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1970s, this paper revisits some of the more recent developments. The scope of analysis has been widened from face-maintaining and face-enhancing data to instances of conflictual and face-aggravating behaviour. There is an increase in discussions about appropriate methodological and theoretical approaches to politeness, and we see a tendency to creatively draw on approaches from other fields (such as identity construction research). These trends have made the field an especially vibrant one that is currently witnessing a struggle to (re)define its focus. Two connected issues, clarifying and refining the scope of our research questions and efforts of developing an interdisciplinary approach within interpersonal pragmatics, are particularly discussed in an endeavour to outline potential research paths.

      1. Einführung

      Forschung zum Thema der Höflichkeit ist zu einem festen Zweig innerhalb der Pragmatik geworden, seit Lakoff (1973), Brown/Levinson (1978/1987) und Leech (1893; s.a. 2014) Politeness zum Gegenstand der Linguistik gemacht haben. Diese Pioniere wollten pragmatische Variationpragmatische Variation in natürlichen Sprachdaten erklären (im Rahmen der pragmatischen Wende), dies freilich noch mit Denkmodellen, die Regeln und Universalien im Blick hatten. Ihre Arbeit sollte die nachfolgende Generation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Höflichkeitsforschung nachhaltig beeinflussen. Ungefähr seit den 1990er Jahren beschränkte sich die Analyse von Sprachdaten allerdings nicht mehr auf gesichtsbewahrende (face-maintainingface-maintaining)1 und gesichtsaufwertende (face-enhancingface-enhancing) Strategien; neu wurde sie auch auf Konfliktfälle und Beispiele von gesichtsschädigenden (face-aggravatingface-aggravating) Situationen ausgedehnt. Außerdem lassen sich zunehmend Diskussionen um angemessene methodische und theoretische Zugänge zu Höflichkeit beobachten sowie die Tendenz, sich konzeptuell und methodisch von anderen Disziplinen inspirieren zu lassen (z.B. von der Identitätskonstruktionsforschung). Diese Entwicklungen bewirkten eine starke Dynamisierung des Forschungsgebietes und trugen damit zur gegenwärtigen Debatte um die (Re)Definition der Disziplin bei. Maßgeblich geprägt hat diese Auseinandersetzung Jonathan Culpeper. Als einer der ersten weitete er sein Forschungsinteresse auf Unhöflichkeitsphänomene (z.B. 1996, 2005, 2010, 2011; Culpeper et al. 2003; Bousfield/Culpeper 2008) sowie auf fiktionale und historische Daten (z.B. 1996, 1998, 2010; Culpeper/Kádár 2010; Culpeper/Demmen 2011) aus und hinterfragte hartnäckig die Grundannahmen der bisherigen Forschung (z.B. 2012; Culpeper/Haugh 2014; bzw. das großangelegte Projekt des Palgrave Handbook of Linguistic (Im)Politeness von Culpeper/Haugh/Kádár, 2017). Im Folgenden sollen zwei derzeit viel diskutierte mit diesen Entwicklungen zusammenhängende Aspekte vertieft werden, die besondere Aufmerksamkeit verdienen: das Themenspektrum der Höflichkeitsforschung sowie die Entwicklung eines interdisziplinären Ansatzes innerhalb der Interpersonalen Pragmatik.

      2. Das Themenspektrum der Höflichkeitsforschung

      Obwohl die frühen Theorien von Lakoff, Leech und Brown/Levinson heute noch weit verbreitet sind, ist es eine wesentliche Errungenschaft des sogenannten „diskursiven Denkansatzes“ in der Höflichkeitsforschung, sich wieder einem emischen Verständnisemischen Verständnis zuzuwenden. Dieses berücksichtigt die Verhandelbarkeit von wertenden Konzepten wie ‚höflich‘, ‚unhöflich‘, ‚frech‘ usw. sowie die Einbettung der beobachteten sozialen Handlungen in den lokalen, kontextgebundenen Rahmen ihrer moralischen Ordnung (siehe z.B. Kádár/Haugh 2013, 95). Frühe Theorien können später selbstverständlich verschieden ausgelegt werden. Diese Einsicht gerät jedoch leicht in den Hintergrund, sobald Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die vorgeschlagenen ‚Regeln‘ rein mechanisch anwenden. Die diskursiven Denkansätzediskursiven Denkansätze dagegen berücksichtigen, dass es verschiedene gesellschaftliche Ideologien zu Höflichkeit und Unhöflichkeit gibt, wobei die beobachteten Praktiken von diesen allgemeineren Normen auch abweichen können. Culpeper (2008, 30) versucht diesem Anspruch gerecht zu werden, indem er personelle, kulturelle, situative und kotextuelle Normen einführt, welche Interaktion beeinflussen. Kádár/Haugh (2013, 95) sprechen von a) lokalisierten Normen, b) gruppenbasierten Normen (community of practicecommunity of practice/organisational or other group-based norms) und c) gesellschaftlichen/kulturellen Normen, die die Bewertung von Höflichkeit mitbestimmen.

      Manche Kritikerinnen und Kritiker des diskursiven Ansatzes sind der Auffassung, dass die Erforschung von (Un)Höflichkeit sinnlos werde, wenn das Verständnis dessen, was (Un)Höflichkeit bedeutet, den Interagierenden selbst überlassen werde (siehe Locher 2012, 51–53, für eine Entgegnung). Zum Beispiel verwendet Haugh (2013), an sich ein Anhänger der diskursiven Strömung, in diesem Zusammenhang eine interessante Formulierung. Er beklagt, dass Locher/Watts (2005, 2008) „gezwungen sind, sich auf Aussagen zu beschränken wie ‚letztendlich muss die Bewertung, ob etwas als höflich, unhöflich usw. empfunden wird, offenbleiben‘“ (Haugh 2013, 55, kursive Hervorhebung durch die Autorin). Er fragt „[w]ie können wir als Analysierende mit Sicherheit Fälle von (Un)Höflichkeit identifizieren?“ (Haugh 2013, 55, Übersetzung der Autorin). Tatsächlich haben Locher/Watts bei der Beschreibung konkreter Fälle Sätze wie diese geäußert, sie formulieren hiermit jedoch keineswegs eine Niederlage. Vielmehr beabsichtigen sie, dem qualitativen Charakter der Analyse sowie dem diskursiven Denkansatz gerecht zu werden. Locher/Watts sind nicht zur Kapitulation „gezwungen“, sondern verstehen Formulierungen wie „es muss offenbleiben, ob das Verhalten als höflich eingeschätzt wird“ als ihrer theoretischen Grundposition entsprechend. Sie bemühen sich um eine qualitative Interpretation anhand linguistischer und nicht-linguistischer Anhaltspunkte, die die interpersonale Haltung der beiden Interagierenden zueinander sowie zu den impliziten (Un)Höflichkeitsnormen offenbaren. Eine solche Auffassung gründet auf der Überzeugung, dass gesellschaftliche Normen fließend sind und interaktiv verhandelt werden; bei gleichzeitiger Anerkennung der Bedeutung von kognitiven und historischen Vorannahmen bzw. ‚RahmenRahmen‘ (FramesFrames). Wie erwähnt können weit verbreitete Auffassungen gleichzeitig mit lokalen Normen einer Community of PracticeCommunity of Practice bestehen. Da Höflichkeit hier als eine Kategorie der Interagierenden selbst verstanden wird, die das eigene und das Verhalten anderer bewerten, und zwar gleichermaßen aufgrund gesellschaftlicher Vorstellungen und Wertesysteme wie aufgrund lokaler Normen, wird die formale Ausprägung von Höflichkeit jeweils variieren (vgl. auch Kádár/Haugh 2013, 69 bzgl. der Idee von Höflichkeit als sozialer Praxis). Die Existenz kultureller Unterschiede im Verständnis dessen, was Höflichkeit ausmacht, sowie die Geschichtsgebundenheit des Begriffs und seine verschiedenen Konnotationen in unterschiedlichen Sprachen sind hinreichend belegt worden. Daher kann es nicht das primäre Ziel sein, bestimmte Oberflächenerscheinungen als eindeutig höflich oder unhöflich zu bestimmen. Stattdessen offenbart der Ansatz von Locher/Watts die Verhandelbarkeit relationaler Bedeutung sowie das Ringen um angemessenen Verhaltens.

      Darüber hinaus sollte nicht vergessen werden, dass Forschungsziele variieren. Die frühen Theorien verwendeten den Begriff Politeness als Kurzform zur Beschreibung fundamentaler Prozesse bei der Bedeutungsgenerierung. Das oben von Haugh zitierte Problem bezieht sich also auf einen vergleichsweise engen Anwendungsbereich, während die frühen Höflichkeitstheorien, die sich sowohl von der pragmatischen Wende inspirieren ließen als auch zu ihr beitrugen, pragmatische Variation im Allgemeinen untersuchen wollten: Lakoff schlug aufbauend auf Grices Kooperationsprinzip (Grice 1975) und in Analogie zu syntaktischen Sprachgebrauchsregeln drei Höflichkeitsregeln vor. Leech postulierte ein Höflichkeitsprinzip (politeness principlepoliteness principle) als eine der tragenden Säulen in seiner Theorie der Interpersonalen Rhetorik, die die Entstehung von Bedeutung generell, d.h. nicht nur von Höflichkeit, erklären sollte. In den Arbeiten von Brown/Levinsonvon Brown/Levinson wird das Konzept des GesichtsGesichts (faceface) eingeführt, das die psychologischen Bedürfnisse nach Zugehörigkeit und Distanz berücksichtigt. Diese Ansätze betonen Faktoren, welche Interaktion beeinflussen (z.B. Nähe und Distanz, Machtverhältnisse/Hierarchien, der kulturelle Kontext), und tragen so zur Theoriebildung darüber bei, wie menschliche Beziehungen durch die Wahl sprachlicher Mittel charakterisiert werden und wie sprachliche Anhaltspunkte konkrete zwischenmenschliche Deutungen begünstigen. Im Rahmen eines solchen breiteren Ansatzes zur Erforschung von Sozialität und (sprachlicher) Beziehungskonstruktion wird mit Konzepten wie