Methode gegen das Schicksal »Single in 365 Tagen« wird Ihnen dabei helfen, sich selbst und die Beziehung zu retten. Wenn Sie sich eisern an die Ratschläge halten, werden Sie mit größter Freude und völliger Gleichgültigkeit auf niedrigem Niveau Golf spielen. Sie werden in einem Zustand meditativer Gelassenheit den »weglosen Weg durchs torlose Tor« gehen.
Und sich die Kosten für einen Scheidungsanwalt sparen.
Fast nichts ist unmöglich
Vorsicht: Dieser Leidfaden ist kein Golfbuch im eigentlichen Sinne. Wie der korrekte Golfgriff sein sollte, auf welchem Fuß man wann wie viel Prozent seines Gewichtes haben muss oder welcher Schwung (ob »single« oder »double plane«) der richtige ist, das wird man im vorliegenden Buch gewiss nie erfahren.
Meine erste 65er-Runde spielte ich auf dem Par-72-Golfplatz von Carnoustie in Schottland. Am heutigen Championship Course haben über die Jahre zuerst ein gewisser Allan Robertson, dann »Old« Tom Morris und schließlich James Braid herumgewerkelt, bevor er 1926 ein ordentlicher Golfplatz mit achtzehn Löchern wurde. Jetzt ist er 6941 Yards, also 6346 Meter, 85 Zentimeter und 0,8 Millimeter lang.
Obwohl der Franzose Jean Van de Velde hier 1999 mit einer saftigen Sieben am achtzehnten Loch all seine Major-Träume begrub, fand ich den Platz nicht so schwierig, wie er immer beschrieben wird (mehr dazu auf Seite 69).
Wesentlich anspruchsvoller erscheint es mir, das Zusammenleben mit einer Frau in den Griff zu bekommen als Carnoustie.
Generell ist die Paarbeziehung ja eine hochexplosive Lebensform! Da lachen wir uns doch glatt weg, wenn wir hören, dass kiffende Klippenspringer, Extremskifahrer oder einer, der sich in einem Klohäuschen auf eine Höhe von 31 333 Meter hochziehen lässt, von Red Bull gesponsert werden. Ha! Alles Weicheier. Wir sind es, die gesponsert werden sollten. Wir, die Ehemänner. Wir, die wir im Auftrag unserer Partnerinnen Dinge tun, die wir in der freien Wildbahn nie täten. Zum Beispiel zwei gefüllte (inoffizielle) Abfallsäcke in einen (gleich großen!) offiziellen moschten, um ein paar Rappen zu sparen. Mit einer Frau Tisch und Golfbag zu teilen, ist eine der letzten großen Herausforderungen der männlichen Menschheit!
Stabhochsprung auf Mallorca
Golf ist eine der schwierigsten Sportarten. Die zweitschwierigste überhaupt, sagen Fachleute. Bloß Stabhochsprung sei noch komplexer.
Doch Golf – mit all seinen Geräten, den Umwelteinflüssen und der verstörend oft wechselnden Topografie und, nicht zu vergessen, den strengen Regeln – ist nicht zu toppen. Und überhaupt, wer springt schon Stab? Voilà, da haben wirs schon! Nein, Stabhochsprung ist nix für Golfer. Hat ja auch relativ wenig Spielerisches, die Springerei. Also hören Sie auf damit, falls Sie es tatsächlich tun sollten. Spielen Sie Golf.
Alles, was Sie dazu brauchen, ist eine teure Ausrüstung, einige tausend Bälle, Nerven, ein gesundes Maß an Masochismus und Zeit. Viel Zeit. Sehr viel Zeit. Der Rest erledigt sich von selbst. Klar, beim Stabhochsprung kommen Sie mit wesentlich weniger Material aus. Eine Latte, eine Stange, eine alte Matratze, zwei, drei Meter Verbandsmaterial genügen.
Andererseits ist Stabhochsprung ein Vergnügen, das man nicht unbedingt als gesellig bezeichnen möchte. Kunststück, auf einer Höhe von rund fünf Metern irgendwo da droben. (Die Damen circa 4 Meter 80, die Männer über sechs Meter. Und Sergei Bubka hält mit 6,14 Metern noch immer den Weltrekord.)
Alles wunderbar – aber jetzt stellen wir uns doch einfach mal vor, wir machen mit unserem Partner Stabhochsprungurlaub auf Mallorca. In Schottland, in Südafrika oder Kalifornien. Wir springen die schönsten Plätze, kaufen uns im Pro-Shop neue Stäbe und sündhaft teure Poloshirts mit dem Logo des gediegenen Stabhochsprung-Resorts von Pebble Beach und genießen anschließend ein vorzügliches Essen im Klubrestaurant und beenden den Ausflug mit einer kubanischen Zigarre. Halten Sie das für realistisch? Eben.
Die Paartherapie
Spielen Sie Golf, oder haben Sie noch Sex? Was wie ein Witz klingt, ist selbstverständlich keiner. Ja, überlegen wir uns doch einfach mal, mit welcher Lüsternheit ein Mensch, der stundenlang in der sengenden Sonne rumstolperte, im Unterholz und im knietiefen Gras nach seinem Golfball suchte, verzweifelt in Sandbunkern herumschaufelte und in Wasserhindernissen von blutgeilen Stechmücken ausgesaugt wurde, überlegen wir uns doch einfach mal, mit welcher Lüsternheit jemand, der dermaßen vom System und sich selber fertiggemacht wurde, mit welcher Basisschärfe so jemand nach Hause kommt. Egal, ob Männlein oder Weiblein.
Dass Menschen, die sich bis schier zur Bewusstlosigkeit über ihre eigenen Fehler ärgern mussten, sich vor Wut über ihre ins Sankt-Nimmerleins-Tal geballerten Bälle und vergeigten Dreißig-Zentimeter-Putts am liebsten in den Hintern beißen wollten, dass solche Patienten nach der Runde, erfüllt von Liebe und Romantik, ins Bett oder auf den Partner auf dem Küchentisch steigen würden, scheint unwahrscheinlich. Nein, das Gegenteil ist der Fall; die armen Schweine können nicht abschalten. Ja wie denn, wenn dir zum Heulen zumute und die Stimmung im Eimer ist?! Einzeln oder in der Kleingruppe wird jeder Schlag, jede Situation noch einmal analysiert, wird das nächstbeste Subjekt, nicht selten eben der Partner, mit Geschichten gelangweilt, die individuell vielleicht von größter Wichtigkeit sein mögen, für den Rest der Welt jedoch nur sehr, sehr am Rande von Bedeutung sind.
Die Stabhochspringer habens da übrigens ein bisschen einfacher: So wahnsinnig variantenreich sind die Erlebnisse dort oben in der Luft ja nun auch wieder nicht, dass sie einem Psychiater erzählt werden müssten. Aber beim Golf, klar, da gehts kaum ohne.
Der Söiniggäl
Nun könnte man natürlich unken, was soll denn das Gejammer? Dann hört halt auf mit dem Schwachsinn. Es geht doch auch ohne. Klar, es geht im Leben ja auch ohne Stabhochsprung, ohne Bücher, ohne Religion, ohne Aston Martin, ohne klassische Musik, ohne Philosophie, ohne Kunst und ohne Sex. Aber andererseits ist es doch irgendwie lustiger mit.
Und ist es nicht ein prima Gefühl, nach einem aufreibenden Golftag geknüttelt auf die Matratze zu fallen? Und mit oder mit ohne Sex wegzudriften?
Haben Sie übrigens schon mal bemerkt, dass Sie, ganz egal, ob nach der ersten oder der hundertsten oder der tausendsten Runde, jeden Schlag, den Sie gemacht haben, in Ihrem Golf-Gedächtnis abgelegt haben. Jeden. Die Runden sind vorübergehend eintätowiert. Leben Sie damit!
Es ist zum Glück ja nur vorübergehend. Im Verlauf der Zeit verblassen die Erinnerungen und werden von neuen Erkenntnissen überdeckt. Sie werden zwar noch immer nicht dahinterkommen, warum die Bälle nach rechts wegzischten, warum Sie sie nicht aus dem Sand brachten oder weshalb Sie todsichere Putts verschoben – aber Sie stehen mit diesem Problem nicht allein da. Die Tatsache, dass man die Erfahrungen auf der Runde nicht einfach ausblenden kann, dass sie einen bis in den Schlaf verfolgen, ist zwar einerseits unangenehm, handkehrum aber doch auch irgendwie hilfreich.
Man kann sich abends im Bett endlich die mühsame Zählerei von Schafen ersparen. (Das machen übrigens auch ganz viele Menschen falsch. Anstatt die miefigen Schafe zu zählen, kann man doch auch bloß deren Beine zählen – und dann das Ergebnis ganz einfach durch vier teilen. Tja, gewusst wie!)
Eine andere, noch einfachere Technik ist es, sich mit zwei, drei Gläsern Whisky eine schwere Leichtigkeit anzutrinken. Spontan würde ich jetzt mal einen ungetorften 1970er-Bruichladdich vom Rande des Loch Indaal auf der Insel Islay empfehlen. Dort wird seit 1881 gebrannt, was von Whiskynasen aus aller Welt mit größter Freude geschnuppert wird. Der Fairness halber sei hier aber erwähnt, dass