C. Frank Onia

Der Lombard-Raum


Скачать книгу

einen Hubschrauber warten, um einen Passagier an Bord zu nehmen. Dieser sollte weitere Instruktionen für den Kapitän bei sich haben. Dieser Einsatz läuft unter strengster Geheimhaltung, daher werden nur die Wachhabenden Offiziere über die Kursänderung informiert. Dazu herrscht Funkdisziplin keine Kontaktaufnahme mit dem Helikopter oder sonstige Funksprüche dürfen abgesetzt werden.

       Die neuen Koordinaten gab Fregattenkapitän Brand persönlich an den Rudergänger weiter und verständigte den Maschinenraum, dass die Weiterfahrt zuerst mittels Gasturbine vorgesetzt wird. Damit konnte eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Knoten (56 Km/h) erreicht werden. Die Fregatte ist mit zwei Gasturbinen je 19.000 kW (ca. 26.000 PS) und zwei Dieselmotoren je 3.820 kW (ca. 5.200 PS) ausgestattet. Mit den Dieselmotoren hätte die Fregatte lediglich eine Höchstgeschwindigkeit von 20 Knoten (37 km/h) erreicht und hätten damit den Treffpunkt 0:30 Uhr nicht rechtzeitig erreichen können. 30 Knoten, bei einem hohen Seegang, war eine Herausforderung für Mannschaft und Schiff. Starker Seegang und Wind lassen das Schiff hin und her Rollen.

       Mit Erreichung der Koordinaten im Zielgebiet, lässt der Kommandant das Schiff wie befohlen mit langsamer Fahrt in das angegebene Zielgebiet einfahren. Die raue See und die Dunkelheit verlangt von Material und den Matrosen alles um bei diesen Bedingungen einen Passagier an Bord zu nehmen und noch dazu aus der Luft. Leutnant Stadelmann gab die Befehle des Kommandanten an die jeweiligen Mannschaften weiter:

       „Dass Flug-Deck klarmachen für den Hubschraubereinsatz!“

      „Die Bootsmansgruppe auf das Mänöverdeck!“

       Dies ist eine Vorsichtsmaßnahme, da beim Flug-Deck die Reling abgeklappt wird und bei Seegang und starkem Wind, die Gefahr zu groß ist, dass bei diesem Manöver ein Mannschaftsmitglied ins Wasser fällt/ über Bord geht. Zudem kommen die Kameraden im Schnellboot zum Einsatz, falls es zu einer Notlage mit dem Helikopter kommt. Bei Nacht ist das zusätzlich eine sehr gefährliches Manöver, die kein Kapitän freiwillig eingehen würde. Bei dem Wellengang, Windstärke, Wassertemperatur und Strömung ist es praktisch unmöglich jemanden wieder lebend an Bord zu holen. Die Mannschaften trainieren den Ernstfall zwar fast täglich, aber dennoch hat die Mannschaft nur wenig Zeit, um denjenigen aus dem Wasser zu bergen – in der Regel geht die Marine von ca. vierzehn Minuten aus, danach ist ein Überleben fragwürdig.

      00:30 Uhr /58 Grad Ost - 260 Seemeilen vor der schwedischen Küste. Das Wetter ist immer noch trüb und windig. Die Wellen schlagen regelmäßig über den Bug und schütteln das Schiff durch. Für die Besatzung bedeutet das ständige Rollen und Stampfen, des Schiffes (wenn das Schiff hoch und runterbewegt, bzw. von links nach rechts rollt) höchste Anspannung.

      Der Ausguck auf der Nock meldet den Hubschrauber als Erstes. Auf dem Radar war der Helikopter aufgrund der geringen Flughöhe nicht zu sehen. Die Fregatte hielt den angegeben Kurs und reduzierte weiter das Tempo. Die Fahrt wurde mit Dieselmotoren weitergeführt. Fkpt Brand konnte nur den Kopf schütteln. Ihm war nicht klar, warum zum Teufel so ein enormes Risiko eingegangen wurde. Ein Helikopter bei Nacht Fliegen zu lassen ist ohnehin schon eine Risiko und dann noch bei Wind und Seegang auf einer fahrenden Fregatte landen zu wollen. Hier wurde Mannschaft, Hubschrauber und Schiff einer extremen, nicht zu kalkulierbaren Gefahr ausgesetzt. Er war gespannt was dieses Risiko rechtfertigte.

      00:48 Uhr Ein Hubschrauber der Royal-Britisch-Navy wurde gemeldet. Ein Seeking, ein großer Hubschrauber mit einer großen Reichweite. Aber woher sollte dieser kommen, ihnen waren zu diesem Zeitpunkt keine weiteren Schiffe oder Einheiten bekannt, von denen der der Seeking hätte kommen können. Stadelmann informierte über Lautsprecher die Besatzung auf dem Flugdeck und im Schiffshangar

      „Achtung Flugbetrieb! Achtung Flugbetrieb! Alle Mannschaften verlassen das Flugdeck!“

       „Flugbetrieb, Flugbetrieb!“

       Es wurde auch später nie geklärt, woher der Helikopter der Royal Navy kam. Er konnte nur von Schweden aus herüber geflogen sein. Inzwischen gab es einen kurzen Funkkontakt mit dem Helikopter, den Fkpt Brand dazu nutze, der Hubschrauberbesatzung klar zu machen, dass bei diesen Wetterbedingungen eine Landung nicht möglich ist. Darum muss der Passagier, wenn überhaupt, abgeseilt werden.

      01:08 Uhr Nach zwei erfolglosen Anflügen fand der Seeking eine Position zur Fregatte, die es ihm erlaubte den Passagier, bei langsamer Fahrt, über dem Flugdeck abzuseilen. Damit er an Bord der Fregatte kommen konnte. Kommandant Brand holte den Passagier persönlich im Flughangar ab und nahm ihm mit auf die Brücke. Es war ein Mann Anfang vierzig, kräftig gebaut und wirkte sehr durchtrainiert. Er trug einen grünen Armeeoverall aber ein Namensschild, oder Rangabzeichen trug er nicht. Lt Stadelmann erkannte ein Sägefischabzeichen auf dem Overall. Das Sägefischabzeichen tragen Einheiten der Kampftaucher/Kampfschwimmer der Bundesmarine. Dies ist eine Spezialeinheit, die besonders für taktische Einsätze verwendet werden.

      Als Kampfschwimmer werden besonders für den Kampf im und unter Wasser ausgebildete Marinesoldaten bezeichnet. Heute werden diese zu den Spezialkräften gerechnet Sondereinsatzkräfte wie denen des KSK. Zudem hatte er eine markante Narbe auf der Backe, die an einen studentische Schmiss (Narben durch ein den hieb mit einem scharfen Schläger) erinnerte. Der Besucher stellte sich nicht vor, sondern erklärte ohne Umschweife, dass er im Namen des Außenministeriums agiere und der Kommandant, seinen Anweisungen unmittelbar Folge zu leisten habe. Entsprechende Befehle müssten schon über Funk angekündigt worden sein. Nachdem er weder einen Namen noch Dienstgrad preisgegeben hat, betitelte ihn der Wachhabende Lt. Stadelmann, für sich, einfach nur als den „Kampftaucher“, aufgrund seines Abzeichens.

       Der Kampftaucher unterrichtet den Kapitän wiederum darüber, dass die Brandenburg zu neuen Koordinaten auf See fahren müsse, um sich dort mit einem russischen Frachter zu treffen und einen weiteren Passagier in Empfang zu nehmen.

       Fkpt Brand widerstrebte diese gesamte Heimlichtuerei, er bestand darauf unverzüglich mehr Informationen zu erhalten. Bevor er sein Schiff und seine Mannschaft irgendwelchen Gefahren aussetzt. Wenn nötig, direkt vom Flottenkommando. Es sei ihm egal wen er mitten in der Nacht aus dem Bett holen müsste.

       Dies war gar nicht notwendig, der Kampftaucher überreichte dem Kapitän einige Unterlagen einem wasserdichten Umschlag. Dieses waren Anweisungen im unmittelbaren Auftrag des Staatssekretär des Außenministeriums. In Abstimmung mit Bundeskriminalamt, BND, MAD – die das Flottenkommando an Fkpt Brand überstellen ließ.

       Es handelte sich um einen Auftrag, einen Geheimnisverräter (Whistleblower), der aus Russland in einem Frachter versteckt, ausgeschifft wurde aufzunehmen. Der Whistleblower sollte Informationen haben, die International von höchster Bedeutung waren und damit von absoluter Wichtigkeit. Welche Informationen er hat und oder was er verraten hat, wurde nicht genannt. Auch nicht den Namen von dem Whistleblower. Die Aufgabe vom Kampfschwimmer war diesen von dem russischen Frachter an Bord der Brandenburg zu holen und ihn in Stockholm den Behörden zu übergeben.

       Der Kampfschwimmer berichtet weiter, dass er ausgewählt wurde, weil er mit seiner Ausbildung bei den Kampfschwimmern prädestiniert sei für einen derartigen Auftrag. Da nicht jeder Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes einen strapazierenden Flug in einem Helikopter überseht und zusätzlich die Weiterfahrt auf einem wackeligen Kriegsschiff. Er sei Mitarbeiter des Außenministeriums und direkt dem Staatssekretär unterstellt. Ein weiterer Vorteil war mit Sicherheit, dass er zusätzlich eine umfassende Kampfausbildung hinter sich hatte um auf alle Gegebenheiten reagieren zu können. Bis zu dem Zeitpunkt, dass der Passagier in Stockholm abgeliefert wird, durfte dieser keinen Kontakt zu irgendjemand haben und die gesamte Operation musste streng geheim bleiben. Da der Whistleblower wohl in Lebensgefahr schwebte, wenn jemand seinen Standort mitbekommen würde. Daher fanden es die Behörden wohl als eine geniale Idee, den Whistleblower auf See auf einer Fregatte zu verstecken. Da dort die größte mögliche Sicherheit gewährleistet wäre. Zudem befand sich die „Brandenburg“ in der Nähe und der kleine Umweg würde niemandem Auffallen. Und selbst wenn, könnte keine Nation, auf offener See, irgendwelche Forderungen, an ein Schiff, dass unter NATO-Flagge fährt richten. Anhand dieser Informationen war für Fkpt Brand das Risiko überschaubar. Der Whistleblower, hatte wohl schon eine abenteuerliche Flucht hinter sich. Ursprünglich