Und was lernen wir daraus? Nichts. Oder vielleicht, dass er, hätte er mit heutigem Material gespielt, wahrscheinlich laufend unter sechzig gescorend hätte, was auf eine Form von Talent schließen lässt, auf die Sie erst einmal nicht hoffen sollten. Deshalb bietet es sich an, sich eher an der leicht auffälligen Außendarstellung von Snead zu orientieren, um im Low-Profile-Golfalltag von unsereins zumindest optisch herauszustechen.
So zum Beispiel wie Nordkoreas verstorbener Machthaber Kim Jong Il, der zwar eher selten zum Golfen kam, laut offizieller Propaganda aber dennoch nicht nur der schönste, sondern auch der beste Golfer der Welt war. Für einen Achtzehn-Loch-Kurs soll er nämlich bloß 38 Schläge gebraucht und während der Runde obendrein fünfmal ein Hole-in-one geschossen haben. Chapeau!
Das Hole-in-one
Wenn Sie aus diesem Sachbuch etwas lernen müssen, dann das, dass es eine geradezu hirnrissige Idiotie ist, absichtlich ein Hole-in-one zu schießen. Vor allem bei einem offiziellen Wettspiel wird ein Ass zum Supergau, weil es doch die Etikette verlangt, im Anschluss an die Runde nicht nur den eigenen Flight zum Champagner-Umtrunk einzuladen, sondern gleich das ganze Teilnehmerfeld.
Gehen wir also von 72 Spielern aus, von denen sechzig Nasen je einen Deziliter eines ordentlichen Champagners trinken (zum Beispiel jenes rund zweihundert Jahre alten Veuve Clicquot, von dem Forscher 2010 vor der finnischen Küste auf dem Grund der Ostsee 145 Flaschen aus den Zwanzigerjahren des vorletzten Jahrhunderts fanden), dann benötigt man rund zehn Flaschen à 15 000 Euro. Vorausgesetzt, es sind nicht auch noch die Partner der Teilnehmenden mit dabei!
Nein, wenn Sie einigermaßen schlau sind, dann lassen Sie den Quatsch mit dem Hole-in-one. Es sei denn, Sie sind Nordkoreaner oder Diktator oder reich. Und gut versichert. Oder alles auf einmal, was in der Regel nur auf nordkoreanische Machthaber zutrifft. Anyway, erfahrungsgemäß macht es sich enorm gut, wenn Sie bereits am ersten Abschlag verkünden, dass Sie, für den Worst Case eines Hole-in-one, gut versichert sind und einer größeren Party im Klubhaus somit nichts mehr entgegenstünde. Das entspannt die Runde ungemein.
In Deutschland wurde 2007 laut Informationen des Deutschen Golf Verbandes insgesamt 473-mal ein Hole-in-one erzielt, was bei rund 4,8 Millionen gespielten Par-3-Löchern einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 10 150 entspricht. Leider hängt ein derartiger Glücksfall aber nicht vom Schwung ab – wenns dumm läuft, kann es also auch Sie treffen.
Der richtige Schwung
Wenn Ihnen Ihre Beziehung am Herzen liegt, wenn Sie nicht schon bald als Single auf der Straße stehen möchten, weil Sie nur noch ans Golfen denken, dann hören Sie nicht auf esoterischen Schwachsinn wie »slow down your backswing, slow down your life«. Das Leben ist zu kurz, um langsam zu schwingen.
Ganz tragisch sind ja jene Kollegen, die den Schwung-Rhythmus mit einer Eselsbrücke zu verlangsamen versuchen. Die, die beim Rückschwung »Co-ca« und beim Schlag »Co-la« murmeln. »Sprite« heißt das Zauberwort. Zack! Michael Douglas soll sich sogar in die Aussage verstiegen haben, dass er sein Handicap mit dem simplen Trick verbesserte, bei jedem Schlag »Cin-dy Craw-ford« zu denken. Dann heiratete er die hübsche Catherine Zeta-Jones, und der Schwung war voll im Eimer.
Also hauen Sie einfach drauf. Hau ruck! Rock’n’Roll! Volles Rohr! Krawummm! Ihr Ball wird ästhetische Bananen beschreiben, die sich gewaschen haben. Wenn Sie sich nicht dreinquatschen lassen, werden Sie diese Technik ohne großen zeitlichen Aufwand im Nu perfektioniert haben, und Ihre Freunde werden vor lauter Staunen den Mund nicht mehr zukriegen.
Die Länge des Schlages und die Breite der Streuung ergeben die auf dem Golfplatz genutzte Fläche. Nur für den Pseudoprofi besteht Golf zu 75 Prozent aus »kurzem Spiel« und davon wiederum zu 40 Prozent aus Putten. Das wuchtige Spiel mit den Hölzern und langen Eisen kommt bei den trainingsfleißigen Aficionados viel zu kurz. Am Ende des Tages fehlen denen locker die siebzig Schläge, die Sie mehr machen dürfen. Was doch eigentlich sauschade ist. Genau genommen besteht Golf für die Streber nämlich zu einem großen Teil aus dem, womit kein Golfer in Verbindung gebracht werden möchte: aus Minigolf.
Auf dem Grün
Streng wissenschaftlich betrachtet, handelt es sich beim Golf ja um eine Verbindung zweier grundverschiedener Sportarten, die miteinander nicht die Bohne zu tun haben. Die eine findet auf dem Golfplatz statt, die andere auf dem Green. Die eine wird mit Vorliebe von jenen ausgeübt, die gern draufhauen und die weiße Kugel über die Fairways fliegen sehen. Die zweite richtet sich an Frauen und Weicheier. An Ingenieure, Neurochirurgen oder andere Haarspalter, die im Tausendstel-Millimeter-Bereich herumzirkeln wie unsereiner in einem dieser affig engen Parkhäuser, die vermutlich von fahrradelnden Lehrlingen gezeichnet wurden, bestimmt aber nicht von SUV-Besitzerinnen.
Okay, jetzt sind wir ein bisschen abgeschweift. Der langen Rede kurzer Sinn: Es gibt Golfer – und es gibt Bastler. Pingelige Pingelsingles, die es kaum erwarten können, auf dem grünen Grün anzukommen und den Ball über den Teppich rollen zu lassen, zu hören, wie er ins Loch fällt. Aber Achtung: Golf findet draußen statt. Bei jeder Witterung. Und nicht in der Stube.
Dorthin gehören die Erbsenzähler, die jeden Krümel vom kurzgeschorenen Teppich pusten und jedes noch so kleine Einschlagloch akribisch reparieren wie ein Schönheitschirurg die Orangenhaut an Frau Direktors Allerwertestem. Das sind die Schlimmsten, diese Grünspechte mit einstelligem Handicap! Schleichen ums Loch herum wie der Nebelparder um den Nasenaffen im Mangrovenwald auf Borneo. Studieren stundenlang Graswuchs und Neigung – und das von allen Seiten. Kalkulieren jede Eventualität ein, jede noch so kleine Unebenheit, die einen Einfluss haben könnte. Und dann »werden« sie zuerst zum Ball – und dann zum Loch. Verschmelzen mit den Umständen. Und dann schieben sie, darauf können Sie wetten, den Putt grannenhaarscharf vorbei. Schade für den ganzen Aufwand.
Einer der größten Fehler beim Putten ist es, den Schlag nicht zu kurz zu lassen, ihn also so stark zu dosieren, dass der Ball – für den Fall, dass er nicht fallen sollte – zehn Zentimeter hinter dem Loch zu liegen kommt. Entgegen allen Unkenrufen kommt es im Leben nämlich doch auf die Länge an. Nur ein zu kurzer Putt gibt Ihnen die hundertprozentige Sicherheit, einen zweiten Versuch hinterherschieben zu können. Wenn Sie sich aber angewöhnen, Ihre Putts »zu lang zu lassen«, dann laufen Sie automatisch Gefahr, dass der Ball nicht vor dem Loch zum Stillstand kommt und eventuell per Zufall fällt. Wenn Sie den Zufall explizit aus Ihrem Spiel ausklammern wollen, dann denken Sie einfach an die Faustregel »In der Kürze liegt die Würze«. Und meiden Sie das Loch wie der Teufel das Weihwasser!
Wenn Sie, liebe Leserin, lieber Leser, einigermaßen vernünftig sind, dann machen Sie es anders. Dann putten Sie ganz einfach entspannt drauflos. Wenn der Ball fällt, Pech gehabt, denn Sie wollen ja möglichst oft putten und auf keinen Fall ein Single-Handicap. Also beim Putten immer die Nerven behalten und jetzt bloß keinen Fehler machen. Zielen Sie nicht, sondern schieben Sie seelenruhig ein-, zweimal am Loch vorbei. Da braucht es kein Training, keine Handbücher, keine Schulungsvideos und keine neunmalschlauen Pros. Das Einzige, was Sie haben müssen, ist ein wasserfestes Konzept. Und sooo ein Rückgrat!
Aber Achtung: Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. Und so muss auch der Golfer nur zu oft feststellen, dass ihm die Löcher ausgehen. Wehmut stellt sich ein: Warum habe ich den Ball am neunten Loch schon mit dem vierten Schlag aus dem Sandbunker gebracht und nicht erst mit dem siebten oder achten? Warum habe ich den langen Putt auf der Zwölf eingelocht, wo ich doch spielend noch drei, vier weitere hätte anhängen können …
Womit wir bei einer der bedeutungsvolleren Grunderkenntnisse dieses faszinierenden Spiels wären: Ist der Ball erst einmal in Fahnennähe, gibts kein Zurück mehr. Das Loch hat geradezu magische Anziehungskräfte. Vor diesem philosophischen