zu gefallen, ist eine Sache, doch dass ich damit sogar zu Cam durchdringen konnte, ließ mich begreifen, was für ein mächtiges Ding diese Debatte sein könnte. Aber vor allem gab es mir die Hoffnung, vielleicht ganz allmählich, Stück für Stück, etwas verändern zu können.
Im Januar 2016, während ich dies schreibe, kann ich nicht umhin zu bemerken, dass es für die Männlichkeit und die Gespräche über Männer, die wir in Gang gebracht haben, ganz schön turbulente fünfzehn Monate waren. Letztes Jahr hat der Rapper Professor Green sich in dem beeindruckenden Dokumentarfilm Suicide and Me mit dem Freitod seines Vaters befasst, was einem vorkam wie ein gewaltiger Durchbruch in der Art und Weise, wie wir uns diesem schrecklichen Thema annähern. Aber wir haben auch mitangesehen, wie Reggie Yates in die Welt von Pick-Up-Artists eintauchte und uns eine finstere, rückschrittliche Seite von Männern und Männlichkeit zeigte. Aktivisten der Männerrechtsbewegung – eine Art Aktionsgruppe für Antifeministen – schikanieren Frauen weiterhin für die Leiden, denen sich das männliche Geschlecht gegenübersieht, und geben ihnen die Schuld daran. Toxische Männlichkeit – ein Begriff, auf den ich in diesem Buch immer wieder zurückkommen werde – heizt weiterhin Gewalt, Massenmord und Vergewaltigung an. Manches wird besser, vieles nicht. Wir müssen uns damit auseinandersetzen, bevor es zu spät ist, jedem Einzelnen von uns zuliebe.
Wenn mein Vater gelernt hätte, sich ein wenig mehr zu öffnen, hätte er vielleicht nicht sein Leben lang jede Hilfe ausgeschlagen und wäre womöglich noch unter uns. Er hätte der Welt ein weiteres unnötig ausschweifendes Buch über einen emotional distanzierten Vater ersparen können, und ich hätte noch jemanden, der missbilligende Worte murmelt, sobald ich das Gespräch auf meine Karriere, meine Wohnsituation oder mein Leben bringe. Mit Hypothesen allein kommen wir nicht weit, aber solange wir uns nicht mit unserer Unfähigkeit uns zu öffnen befassen, sterben wir früh und unnötig und zerstören die Beziehungen, die wir haben, solange wir auf der Welt sind. Mag sein, dass ich mit diesem Buch keine Revolution anzettele, aber wenn nur eine Handvoll Menschen liest, warum wir so geworden sind, wie sehr wir die um uns herum verletzen und was wir tun können, um Männer zu einer positiven Kraft in dieser Welt zu machen, dann hat es sich gelohnt, dass ich verdammt viele Stunden in Online-Foren verbracht habe, um zu diskutieren, wann ich »dass« und wann »wie« verwenden muss, und dann ist es auch die niederschmetternde Erkenntnis wert, dass ich es wahrscheinlich schon wieder vergessen habe.
Wann ist ein Mann ein Mann?
Bevor ich mich auf die Mammutaufgabe stürze zu analysieren, was meiner Meinung nach die wichtigsten Themen um Männlichkeit heute sind, und dann in der Hoffnung, die Menschheit für den Rest unserer Zeit auf Erden zu verbessern, versuche, Lösungen für alle unsere Fehler, Leiden und destruktiven Verhaltensweisen zu finden, sollte ich mir einen Augenblick Zeit nehmen, um festzuhalten, was genau eigentlich ein Mann ist. (Wahrscheinlich muss ich auch noch über ein paar andere Sachen nachdenken, bevor ich mich auf diese Mission begebe, zum Beispiel: »Warum zum Teufel schreibe ich ein Buch, das war eine bescheuerte Idee, ich will hier raus, o Gott, o Gott, das ist eine Katastrophe«, aber ich bin mir sicher, dass sich das durch eine Nacht auf Yahoo Clever klären lässt.)
Theoretisch müsste das der unkomplizierteste Teil des ganzen Buches sein. Schließlich wissen wir alle, was ein Mann ist, richtig? Toll, nächstes Kapitel: Ich hab das voll drauf mit dem Schreiben. Vor langer Zeit mag das tatsächlich einmal der Fall gewesen sein, doch im Jahr 2016 geht unser Verständnis von Gender sehr weit über die binärgeschlechtliche Definition hinaus, derer wir uns in der Geschichte bedient haben. Womöglich habt ihr schon einmal eine
Wenn ich jetzt damit anfange, dass wir uns drei Kategorien genauer ansehen müssen, die alle eng miteinander verflochten sind und zugleich doch vollkommen getrennt, gewinne ich damit bestimmt keinen Preis für Klarheit. Aber habt Nachsicht mit mir, denn ich versuche, Ordnung in Geschlecht, Sexualität und Gender zu bringen – was sie verbindet, was sie trennt und warum das alles überhaupt von Belang ist.
Geschlecht
Das ist wahrscheinlich am leichtesten zu erklären. Geschlecht ist biologisch, es ist das, was wir Kindern bei ihrer Geburt aufgrund ihrer Genitalien zuweisen, und in den meisten Fällen ist es eine von zwei Möglichkeiten. Wenn zwischen den Beinchen ein Penis liegt, dann hast du einen Jungen gekriegt, wenn da unten eine Vagina ist, dann … ich weiß nicht, ich hab schnell das Interesse an diesem kleinen Reim verloren, aber dann wird das Neugeborene auf der Geburtsurkunde als Mädchen bezeichnet. Solange die Eltern nicht megaprogressiv sind, stehen die Chancen gut, dass das auf der Geburtsurkunde festgehaltene Geschlecht sich in der Erziehung widerspiegelt und das Kind allein aufgrund seiner winzigen kindlichen Geschlechtsorgane ermutigt wird, einem ausdrücklich genderspezifischen Weg zu folgen. Ab und zu kommt ein Kind mit Fortpflanzungsorganen zur Welt, die nicht in die traditionelle Definition von männlicher oder weiblicher Sexualanatomie passen und Elemente von beiden aufweisen, das wird dann als intersexuell bezeichnet. Das kann schon bei der Geburt sichtbar sein oder erst im späteren Leben zutage treten, und manchmal unterziehen sich intersexuelle Menschen (auch Kleinkinder und Kinder) chirurgischen Eingriffen oder Hormonersatztherapien, um äußerlich der binärgeschlechtlichen Genderdefinition zu entsprechen.
Sexualität
Die Sexualität eines Menschen bestimmt sich dadurch, zu wem, wenn überhaupt, sie
Gender
In den meisten Kapiteln dieses Buches ist Gender die wichtigste Kategorie. Bei Gender geht es um persönliche Identität, Gender wird nicht durch körperliche Merkmale definiert, sondern durch das Denken und Fühlen des Individuums. Gender ist auch ein soziales Konstrukt, ein Thema, auf das ich in diesem Buch noch öfter zurückkomme. Cisgender7 sind Menschen, deren Gender mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt, was bei der Mehrheit der Menschen so ist. Ein Transgender ist jemand, dessen Gender nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt. Jemand, der sich als Frau identifiziert, aber mit dem geboren wurde, was wir gemeinhin als männliche Geschlechtsorgane betrachten, ist eine Transgender-Frau oder eine Trans-Frau, oder, noch besser, einfach eine Frau. Manche Trans-Menschen unterziehen sich geschlechtsangleichenden Operationen, um ihren Körper