Katie Volckx

Håkon, ich und das tiefgefrorene Rentier (P.S. Fröhliche Weihnachten)


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unkommentiert und wandte mich stattdessen wieder Håkon und seiner mir unbekannten Begleitung zu. Mir schwante, dass sich die Schatten der Dunkelheit auf das Gesicht der Frau legen und mich am Ende ahnungslos zurücklassen würde, doch ich war ein zuversichtlicher Mensch. Ich würde nicht aufgeben, solange eine Chance bestand, und sei sie noch so minimal, sie zu sehen. Ich musste einfach herausfinden, wer sie war, anderenfalls würde es mir Kopfzerbrechen bereiten und mich heute Nacht um meinen Schlaf bringen.

      Das Paar verharrte ungewöhnlich lange vor dem Schaufenster. Immer mal wieder zeigte die Frau auf eines der Teile in der Auslage, was darauf schließen ließ, dass sie Anmerkungen darüber machte. Womöglich unterrichtete sie ihn verblümt darüber, welches Geschenk er ihr an Heiligabend bedenkenlos überreichen könnte und welches er kurzerhand um die Ohren geschlagen bekäme. So verhielt es sich seit jeher: Frau musste Mann instruieren, wenn sie unter dem Christbaum kein Topfset oder Bügeleisen vorfinden wollte.

      Endlich setzten sie ihren Weg fort. Ein Blick auf ihr Gesicht blieb mir dennoch verwehrt, da Håkon sie mit seiner großen und stämmigen Statur verborgen hielt.

      »Das ist doch ein Scherz!«, brummelte ich.

      Yva stürzte von ihrem Stuhl hoch und wetzte ohne Mantel hinaus in das Schneegestöber. Durch das Fenster konnten Mailin und ich den weiteren Verlauf verfolgen. Mir blieb die Spucke weg, als ich erkannte, dass sie dem Paar nachlief und etwas rief. Håkon und die Frau wandten sich zu ihr um. Inzwischen hatten sie sich so weit entfernt, dass das Gesicht der Frau nicht nur im Schatten der Dunkelheit lag, sondern vollkommen schwarz war.

      Håkon zog den linken Ärmel seines Mantels ein Stück nach oben, um die Zeit von seiner Armbanduhr abzulesen. In diesem Augenblick checkte ich, dass Yva ihn nach der Uhrzeit gefragt hatte. Sie hob die Hand zum Dank, zugleich zum Abschied und verließ das Paar. Håkon sah sich noch einmal nach ihr um. Zwar konnte ich sein Gesicht nicht erkennen, doch ich war mir ziemlich sicher, dass er das aus Verwunderung getan hatte.

      Mit den Worten: »So sieht dein Schwarm also aus der Nähe aus« kam sie an unseren Tisch zurück, setzte sich und rieb sich die Hände, um die Kälte, die unverzüglich in ihre Knochen gekrochen war, wieder zu vertreiben. Sie zitterte am ganzen Leib. Allein der Anblick bescherte mir eine Gänsehaut.

      »Was sollte das?«, fragte ich in anklägerischem Ton nach dem Ziel ihrer Aktion.

      »Wolltest du nun wissen, wer sie ist oder nicht?«, blaffte sie mich an. »Ich nehme an, dass dieser Håkon von uns dreien nur mich nicht kennt, oder sehe ich das falsch?«

      Mochte sein, denn Mailin war er schon einige Male im Laden begegnet. Natürlich hatte sie die Zusammentreffen beabsichtigt gehabt, da sie ihn hatte kennenlernen wollen, nachdem ich ihr von ihm vorgeschwärmt hatte.

      »Und wenn er dich eines Tages neben mir wiedererkennt, was dann? Er wird sich ganz bestimmt an diese bizarre Situation erinnern und sofort wissen, wozu die gut gewesen war.«

      »Dann wirst du wohl oder übel dazu stehen müssen, dass du ihn gern hast. So einfach ist das.«

      »Und dermaßen bizarr war die Situation nun auch wieder nicht«, versuchte Mailin, mich zu besänftigen.

      »Aber bizarr genug, um ihn zum Nachdenken anzuregen. Du bist halb nackt bei Minusgraden draußen auf der Straße gewesen. Er kennt nur eine Person, die genauso bekloppt ist, und die bin ich!« Mit einem Mal überfiel mich nackte Panik. »Oh Gott, er wird sich denken können, wer du bist.« Mit einem Mal erkannte ich zwischen Yva und mir sogar eine verblüffende Ähnlichkeit, dabei sahen wir uns nicht im Mindesten ähnlich. Sie trug ihre Haare schwarz gefärbt und schulterlang, ich naturblond und hüftlang – meistens am Hinterkopf oder Oberkopf gebündelt, sie war recht kurz geraten, ich war hochgewachsen, sie trug eine trendige Nickelbrille, ich quälte mich aus Eitelkeit mit Kontaktlinsen durch den Tag.

      Es war zum Verzweifeln.

      »Krieg dich wieder ein, ich wollte dir lediglich etwas Gutes tun.«

      Offenbar sah das auch Mailin so. »Das ist eben Yvas Art.«

      »Ich weiß.«

      Gerade hätte ich nichts lieber getan als mich auf den Boden zu werfen und in Tränen auszubrechen. Doch inwiefern würde mir das weiterhelfen? Damit würde ich alles nur schlimmer machen. Zum Beispiel würde ich in diesem Restaurant mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Hausverbot erteilt bekommen. Das sagte mir, dass ich nun nicht die Kontrolle über mich verlieren durfte. Der Abend musste ja nicht in einer Katastrophe enden. Ich könnte meine Gefühle für Håkon ja auch leichtnehmen. Meine Chancen, ihn für mich zu gewinnen, waren mit dem heutigen Abend nicht gesunken. Meine Chancen, ihn für mich zu gewinnen, waren vorher genauso winzig gewesen wie in dieser Sekunde – mit oder ohne Yvas Eingriff.

      »Ich hätte ja mit meinem Handy unauffällig ein Foto von der Frau gemacht. Aber das hat sich in dem Moment erübrigt, als ich ihr Gesicht gesehen habe.«

      »Du kennst sie?«, waren Mailin und ich synchron geplättet.

      »Jetzt haltet euch fest: Es ist ... Trommelwirbel, bitte ... deine Chefin.«

      »Frau Hæreid?«, stellten Mailin und ich, erneut synchron, glockenhell sicher, dass wir von derselben Frau sprachen.

      »Jepp! Dein liebster Håkon fährt auf alte Schachteln ab.«

      Das Staunen war viel zu groß, um jetzt noch etwas dazu sagen zu können. So blieb mir als einzige Möglichkeit, diese Nachricht erst einmal sacken zu lassen.

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