht. Die Liebe zu den Blumen und dem Gefieder in den weitläufigen Teichanlagen auf dem Grundstück teilen die Tochter und der Khmer im Besonderen. Der Schwangerschaft der Tochter begegnet der Chinese mit eisiger Bestimmtheit. Er fordert von ihr eine Abtreibung, händigt ihr eine Telefonnummer aus, verstößt den Khmer. Das junge Paar flieht nach Kambodscha, in das Heimatdorf des Khmers. Nhim wächst mit drei jüngeren Schwestern auf, sie erblicken im Jahresabstand die Welt. Die Mutter leistet auf den Feldern schwere Arbeit, die Familie lebt mit Kühen und Ziegen unter einem Dach. Die Schwestern klettern in der Hierarchie ins Sorgenfreie, sie heiraten einen Polizeioffizier, den Inhaber mehrerer Restaurants und einen Geschäftsmann in einem anrüchigen Gewerbe. Keine Schwester unterhält Kontakt zu Nhim, nach dem Tod des Vaters unterstützt allein Nhim ihre Mutter.

      „Warum hilft keine Schwester Eurer Mutter?“, erwacht seine Neugier.

      „Schwestern leben in Zorn auf Mutter“, erklärt sie erregt. „Keine Verbindung zu reichem Großvater. Denken, Aufwachsen mit Großvater ohne Hunger und Armut. Schon in Kinderjahren schönes Leben.“

      „Vielleicht unternahm Deine Mutter Versuche, aber Dein Großvater lehnte eine Versöhnung ab.“

      Nhim holt tief Luft, sagt: „Mutter nicht getan. Aus Liebe zu Mann. Schwestern wissen es aus Mund von Großvater. Besuchen ihn vor Jahren auf eigene Faust. Vielleicht Freude im alten Mann. Sehen alle aus wie Mutter, nicht wie Vater.“

      „Woran starb Dein Vater?“, hakt er wissbegierig nach.

      Jäh ändert sich ihr Gesicht ins Furchtsame und Hassende.

      „Nicht genau wissen“, flüstert sie. „Aber! Vor drei Jahren fährt jüngste Schwester, Frau von Geschäftsmann, zu Großvater. Kommt zurück. Vater fährt auf Baustelle nach Vietnam. Tot.“

      „Du glaubst“, schlussfolgert er verblüfft, „Dein Großvater steht in einer Verbindung mit dem Tod Deines Vaters?“

      „Rechen Du Eins und Eins und Eins und Eins zusammen“, fordert sie mit hoher Stimme. „Schwester kennt Ort, wo Vater Arbeit nachgeht. Mann dieser Schwester tut alles für Geld und Großvater lebt bei Vater Gefühl von Hass. Nach Vatertod fährt Schwester mit Mann für drei Monate nach Amerika, nach Las Vegas. Wirft Geld in die Wüste.“

      Von Klopp leert sein Bier, bohrt weiter: „Der Ehemann einer anderen Schwester ist ein hoher Polizeibeamter. Fand er wenigstens Näheres über die Umstände des Todes heraus?“

      „Arbeit mit halbem Herz“, beteuert sie. „Banditen wollen sein Geld. Vater sagt nein, sagt Polizist. Vater ruft Hilfe. Erschießen ihn wie Hund. Ist Quatsch. Vater sieht arm aus wie Bettler, ist arm wie Bettler. Polizist sagt, Mörder flieht huschhusch über Siebenberge.“

      Für den Nachhauseweg misstraut von Klopp seiner Orientierung, ein Tuk-Tuk setzt sie zweihundert Meter weiter vor dem Hotel ab. Sein nachhaltiger Aufholbedarf im Geschlechtsverkehr regt sich im Beisein des Getöses der Klimaanlage und im Durchzug frischer Nachtluft. Im Supermarkt neben dem Hotel kauft er eine Flasche trockenen Rotwein, dem stummen Kundenwunsch entspricht sie mit sanftmütigen Hingabeelementen im Auserwählten.

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