Buches ist, Sie dazu zu veranlassen, sich dem Sturm zu entziehen, in dem Sie keine wirkliche Kraft besitzen, und in das Auge des Sturms einzutreten, wo das Talent, die Kraft und die Magie dessen, was Sie sind, wachsen können. Im Auge des Sturms erlangen wir ein Vermögen, das uns von nicht weniger als sieben verschiedenen Formen der Intelligenz verliehen wird. Diese Formen der Intelligenz sind archetypisch und stellen außerordentliche Befähigungen des Menschen dar. Es sind die Fähigkeiten des Dichters, des Naturwissenschaftlers, des Komponisten, des Bildhauers, des Athleten, des Lehrers und des Mystikers in jedem Einzelnen von uns. So greifen zum Beispiel Werbefachleute und große Menschenführer auf die sprachliche Intelligenz des Dichters zurück. Strategische Planer, Ingenieure und Handwerker greifen auf die logische und mathematische Intelligenz des Naturwissenschaftlers zurück. Eltern, Vermittler und Lehrer greifen auf die zwischenmenschliche Intelligenz des Lehrers zurück, während Mystiker, Priester und Psychologen die innermenschliche Intelligenz des Mystikers anwenden. Wenn wir eine Aufgabe, die wir erledigen, analysieren, dann wird sich herausstellen, dass wir auch bei der Erledigung einfacher Aufgaben mehrere Formen der Intelligenz ins Spiel bringen. Howard Gardner von der Harvard-Universität schrieb: „Jedes normale Individuum besitzt diese verschiedenen Intelligenzen in unterschiedlich starker Ausprägung, und in Hinsicht auf die Art und Weise, wie diese Intelligenzen miteinander kombiniert und verschmolzen werden, gibt es ebenso große Unterschiede wie bei den Gesichtern und Persönlichkeiten von Individuen.“8
Glück besteht darin, sich in etwas Ganzes und Großes aufzulösen.
Willa Cather
Von Zeit zu Zeit erlebt jeder von uns die Beglückung des gewöhnlichen Genius, wenn wir versuchen, etwas Bedeutsames zu verwirklichen, das unsere Fähigkeiten ganz und gar fordert. Vielleicht wurden wir zu Beginn von dem üblichen Sturm von Anforderungen, Druck und Zweifel heimgesucht, doch es gelang uns durch subtile Wendungen und Ausweichmanöver dem Sturm zu entfliehen und sein Auge zu finden, wo der Druck, etwas zu leisten, sich in die Herausforderung verwandelte, etwas Außerordentliches hervorzubringen. Und indem wir uns in diesem Auge einrichteten, übernahm ein müheloses Fließen von Intelligenz die Führung und riss uns mit in seiner unausweichlichen Strömung. Unser Geist wurde klar und arbeitete mit Präzision. Die Zeit stand still. Wir fühlten uns beschwingt und vermochten unsere Begeisterung zu kanalisieren, zu sammeln und zu bewahren und so ein hohes Maß an Energie aufrechtzuerhalten. Allmählich legten wir eine erstaunliche Beherrschung der vorliegenden Aufgabe an den Tag und bewahrten uns einen Blick für das Ganze, auch dann, wenn wir uns um die Details kümmerten. Die Dinge rückten ohne Anstrengung an ihren Platz, als verbänden sich die Puzzlesteinchen ganz von selbst miteinander. Unsere Vision des Ganzen weitete sich aus, indem uns mehr Möglichkeiten bewusst wurden. Auf diese Weise zu arbeiten, kam uns nicht mehr wie Arbeit vor. Es war mehr so etwas wie eine belohnende Liebesmüh. Es ist wahrscheinlich, dass wir in einer solchen Erfahrung schließlich „ein tiefes Gefühl der Freude empfanden … die in unserer Erinnerung als ein Beispiel dafür hervorstand, wie das Leben eigentlich sein sollte“.9
Ich mag keine Arbeit – niemand mag sie –, aber ich mag, was die Arbeit uns bietet, nämlich die Gelegenheit, uns selbst zu finden. Zu finden, was die Wirklichkeit ist, für uns selbst, nicht für andere – etwas, das sonst niemand wissen kann.
Joseph Conrad
Wenn diese Weise zu arbeiten zu einer Lebensweise wird, dann kommen in dem, was wir tun, Intelligenz und Schönheit zum Tragen, ob wir nun ein Unternehmen aufbauen, eine Schulklasse unterrichten oder Wäsche waschen. Die Qualität der Erfahrung führt zu Qualität im Ergebnis, selbst wenn sich dieses Ergebnis nur in einem weiß gewaschenen Taschentuch zeigt, wie es in einem Gedicht von D. H. Lawrence heißt.10 Nur wenigen von uns ist es gelungen, diesen „Flow“ von Intelligenz zu einer alltäglichen Erfahrung zu machen. „Wie beschämend ist es für den Menschen“, schrieb der bekannte Theologe Abraham Joshua Heschel, „das größte Wunder auf der Erde zu sein und dies doch nicht zu erkennen. Wie beschämend für den Menschen, dass er im Schatten der Größe lebt, und nicht um diese weiß.“11 Dieser wundervolle Geist, der aus beinahe unendlichen Punkten des Lichts in unserem Gehirn entspringen kann, ist wie ein glitzerndes Juwel, das wir vor so langer Zeit in einen Safe eingeschlossen haben, dass wir inzwischen die Kombination vergessen haben. Was hat dazu geführt, dass wir die Kombination für den Safe vergessen haben? Warum haben wir an der Macht des Geistes gezweifelt oder sie missbraucht? Die Antwort ist: Es war Stress, der, biologisch betrachtet, Angst ist. Ein Gehirn, das ständig unter Stress steht, ist nicht fähig, das volle Maß der Kraft, die die Natur ihm mitgegeben hat, auszunutzen. Neurologisch gesehen gibt es nichts, was die Gehirnfunktion mehr hemmt als eine Anhäufung von Stresshormonen, die aus andauernden Angstanfällen entstanden sind. Und was ist die Hauptursache von Stress? Eine furchtsame Geisteshaltung. Dr. Bruce McEwen, einer der bekannten Stressforscher, hat das Problem in seinem Buch The End of Stress as We Know It kurz und bündig formuliert: „Der Begriff ‚Stress’ wird längst nicht mehr nur verwendet, um mit Stolz die Narben oder Medaillen eines hyperaktiven Lebens zur Schau zu stellen. ‚Stress’ hat vielmehr die Bedeutung von etwas bekommen, das unsere Sicherheit, Gesundheit und unsere Lebensgrundlage bedroht. Der Begriff steht für den Verlust der Annahme, dass die Welt ein sicherer Ort sei.“12
Wir alle erleben Situationen, in denen der Stress die Oberhand gewinnt. Wir versuchen, das in den Griff zu bekommen und die Auswirkungen des Stresses zu verringern, aber es ist eine Tatsache, dass wir dabei immer mehr an Boden verlieren. Der Stress hat epidemische Formen angenommen. Eine jährlich durchgeführte Befragung der Gallup Organisation hat ergeben, dass Stress heute von 40 Prozent der Amerikaner als „extrem“ empfunden wird und er weiteren 40 Prozent Probleme bereitet.13 Im Erziehungs- und Gesundheitswesen arbeitende Menschen scheinen besonders stark betroffen zu sein. Viele von uns glauben, mit dem Stress ganz gut zurechtzukommen, bis sie einmal genauer hinsehen. Bei ihrer alljährlich durchgeführten Untersuchung des Stresses in den Vereinigten Staaten hat die American Psychological Association festgestellt, dass die meisten Menschen das Niveau ihrer Stressbelastung unterschätzen. Die Studien haben gezeigt, dass die meisten Menschen zwar glauben, den Stress gut zu verkraften, dass sie zugleich aber berichten, er habe negative Auswirkungen auf ihr körperliches und psychisches Wohlergehen. Dies waren die Ergebnisse der Befragung von fast 2000 Personen:
Drei Viertel (77 Prozent) erfuhren während des vergangenen Monats körperliche Symptome aufgrund von Stressbelastung, darunter: Erschöpfung (51 Prozent), Kopfschmerzen (44 Prozent), Magenbeschwerden (34 Prozent), Muskelverspannungen (30 Prozent), Veränderungen des Appetits (23 Prozent), Zähneknirschen (17 Prozent), Veränderungen des Sexualtriebs (15 Prozent), Schwindel (13 Prozent).
Beinahe ebenso viele (73 Prozent) erfuhren während des vergangenen Monats psychische Probleme, darunter Reizbarkeit oder Wut (50 Prozent), Nervosität (45 Prozent), Antriebslosigkeit (45 Prozent), Angstgefühle (36 Prozent).
Die Hälfte (48 Prozent) der Erwachsenen erfuhr während des vergangenen Monats Schlaflosigkeit aufgrund von Stress und erlitt im Durchschnitt einen Verlust von 21 Stunden Schlaf pro Monat.
43 Prozent aßen zu viel oder aßen ungesunde Nahrungsmittel, und mehr als ein Drittel (36 Prozent) ließen aufgrund von Stress während des vergangenen Monats eine Mahlzeit ausfallen.14
Es ist offensichtlich, dass die meisten Amerikaner nicht das „Gute Leben“ führen. Und es geht nicht nur den Amerikanern so. Etliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Stress ein globales Problem ist.
Der Sturm
Gewöhnlicher Stress ist sozusagen das schlechte Wetter des Gemüts, das kommt und geht, doch chronischer Stress ist gleichbedeutend mit einem Leben am Rande eines aufziehenden Unwetters. In einer derart instabilen Situation kann schon eine geringfügige Irritation wie die beiläufige Bemerkung eines Menschen ein Gefühl der Bedrohung hervorrufen und einen Teil unseres Gehirns aktivieren, der auf jede Bedrohung reagiert, als stünde unser Leben in Gefahr. Unsere Stimmung verfinstert sich, Donner grollt und Erinnerungen an vergangene Traumata blitzen auf. Gehen wir mit der Irritation nicht angemessen um, was einem