Übungsleitern der Herrenmannschaft , in der Mattuschka spielte.
„Torsten war leicht zu handhaben“
Interview mit Malermeister Timo Laschke, ehemaliger Chef und Mitspieler
Timo Laschke, Jahrgang 1967, ist bis heute in Dissenchen als Vereinssponsor aktiv. Die Werbung seiner Malerfirma prangt auf dem Sportplatz in Dissenchen an der Branitzer Straße omnipräsent am Funktionsgebäude, am Vereinsbriefkasten, an der Trainerbank und der Bande auf der Gegengeraden. In den 1990er und 2000er Jahren schnürte er auch selbst gemeinsam mit Torsten Mattuschka für den SV Dissenchen die Schuhe.
Herr Laschke, wie kam es dazu, dass Torsten Mattuschka in Ihrer Firma eine Ausbildung zum Maler und Lackierer absolvierte?
„Torsten spielte im Nachbarverein in Merzdorf bei den A-Junioren. Er agierte dort immer sehr auffällig durch seine Freistoßtreffer und sein Ballgefühl. Mein Vater Werner gehörte beim SV Dissenchen zum Betreuerstab. Er kannte auch den Großvater von Torsten seit vielen Jahren. Wir hörten davon, dass Torsten eine Lehrstelle sucht. Eine Hand wusch die andere. Torsten spielte bei uns Fußball und bekam dafür einen Lehrvertrag.
Mein Vater arbeitete zu DDR-Zeiten in einer großen Produktionsgenossenschaft des Handwerks, in der ich auch meine Lehre absolvierte und meinen Meisterbrief ablegte. Danach habe ich mich abgekoppelt und 1991 in Dissenchen die Malerfirma Laschke gegründet. Mein Vater stieß dazu.“
Mattuschka sagt, dass Sie auch ein guter Abwehrspieler gewesen seien …
„Das stimmt. Er ist zwar einige Jahre jünger als ich, aber Torsten spielte ja schon im Alter von 17 Jahren bei uns mit. Er gehörte in der Landesklasse auch schnell zu den Leistungsträgern.“
Für den Lehrling Mattuschka waren Sie Chef und Mitspieler zugleich. Wie funktionierte das?
„Unproblematisch. Dadurch, dass wir Sportsfreunde waren und ich eher ein Kumpeltyp bin, haben wir uns sowieso von Beginn an geduzt. Torsten war auch leicht zu handhaben. Er brauchte eigentlich nur einen Ball. Dann war er glücklich.“
Er ist berühmt für seine Späße. Hat er das auch in seiner Zeit in Dissenchen ausgelebt?
„Ja, ich glaube, dass er als Clown geboren wurde. Er hat gern Faxen gemacht. In der Montagezeit sind die Jungen noch oft abends in die Stadt gezogen. In Berlin war die Chance dafür da.“
Wie lief das eigentlich mit dem Training, wenn außerhalb von Dissenchen gearbeitet wurde?
„In dieser Zeit sind wir – auch ich – häufig auf Montage gefahren. Es ging oft nach Berlin. Zwischen acht und zehn Fußballer arbeiteten damals in meiner Firma. Ich glaube, die halbe Mannschaft bestand aus Malern. Da haben wir zweimal wöchentlich in Berlin-Lichtenberg auf einem Kunstrasenplatz trainiert. Zu unseren Gegnern gehörte damals auch der spätere Union-Profi Christian Stuff mit seiner Mannschaft. Die haben gemerkt, dass wir eine richtig starke Truppe sind.“
Wie sahen die fachlichen Qualitäten von Torsten aus?
„Als Lehrling ist man noch nicht vollkommen. Praktisch konnte man über ihn nicht meckern. Da hat er sich Mühe gegeben. In der Th eorie gab es Defizite. Aber das wollen wir mal nicht so hoch hängen. Insgesamt bekommt er von mir das Prädikat ‚solide‘.“
Wie haben Sie seinen weiteren Weg als Fußballer verfolgt?
„Natürlich habe ich mich gefreut, dass ein Kerl von uns so einen Erfolg hatte. Ich durft e mit ihm ja mal mitgurken. Und dann hat er es nach oben gepackt. Daran sieht man, dass alles machbar ist. Am Anfang hat er mit Energie Cottbus noch oft bei uns auf dem Platz in Dissenchen trainiert. Der Kontakt ist nie abgerissen, weil er auch während seiner Zeit in Berlin in der Heimat vorbeischaute. Dann hat er uns auch mal einen Kasten Bier hingestellt.“
Dissenchen: Montage macht fett
Während seiner Zeit bei der Malerfirma Laschke haben die Angestellten und Lehrlinge häufig in Berlin zu tun. Sie gehen am Montagmorgen regelmäßig auf Montage. Die Heimreise erfolgt entweder am Donnerstagabend oder am Freitagmittag. Es gibt eine Wohnung für die älteren Kollegen und eine für die jüngeren.
Zu Letzteren zählt Ende der 1990er und Anfang der 2000er Jahre auch Torsten Mattuschka. In puncto Ernährung und Kultur muss das Niveau nicht sehr hoch gewesen sein. „Wenn man als 19- bis 20-Jähriger die gesamte Woche in Berlin unterwegs ist, ist es klar, dass man Scheiße baut. Die vier Jahre auf Montage haben mir richtig einen Bums gegeben“, gibt Mattuschka zu. Damit meint er keinesfalls ein weiteres Plus an Schusskraft , sondern eines auf der Waage. Die Gewichtszunahme in dieser ungestümen Lebensphase ist enorm. Sie bringt ihn fast an die 100-Kilogramm-Grenze heran.
Einen Ernährungsplan gibt es nicht. Mattuschka & Co. futtern, was kommt. „Zur Frühstückspause um neun Uhr gab es entweder eine Curry-wurst oder eine Fünf-Minuten-Terrine und eine Semmel mit Fleischsalat. Am Nachmittag dasselbe“, erzählt Mattuschka. „Ab 18 Uhr waren wir auf der Bude. Da haben wir uns Pizza, Döner oder etwas von McDonald’s beziehungsweise Burger King reingehauen.“ Runtergespült werden muss das Ganze ja auch irgendwie. Vier, fünf halbe Liter Bier und das eine oder andere Gläschen Wodka Lemon gehören auch zur abendlichen Tagesration – zumindest in der WG der jungen Maler aus Dissenchen.
Vermutlich leben sie einfach so wie Tausende andere Montagearbeiter auch. Zugutehalten kann man ihnen aber, dass sie sich ein- bis zweimal die Woche noch sportlich betätigen. Für das Training beim SV Dissenchen fehlt ja die Zeit. Auslauf gibt es auf dem Sportplatz Zachertstraße in Lichtenberg. „Wir wollten ein bisschen bolzen und uns bewegen“, so Mattuschka.
Dabei gibt es vermutlich im Jahr 1999 auch Duelle mit Christian Stuff. Der spätere Mitspieler Mattuschkas beim 1. FC Union kickt damals noch bei Borussia Friedrichsfelde und verbringt auf dem „Zachert“ in Berlin-Lichtenberg auch außerhalb des Vereinssports seine Freizeit. „Meine Kumpels und ich waren am Abend immer auf der Suche nach Gegnern. Und irgendwann kamen ein paar Maler vorbei, die ganz gut waren. Wir haben dann ein paar Mal gegeneinander gezockt“, sagt Stuff. „Das ging vielleicht ein, zwei Wochen. Dann habe ich sie leider nicht mehr gesehen. Sie hatten einen guten dicken Spieler mit Glatze. Das Gesicht hat sich mir damals aber nicht eingeprägt.“
Einige Jahre vergehen. 2006 treffen sich Mattuschka und Neuzugang Stuff als Profis beim 1. FC Union wieder. Die Hobbykicks in Lichtenberg werden in der Kabine noch einmal ausgewertet. Stuff: „Wir saßen nebeneinander in der Kabine und haben festgestellt, dass wir uns eigentlich schon kennen.“
Der Bomber vom Dorf: 100 Tore in 100 Spielen
In Dissenchen findet Torsten Mattuschka ideale Bedingungen vor: zwei fast gleichwertige Rasenplätze, ein annehmbares Funktionsgebäude und eine Vereinsgaststätte. „Abgesehen vom Geld, war es wie bei den Profis. Es gab Flutlicht. Wir besaßen sogar eine eigene Kabine, in der wir unsere Sachen lassen konnten“, berichtet Mattuschka.
Bernhard Hansch, der langjährige Trainer und Funktionär des SV Dissenchen, verweist auf die frühere Unterstützung durch das Braunkohlenkombinat. „Wir hatten einen Trägerbetrieb, mit dem wir den B-Platz auch mit einer Beregnungsanlage versehen konnten. Damit besaßen wir gegenüber anderen Vereinen einen großen Vorteil“, sagt Hansch.
Dass die Anlage bis heute in einem guten Zustand ist, liegt auch daran, dass sie im Besitz der Stadt Cottbus ist. Neben dem SV Dissenchen gehören auch Schulkinder zu den Nutzern. Mannschaften des FC Energie Cottbus trainieren bis heute dort. Auch Erst- und Zweitligisten bereiteten sich vor ihren Gastspielen in Cottbus auf die Auswärtsspiele gegen Energie vor.
Auf dem satten Grün von Dissenchen macht Mattuschka mit 17 Jahren seine ersten Spiele bei den Herren. „Er hat sich nicht sofort durchgesetzt. Aber schon in den Saisons 1999/2000 und 2000/01 wurde er Torschützenkönig in der Landesklasse“, berichtet Hansch stolz. Die beiden dazugehörigen Pokale des Fußball-Landesverbandes Brandenburg für die Landesklasse (Staffel Süd) mit Namensgravur sind bis heute im Besitz von Mattuschka.