Maße möchte ich Bonny Meyer danken, der dieses Buch respekt- und liebevoll gewidmet ist. Bonny hat auf allen wichtigen Ebenen ungemein viel zu diesem Buch beigetragen. Ohne ihre Unterstützung und ihren Glauben an mich würden Sie dieses Buch nicht in Händen halten. Und es ist ihr tiefster Wunsch, dass dieses Buch nicht nur in Ihren Händen ist, sondern dass es Ihnen in Ihrem Leben so gut wie irgend möglich weiterhilft.
Einführung
Überall in diesem Buch werden Sie die Einflüsse und Beiträge von Vorläufern auf dem Gebiet der Psychologie, Psychiatrie und Naturwissenschaft finden, auch wenn es gewiss ist, dass Das stressfreie Gehirn seinen eigenen und einzigartigen Platz in einem nichtlinearen Kontinuum aller drei Disziplinen haben wird.
Zum Thema der menschlichen Natur schrieb der bekannte amerikanische Psychologe Carl R. Rogers: „… wenn die grundlegende Natur des menschlichen Wesens frei zum Zuge kommen kann, ist sie konstruktiv und vertrauenswürdig. Für mich ist dies eine zwingende Schlussfolgerung aus einem Vierteljahrhundert Erfahrung mit der Psychotherapie. Sind wir in der Lage, ein Individuum von seiner Defensivität zu befreien, sodass es offen ist für das breite Spektrum seiner eigenen Bedürfnisse und ebenso für das breite Spektrum der Anforderungen seiner Gesellschaft und seiner Umwelt, so kann man darauf vertrauen, dass seine Reaktionen positiv, geradeheraus und konstruktiv sein werden.“ Dieselbe Philosophie finden wir auch bei Goewey, der das Vermögen des Individuums, die Qualität seiner eigenen Erfahrung zu beeinflussen, hervorhebt.
Nimmt ein Schriftsteller die Herausforderung an, eine neue Vision eines Fachbereichs zu formulieren, über den bereits ausführlich geschrieben wurde, dann sieht er sich unausweichlich mit den Beschränkungen der Sprache konfrontiert. Er bekommt es mit dem uralten Problem des neuen Weins in alten Schläuchen zu tun. Goewey ist es gelungen, seine Sichtweise brillant darzustellen. Er hat seine Materie sehr gründlich recherchiert und das ganze Buch spiegelt den neuesten Stand der Forschung auf dem Gebiet der Neurowissenschaften wider. Die Leser werden von den einfachen und doch tiefgründigen Einsichten, die sich in diesem Buch finden, profitieren und sich zugleich von dem sehr persönlichen Bericht des Autors über seine Reise bis zu diesem Punkt bereichert sehen. Die Natur dieses Buches ist ein Ausdruck des Mitgefühls für sich selbst und für andere, das der Autor unter solchen Mühen lernen musste und das darauf gerichtet ist, leidenden Menschen zu helfen, sich von den Banden chronischer Stressbelastung zu befreien und dabei auch von der Tyrannei der Selbstbezichtigung.
Auch wenn dieses Buch für professionelle Psychologen nützlich sein wird, ist es meiner Ansicht nach von besonderem Wert für den psychologischen Laien, der Wege zur Überwindung von Angst und den Belastungen des täglichen Lebens sucht. Goewey zeigt auf einfache und klare Weise, wie dieses Ziel zu erreichen ist, und seine Darstellung der Wichtigkeit dieses Ansatzes ist sehr überzeugend.
Mozart sagte einst: „Weder eine hoch entwickelte Intelligenz noch Vorstellungskraft noch beide zusammen machen ein Genie aus. Liebe, Liebe, Liebe, das ist die Seele des Genius.“ Ich bin der Meinung, dass dieses Buch ein Akt der Liebe und ein Ausdruck von Genie ist.
Valerie Land Henderson
Valerie Land Henderson war Assistentin von Dr. phil. Carl R. Rogers. Zusammen mit Howard Kirschenbaum gab sie den Carl Rogers Reader und die Carl Rogers Dialogues heraus. Sie war ständiges Mitglied und ehemalige Direktorin des Center for Studies of the Person, dessen Mitbegründer Carl Rogers war. Valerie bekleidete auch Positionen beim Center for Cross-Cultural Communication und dem Center for Attitudinal Healing.
… eine neue Wendung, eine neue Geisteshaltung, ein innerer Wandel, eine Befreiung von allen müßigen Sorgen …
Thomas Merton
Prolog: Meine Aufgabe
In fourteen months I only smiled once and I didn't do it consciously. Somebody’s got to find your trail. I guess it must be up to me. *
Bob Dylan, Up to Me
Vor zwanzig Jahren kam eines zum anderen, der Mut verließ mich und das alles erzeugte einen wahren Sturm von Stress. Paradoxerweise geschah das, als meine Karriere sich gerade einem Höhepunkt zu nähern schien. Erst eineinhalb Jahre zuvor war es mir gelungen, einige der hellsten Köpfe auf dem Gebiet der Medizin davon zu überzeugen, dass ich der beste der Kandidaten sei, die sich für den Posten des Geschäftsführers der Medizinischen Fakultät der Stanford-Universität beworben hatten. Dies war die größte Abteilung der Universität und der Posten ein potenzielles Sprungbrett zu noch größeren Aufgaben. Alle Menschen in meiner Umgebung waren ziemlich beeindruckt, als mir diese Position angeboten wurde.
Ich erinnere mich noch an den ersten Tag, an dem ich zur Arbeit fuhr. Ich fuhr durch das Weideland, auf dem Leland Stanford einst sein Vieh gehalten hatte, bog in den Pasteur Drive ein und fuhr auf die riesige Eiche zu, die vor dem wundervollen sandfarbenen Gebäude der Medizinischen Fakultät steht. Der große Springbrunnen am Eingang spuckte Wasserfontänen in die Luft, die der Wind zu einem Sprühregen auffächerte, durch den die Wand des Gebäudes hindurchleuchtete. Zwischen den hohen Säulen, welche die schlichte, fast karge Fassade des Gebäudes schmückten, hingen große Kupferkessel, aus denen rote und gelbe Rankengewächse quollen. An jenem Tag hatte ich das Gefühl, Camelot zu betreten.
Es dauert nicht lange, bis diese Illusion sich in Luft auflöste. Der Ort war alles andere als Camelot. Das soll nicht heißen, dass die Arbeit an der Medizinischen Fakultät nicht inspirierend war. Mit Intellektuellen von Weltklasse zusammenzuarbeiten, erweiterte meinen Horizont und förderte meine Fähigkeiten. Ich lernte, effektiv mit komplexen Sachverhalten umzugehen, die Fakten mit brutaler Ehrlichkeit zu sehen und fadenscheinige Argumente, die zu bequemen Lösungen führen sollten, zu entlarven. Es konfrontierte mich auch mit der Naturwissenschaft, einer Disziplin, die ich auf der Schule gemieden hatte wie die Pest. In Stanford begann ich die Naturwissenschaft zu lieben, und dafür bin ich für ewig dankbar. Gleichzeitig bekam ich aber auch den Eindruck, dass diese Weltklasse-Intellektuellen auch Weltklasse-Egos besaßen, und es bereitete mir große Schwierigkeiten, sie dazu zu bringen, mit unserem strategischen Plan zu kooperieren. Es herrschte eine übertriebene Kritiksucht und Fehler wurden gnadenlos bestraft, was auf dem Gebiet der Medizin natürlich verständlich ist. Aber die Kollegen schienen sich geradezu über die Fehler der anderen zu freuen. Die Schlappe des einen war ein Gewinn des anderen, und das führte zu einer Atmosphäre des Misstrauens. So sah ich die Situation zumindest zu jener Zeit.
In dieser Umgebung hatten es die Frauen besonders schwer, selbst diejenigen, die über hohe medizinische Qualifikationen verfügten. Ich werde nie den Tag vergessen, an dem ich – es war noch zu Anfang meiner Tätigkeit dort – von einer Besprechung in mein Büro zurückkehrte und eine Assistenzärztin weinend vor der Eingangstür zur Medizinischen Fakultät stehen sah. Als ich sie fragte, was denn los sei, sagte sie nur „Ich passe einfach nicht hierher“ und rannte davon. Ich kam allmählich zu derselben Schlussfolgerung. Ich hatte das Gefühl, am falschen Ort zu sein, und fürchtete, dass man mir das anmerkte. Ich besaß jedoch nicht den Mut, den Job zu kündigen, nicht mit einer Frau und vier Kindern, die zu versorgen waren. Ich hatte auch Angst vor dem, was meine Freunde und meine Familie vielleicht von mir denken würden. Sie hatten mich dafür gefeiert, dass ich die Stelle erhalten hatte, und ich fürchtete, sie würden schlecht von mir denken, wenn ich nicht damit zurechtkam.
So belastend die Arbeit damals auch erschien, meine damit und mit meinem Leben im Allgemeinen verbundenen Ängste waren noch viel schlimmer. Sie mögen sich fragen, warum Sie ein Buch über die Bewältigung von Stress von einem Autor lesen sollten, der selber so schlecht mit seinem Stress zurechtgekommen ist. Meine Antwort darauf ist: Welcher Autor wäre besser geeignet als einer, der das Minenfeld selber durchquert hat? Und das Minenfeld meiner Ängste und des Stresses, der damit einherging, erstreckte sich weit über meinen Arbeitsplatz hinaus. Zu jener Zeit hatte ich fast ständig Angst, ohne mir dessen jedoch bewusst zu sein. Ich fürchtete, was die Leute