Heike Möller

Von Vampiren, Kriegern und Dieben


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streichelte sanft ihre Hand. „Beten. Hoffen. Warten.“

      Er wand sich aus ihrem Griff und goss die Kartoffeln ab, schwenkte und dämpfte sie. „Sie lebt jetzt bei Rashid. Er und seine Frau Yasemin helfen ihr, so gut es eben geht. Aber letztendlich ist es Zenobias Entscheidung.“

      Leilani beschloss, dass weitere Fragen bis nach dem Essen warten müssten. Sie lenkte ihn ab, sprach über alles andere, nur nicht über seine Art und seine per­sönlichen Erlebnisse.

      „Sag mal, hast du Schmerzen?“ Tristan merkte plötzlich, dass sie etwas schief saß und einige Bewegungen langsam ausfielen.

      „Muskelkater. Unser nächtliches Training hat Muskelpartien beansprucht, die mir bislang unbekannt waren.“

      Tristan glotzte sie an, lachte dann schallend.

      „Das ist nicht komisch! Das tut weh!“ Sie streckte ihm ihre Zunge raus.

      „Ich werde dich nachher ein wenig verwöhnen, mein Schatz.“

      Leilani zog eine Braue hoch. „Dein Verwöhnprogramm endet aber in Aktionen, die den Muskelkater erst verursacht haben!“

      Tristan schmunzelte. „Bereust du es?“

      Überrascht sah sie ihn an. „Nein, Tris.“

      „Gut. Ich nämlich auch nicht.“

      Er hatte eine einmalige Art, zur Tagesordnung überzugehen. Leilani musste sich daran erst gewöhnen, wusste aber, dass es nur eine jahrhundertealte Fassade war. Seine Augen sahen sie mit einer Liebe und Zärtlichkeit an, die die Worte eines Minnesängers glatt in den Schatten stellte.

      Leilani hatte aufgegessen, stand nun auf und ging zu Tristan um den Tisch herum. Er runzelte die Stirn, wusste nicht, was jetzt kommen würde. Sie drückte ihn ein wenig zurück und setzte sich auf seinen Schoß, kuschelte sich an ihn wie ein kleines Kind. Zufrieden seufzte er.

      „Ich liebe dich, Tris. Ich weiß, dass du, wenn es um Gefühle geht, nicht der Typ bist, der das ständig sagt. Aber ich weiß auch, dass du ebenfalls diese Gefühle für mich hast.“

      Tristan drückte sie an sich, barg sein Gesicht in ihr duftendes, kurzes, dunkelbraunes Haar. „Du hast mich verändert, Lani. Die letzten drei Wochen mit dir haben mich verändert, mich zum Nachdenken über vieles gebracht.“

      „Mich ebenso. Alles, was mir vertraut war, was meinem Leben einen Sinn ergab, wurde gründlich auf den Kopf gestellt. Und nicht jede Erkenntnis bedarf einer Wie­derholung.“

      Tristan wusste, dass Leilani den Verrat von ihrem Stiefvater Hagen Sörensen meinte, der sich als Tristans Erzfeind Darius entpuppte.

      „Wenn ich damals, als in meiner Wohnung eingebrochen wurde, nachgedacht hätte und nicht wie von Furien gejagt her gerast wäre um dich anzubrüllen, wäre es zwischen uns nie so weit gekommen.“

      „Vielleicht doch“, schnurrte Tristan und streichelte sanft ihren Nacken. „Ich glaube, dass das mit uns Bestimmung ist. Obwohl ich mich, zugegebenermaßen, dagegen gesträubt habe.“

      „Warum?“ Leilani sah ihn neugierig an.

      „Ich dachte, dass es nur ein primäres Interesse wäre. Du weißt schon: Blut, Jungfräu­lichkeit. Das meine Instinkte nur auf dich reagieren würden, weil die Sache mit Rowena noch nicht so lange her war. Ich war noch nie so froh, dass ich mich geirrt habe.“

      Plötzlich lachte Tristan.

      „Was ist?“

      Er sah sie entschuldigend an. „Ich habe noch nie so viel geredet wie mit dir, Lani. Ich meine, mit einer Frau. In so kurzer Zeit.“

      Leilani zog indigniert die Brauen hoch. „Und was hast du in 500 Jahren Ehe mit Rowena gemacht?“

      Sie bereute die Frage einen winzigen Moment später, denn seine Hand glitt in den Ausschnitt des Morgenrocks und umfasste ihren kleinen Busen, dessen Nippel binnen zweier Herzschläge steinhart wurde.

      „So was in der Art“, schnurrte er und küsste sie.

      Kapitel 5: Neue Gefahren

      Leilani saß in ihrem Büro und arbeitete die Akten mit einem Dauergrinsen im Gesicht ab. Ihre Kollegin Anita, der sofort bei ihrem Hereinkommen eine Veränderung an ihr aufgefallen war, konnte nicht aufhören, sie anzustarren. Anita kannte Leilani seit etwa zwei Jahren, sie war immer freundlich, aber eher ruhig. Meistens ziemlich ernst.

      Aber dieses Dauerlächeln?

      „Ich hab´s!“, brüllte Anita plötzlich und setzte sich mit geweiteten Augen auf ihren Stuhl.

      „Du hast eine gesuchte Akte gefunden?“, fragte Leilani und sah ihre Kollegin un­schuldig an.

      „Was? Nein! Ich weiß jetzt, warum du ständig grinst!“

      Leilani fiel es schwer, sich naiv zu stellen. „Tu ich das? Ist mir gar nicht aufgefallen.“

      Anita nahm eine Büroklammer und warf sie nach Leilani. Sie nahm den Kopf ein wenig zur Seite und das Wurfgeschoss fiel hinter ihr zu Boden.

      „Du bist verliebt, Leilani! Bis über beide Ohren!“ Anita klang irgendwie anklagend.

      „Möglich“, meinte Leilani und sah kurz von ihrer Akte zu der Kollegin hinüber. Dabei vertiefte sich ihr Grinsen noch.

      Anitas Augen, die ohnehin schon groß waren, bekamen jetzt erschreckende Ausmaße. „Oh. Mein. Gott!“

      Besorgt runzelte Leilani die Stirn. „Ist dir nicht gut? Brauchst du ´nen Arzt?“

      „Ach, hör schon auf, Mädchen!“, brüllte Anita. Dann beugte sie sich verschwörerisch über den Schreibtisch. Dadurch stützte sich ihr üppiger Busen auf dem Arbeitsplatz ab. „Du bist keine Jungfrau mehr!“, wisperte sie intensiv.

      Leilani holte tief Luft, grinste weiter. „Yep!“

      Anita quietschte auf, schoss von ihrem Stuhl in die Höhe und umrundete mit einer für die korpulente Frau irrsinnigen Geschwindigkeit und Behändigkeit die Tische. Sie schlang ihre Arme um Leilani, bevor diese auch nur in eine Abwehrposition gehen konnte.

      „Das freut mich ja so für dich! Ist es der Typ, der dir die Orchidee geschickt hat? Erzähl schon, wann? Wie?“

      Leilani kicherte. „Nun, wir haben die Woche, in der ich Urlaub hatte, reichlich genutzt, um uns besser kennen zu lernen. Und es hat, wie man so schön sagt, gefunkt. Den Rest überlasse ich deiner Fantasie, Anita.“

      „Bist du jetzt richtig bei ihm eingezogen?“ Anita wusste, dass Leilanis Wohnung aufgrund eines Wasserschadens für eine gewisse Zeit nicht bewohnbar war und sie deshalb zu einem Freund gezogen war.

      „Nein. Ich bin gestern Abend in meine Wohnung zurück. Wir … ich brauche etwas Zeit und Abstand, um, das alles zu begreifen. Und Tris gibt mir die Zeit, die ich brauche, drängt mich nicht.“

      Anita gab einen langen, sehnsuchtsvollen Seufzer von sich. „Ich hoffe, ich lerne irgendwann deinen Traumprinzen kennen!“

      Leilani lachte. Ihr Handy klingelte, sie sah auf das Display und ihr Lächeln wurde wieder breiter. „Hast du mich vermisst?“

      Anitas Augen wurden erneut riesengroß und sie machte lange Ohren, hoffte, irgend­etwas zu erhaschen.

      „Ja. Sehr. Schau mal aus dem Fenster.“

      Leilani runzelte die Stirn, stand auf und sah aus dem Fenster zur Straße hinab. Tristan stand auf der anderen Straßenseite und winkte