Arno Boes

Rudern


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man zunächst mit möglichst wenig Kraft den Schlag ausführt. Man sollte erst mal das Gefühl dafür bekommen, wie das Ruderblatt im Wasser liegt und sich dort verhält. Durch die Bauart von Boot, Ausleger, Dolle und Skull bzw. Riemen ist immer dafür gesorgt, dass das Ruderblatt eigentlich optimal durch das Wasser geht.

      Man braucht am Anfang nur ein wenig mit den Fingern am Griff zu ziehen, um diesen Verlauf kennenzulernen. Nach und nach wird dieser Vorgang mental verinnerlicht und man kann langsam auch die eigene Körperkraft einsetzen und so das Boot schneller machen.

      3.3.4Vierte Phase – das Vorrollen

      Fehlt noch die vierte Phase des Ruderschlags, das Vorrollen. Es beginnt, wenn der Körper in Rücklage ist. Die Blätter werden aus dem Wasser gehoben, mit einer leichten Kippbewegung des Handgelenks nach unten gedreht (Abdrehen)), sodass das Ruderblatt parallel zum Wasser oberhalb der Oberfläche in der Luft liegt. Dann werden die Arme nach vorne gestreckt, auch hier nicht ruckartig, sondern mit einer kontrollierten, flüssigen Bewegung. Der Oberkörper richtet sich wieder zur Senkrechten auf und die Beine werden angezogen, um den gesamten Körper wieder in die Auslage zurückzubringen.

      Am Ende des Vorrollens liegt dann der vordere Umkehrpunkt, an dem die Blätter wieder senkrecht zum Wasser gedreht (Aufdrehen) und in der vordersten Position wieder zum nächsten Schlag ins Wasser gesetzt werden (Wasserfassen). Am Anfang wird man wohl öfter mal mit den Händen an den hochkommenden Knien hängen bleiben. Aber auch diese Koordination der Arme und Beine ist bald erlernt.

      Und der Anfänger stellt dann auch schnell einen ebenfalls oft gemachten Fehler ein, das vertikale Auf und Ab der Hände während eines Ruderschlags. Bei einem sauber ausgeführten Ruderschlag ist diese Bewegung nur ganz kurz. Auch dafür sorgt die Technik des Bootsbaus, die das saubere Führen des Blatts sowohl im wie auch über dem Wasser unterstützt.

      Wichtig für die Vorrollphase ist noch, dass sie kontrolliert und nicht ruckartig ausgeführt wird. Für den Anfänger gilt die Faustregel, dass das Vorrollen möglichst doppelt so lange dauern sollte, wie der Durchzug. Ist man mit dem Vorrollen wieder in die Auslage zurückgekehrt, beginnt der nächste Ruderschlag.

      Diese gesamte Beschreibung der vier Phasen eines Ruderschlags liest sich für den Anfänger vielleicht etwas kompliziert und man kann zunächst die einzelnen Einsätze von Körper, Armen und Beinen in der Theorie nur schwerlich nachvollziehen. Das ändert sich aber schnell, wenn man zusammen mit einem entsprechend ausgebildeten Trainer das erste Mal in einem Boot oder auf einem Ruderergometer sitzt. Dann wird schnell klar, was mit Aufrichten, Beugen, Strecken, Durchziehen und Führen der Hände gemeint ist und was an den Umkehrpunkten zu tun ist, um den Ruderschlag flüssig zu halten. Und dann wird auch schnell bewusst, dass Rudern vor allem von einer guten Technik und Koordination der Bewegungen lebt.

      Hat man die Technik nach ein paar Übungseinheiten verinnerlicht, kommt der Spaß an der Bewegung, das Gefühl für das Boot und die Geschwindigkeit und das Gemeinschaftserlebnis in einer Mannschaft ganz von allein dazu. Dazu spürt man, wie der eigene Körper die für die Bewegungen erforderliche Muskulatur anspricht und dann auch aufbaut. Damit kommt dann auch die Kraft, um das Boot möglichst schnell und ohne Wackeln und Schlingern durch das Wasser gleiten zu lassen.

      Und nach und nach steigert sich dann auch die Schlagzahl, die in Schlägen pro Minute angegeben wird. Am Anfang sind das nur wenige, weil man doch immer mal wieder am Wasser mit dem Blatt hängen bleibt oder irgendein Körperteil durch die noch fehlende Koordination der Bewegung im Wege ist. Aber das übt sich ein und man kommt richtig auf Touren. Bis man aber im Renntempo mit Schlagzahl 30 und höher das Wasser durchpflügt, braucht es dann doch einige Zeit des Trainings. Nicht umsonst gilt Rudern im Leistungsbereich als ein sehr trainingsintensiver Sport.

      Es ist wie in den meisten anderen Sportarten auch, am Anfang sollte man sich mit dem Material und den Bewegungsabläufen vertraut machen. Auch dem Fußballer gelingt nicht sofort das perfekte Dribbling, dem Tennisspieler die unwiderstehliche Vorhand oder dem Golfer der gekonnte Abschlag. Auch der Ruderer steigt nicht ins Boot und fährt direkt ein Rennen. Dazu muss man unabhängig von Kraft und Kondition zunächst an der Technik feilen und sich nach und nach steigern.

      3.3.5Die Ruderkommandos

      Zuvor bleiben wir aber noch bei der Koordination, allerdings bezogen auf eine ganze Rudermannschaft, die ja bereits ab einem Zweier beginnt und im Rennsport beim Achter endet. Rudern ist eine der wenigen Sportarten, bei der jedes Mannschaftsmitglied in jedem Moment möglichst exakt die gleiche Bewegung ausführt.

      Nur wenn alle Ruderer im selben Moment das Blatt ins Wasser setzen und mit dem Durchzug beginnen, kann optimal Geschwindigkeit aufgenommen werden. Und wenn alle Ruderer im selben Moment das Blatt wieder aus dem Wasser heben, es drehen und dann zusammen vorrollen, bleibt das Boot stabil in der Lage und kippt nicht oder kentert gar. Genau diese Koordination einer Rudermannschaft, die im Rennen erfolgreich sein möchte, erfordert sowohl Training wie auch das Gefühl bei jedem einzelnen Mannschaftsmitglied.

      Damit das während einer Ruderausfahrt gelingt, gibt es im Rudern einzelne Kommandos, die ein Steuermann oder ein anderes erfahrenes Mannschaftsmitglied gibt. Dies ist die Sprache der Ruderer, die für den reibungslosen Ablauf einer Ausfahrt im Boot sorgt. Wir wollen hier nicht auf alle Kommandos eingehen, dazu gibt es ebenfalls weiterführende Literatur (siehe Anhang).

      Grundsätzlich gilt für alle diese Kommandos, dass sie aus einer Ankündigung und einer Ausführung bestehen. An Land gibt es einige Kommandos für das Aufnehmen, Drehen, Tragen und Ablegen eines Boots. Liegt das Boot im Wasser und sind die Riemen bzw. Skulls eingelegt, erfolgt das Kommando: „Fertigmachen zum Einsteigen!“ Die Ruderer setzen einen Fuß ins Boot auf ein kleines Brett vor dem Rollsitz, der andere Fuß steht noch auf dem Bootssteg am Ufer des Gewässers. Mit dem Kommando: „Stoßt – ab!“, drückt man sich mit dem Fuß vom Ufer ab, setzt sich auf den Rollsitz und stellt beide Füße auf das Stemmbrett.

      Hat man sich dann ruderfertig gemacht, den Sitz der Kleidung, der Ruder in der Dolle und der Füße auf dem Stemmbrett kontrolliert, kommt das Kommando: „Auslage!“ Die Ruderer rollen vor und mit dem Kommando: „Los!“, beginnt der erste Ruderschlag, dem dann viele weitere folgen. Soll der Ablauf der Ruderschläge gestoppt werden, kommt das Kommando: „Ruder – halt!“

      Nach dem dann folgenden Ruderschlag stoppen alle Ruderer in der Rücklage, die Arme werden gestreckt, sodass die Ruder senkrecht zum Bootsrumpf stehen. Die Blätter werden auf dem Wasser abgelegt, mit dem Festhalten am Innenhebel stabilisieren die Ruderer das Boot, verhindern ein Umkippen.

      Das sind die Grundkommandos für das Fahren auf dem Wasser. Dazu gibt es natürlich noch einige andere Anweisungen für Manöver, etwa wenn man einem Hindernis ausweichen muss, das Boot für eine Fahrtrichtungsänderung wenden will oder wenn man am Ende der Ausfahrt wieder am Steg bzw. Ufer anlegen möchte.

      Und natürlich gibt es auch noch eine Reihe von Anweisungen an die Ruderer, wenn der Steuermann oder Trainer Fehler in der Bewegung erkennt und korrigierend eingreift. Je nach Situation ist es vielleicht auch nötig, mit einem Boot rückwärts zu fahren. Auch das erfolgt auf Kommando, der Ruderschlag wird dann in umgekehrter Reihenfolge ausgeführt. Das Blatt ist beim Vorrollen im Wasser, die Griffe werden vom Körper weggeschoben und in der Auslage erfolgt das Ausheben mit dem Rückführen der Blätter wieder in die Rücklage.

      Mit diesen theoretischen Beschreibungen der Ruderbewegung und der nötigen Koordination von Körper und Mannschaft wollen wir Kap. 3 schließen. Wer nun Lust bekommen hat, sich doch mal selbst ins Boot zu setzen, um das Rudern als Sportart für sich zu entdecken, der findet im nächsten Kapitel einige Tipps, wie man einsteigt in den Rudersport.

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