Taja Jetsch

Sonnentanz


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und alle anderen Stammesmitglieder informiert. So ließen sie die Jungs in den Wald laufen, bis sie auf eine kleine Herde Bisons traf.

      „Wir waren natürlich nicht allein.“, erzählte Sam. „Ein paar der Älteren mussten auf uns aufpassen. Maddox Bruder und meine Schwester unter anderem. Die sind übrigens seit dem ein Paar und haben jetzt eigene Kinder. 4 Stück! Meine Schwester erzählte später, dass wir wie eine Dampfwalze durch den Wald getrampelt sind und nicht auf leisen Sohlen geschlichen, wie wir dachten. Na ja, jedenfalls hatten wir uns einen Bison ausgesucht. Natürlich ein Kalb. Es stand ein wenig abseits der Herde. Wir wollten es umzingeln, so wie wir es schon ein paar Mal von den Älteren gesehen hatten und warfen uns auf den Bauch. Der Erste, der aufschrie, war Maddox. Damals war er noch nicht so hart wie heute.“ Sam lachte schon und sein Lachen war ansteckend. „Maddox hatte nicht aufgepasst und sich voll in einen Haufen Bisonscheiße gelegt. Maddox sprang auf und brüllte: „Iiiih, iiiih!“ Wir andern haben natürlich laut gelacht. Schöne Krieger waren wir. Nun ja, jedenfalls, irgendwann ging es weiter. Wir, wieder alle auf den Boden und robben los. Das Gras war hoch, zu hoch für uns. Wir verirrten uns. Also, irgendwann rief Drake, wo wir bleiben würden. Maddox und ich antworteten, doch Jared und Tristan nicht. Also sprangen wir auf. Wir waren ja kleine Jungs, dass hohe Gras ging uns fast bis zum Hals. Wir hatten uns zu weit weg von der Gruppe Bisons und dem immer noch einzelnen Kalb gerobbt. Drake rief laut nach Jared und Tristan. Sie standen dann schließlich auch auf. Sie waren in der genau entgegengesetzten Richtung unterwegs. Also trafen wir uns wieder in der Mitte. Irgendwann hatten wir es geschafft und uns diesem Kalb genähert. Der ganze Tag ging dafür drauf. Als wir dann endlich davor standen, hob Jared seinen Stock, also für uns waren das ja unsere Speere. Also, Jared hob seinen Speer über seinen Kopf und sagte: ‚Großer Wolf, wir danken Dir für dieses Geschenk.‘ Da fing Tristan an zu heulen.“

      Sam lachte wieder. „Wir dürften das Kalb nicht töten, es wäre doch noch ein Baby und so. Ich hab ihn dann aufgezogen, dass er ja wohl noch ein Baby wäre und noch kein Krieger sein könnte. Wir stritten uns und Tristan warf sich auf mich. Jared schlug mit dem Stock auf das Kalb, das immer noch viel größer war als wir kleinen Jungs. Drake stand hinter dem Kalb und als Jared auf seine Flanke schlug, hob dieses Baby den Schwanz und pinkelte.“

      Sam konnte sich nicht halten vor Lachen. „Es hat Drake angepinkelt! Hahaha! Von oben bis unten! Logisch, dass wir anderen alle lauthals lachten, auch Tristan und ich. Nun hatte das Kalb endgültig genug und rannte zu seiner Herde und dann setzte sich die ganze Herde in Bewegung. Aber, großer Wolf sei Dank, in die entgegengesetzte Richtung. Sonst hätte es für uns tödlich enden können. Jedenfalls, unsere Kriegsbemalung war mittlerweile runter, Maddox und Drake stanken, Tristan heulte nicht mehr, ich hatte aufgeriebene Knie und Jared aufgerissene Hände. So liefen wir nach Hause zurück.“ Dies war nur eine der Geschichten, die Sam erzählte.

      *****

      Emily

      Drei Wochen waren um. Emily hatte nicht bemerkt, wie schnell die Zeit vergangen war. Doch an diesem Mittwochabend verabschiedete sich Sam von ihr und sagte: „Drake ist unterwegs. Morgen ist er wieder hier.“

      Morgen! Morgen schon! Freitag hatte sie sich frei genommen, da Emily angenommen hatte, dass er am Freitag ankam. Aber morgen schon! Aufgeregt rannte sie durch die Wohnung. Sie lachte, sie weinte. Morgen schon.

      Sie musste noch den ganzen Tag arbeiten. Da sie kaum geschlafen hatte vor Aufregung, war sie Donnerstag schon sehr früh in der kleinen Kanzlei, in der sie als Partnersekretärin arbeitete. Sie liebte ihren Job und sie war gut in ihm. Ihre drei Kolleginnen waren nett und mit den beiden Chefs verstand sie sich wirklich ausgezeichnet. Aber heute konnte sie sich nicht so recht konzentrieren. Christoph, ihr Chef, rief sie gegen Mittag rein.

      „Emily, was ist denn heute los mit Dir? Du bist total fahrig. Schau mal die ganzen Fehler. Alles ok?“, fragte er sie.

      „Ja, Christoph, es ist alles ok. Ich bin nur ein wenig aufgeregt. Tut mir leid. Du weißt ja, ich hab morgen frei und ich weiß jetzt schon, dass es ein tolles Wochenende werden wird. Und ich freu mich einfach so. Sorry, tut mir wirklich leid. Ich werde mich mehr zusammenreißen.“ Grobe Fehler waren ihr nur in der Anfangszeit passiert, und dass sie solche Briefe zur Unterschrift abgab, war schon fast unverzeihlich.

      „Ändere das und mach bitte den Vertrag für Bruns noch fertig.“ Er lachte. „Und wenn dann alles ok ist, dann kannst Du abhauen! Das müssen ja tolle Pläne fürs Wochenende sein.“

      „Oh ja, das sind es.“ Sie verstanden sich zwar alle wirklich gut, aber zu viel Privatleben wollte Emily nicht in der Kanzlei ausplaudern und so hielt sie sich oft mit privaten Informationen zurück.

      Nun war es zwei Uhr durch. Sie hatte alles dreifach geprüft und Christoph vorgelegt. Der hatte genickt und sie konnte gehen.

      Sie jubelte innerlich. ‚Juhu, endlich Wochenende. Drake, ich komme!‘ Insgeheim hoffte sie, er würde schon vor der Türe warten, obwohl sie keine Ahnung hatte, wann er da sein würde. Er hatte sich auch die ganzen Wochen nicht persönlich gemeldet. Nur ganz zu Anfang kam eine WhatsApp an, dass er gut gelandet war und dass er sie vermisste. Allerdings brachte der Bote, den sie mittlerweile ziemlich gut kannte, jede Woche Blumen für sie. Nein, Drake hatte sie nicht verlassen und auch nicht vergessen.

      Heute war es wieder sehr warm und die nächsten Tage sollte es noch heißer werden. Deshalb ging Emily mit Soleigh runter an den Rhein. Hier konnte sie rennen und schnüffeln, baden und andere Hunde treffen. Sie trafen heute wirklich viele Hunde und Soleigh hatte viel Spaß. Außerdem, so hoffte Emily, würde sie von hier aus auch sehen können, wenn Drake auftauchte. FALLS Drake auftauchte. Sie waren fast eine Stunde am Rhein, als Soleigh unruhig wurde.

      „Was ist denn los, meine Süße?“ fragte Emily, aber Soleigh konnte natürlich nicht antworten. Aber sie hob den Kopf immer wieder und schnüffelte und wurde immer aufgeregter.

      „Na komm, wir wollen los. Ich will mich ja auch noch frisch machen, bevor Drake kommt. Du bist ja schon gebadet.“, lachte Emily.

      Drake

      Er war heute Morgen mit dem Flieger angekommen. Eigentlich wollte Drake noch ein paar Stunden schlafen, aber an Schlaf war nicht zu denken. Seine Gedanken kreisten um sie und darum, was sie wohl zu dem Deal sagen würde, den sein Vater ihm angeboten hatte. Also holte er das Motorrad, das Sam in seiner Abwesenheit für ihn gekauft hatte, frühzeitig ab. Und da sie hier in Deutschland waren, musste er sich auch noch die passenden Klamotten und einen Helm besorgen. Danach hatte er sich mit Sam getroffen und sich berichten lassen. Nun war Sam auf dem Weg nach Reichenau, um dann morgen nach Montana zu fliegen. Ende nächster Woche, wenn er wieder wegmusste, würde Sam mit Tristan und Jared kommen. Maddox war bei ihm.

      Drake hatte sich eine Yamaha XV 1900 ausgesucht. In dem Motorradladen, wohin auch die Maschine geliefert wurde, konnte er sich auch die Klamotten aussuchen. Er hatte sich für eine leichte und weiche Lederhose entschieden, natürlich in Schwarz. Dazu eine passende Lederjacke aus demselben Material und Boots. Ein schwarzer Helm und schwarze Handschuhe komplettieren sein Outfit. Und er fühlte sich wohl darin. Dann hatte er eine Runde auf der Autobahn gedreht. Autobahnen hatte er erst hier richtig kennengelernt und dann diese ewigen Geschwindigkeitsbegrenzungen. Was für ein Horror. In Montana, dort, wo er lebte, gab es das nicht. Sie fuhren einfach durch die Prärie, natürlich dort, wo sie die Natur so wenig wie möglich störten.

      Die Yamaha war leicht zu händeln und fuhr sich super. 190 stand auf dem Tacho und die hatte er auch voll ausgefahren. Nun war er mit Adrenalin vollgepumpt. Je näher er zu ihrer Wohnung kam, desto unruhiger wurde er. Er hatte das Visier geöffnet und trug, wie fast immer, eine schwarze Sonnenbrille. Er versuchte die ganze Zeit, ihren Geruch zu finden, aber hier in der Stadt war das wirklich schwer. Die ganzen Menschen, die verschiedenen Gerüche und vor allem diese ganzen Abgase. Dort, wo er herkam, gab es das nicht. Dort war alles rein und klar und man konnte die Natur wahrnehmen.

      An ihrer Wohnung angekommen, stellte er das Motorrad auf einen freien Parkplatz und kickte den Seitenständer runter. Dann blieb er auf dem Motorrad sitzen. Heute sah er sie, bevor er sie roch, denn der Wind trug ihren Duft fort von ihm. Sie kam gerade mit Soleigh vom Rhein hoch und Soleigh sah nass aus. Bestimmt