nun gefället war der Hirsch,
Der da Jagdmeisteramt besaß,
Der streckt' ihn nieder auf das Gras,
Auf alle Viere wie ein Schwein.
»Ei, Meister, wie? was soll das sein?«
Sprach da der höfsche Tristan:
»Laßt stehn, bei Gott, was fangt ihr an?
Haut man so den Hirsch in Stücke?«
Der Jägermeister trat zurücke,
Sah ihn an und sprach ihm zu:
»Wie willst du, Kind, daß ich es thu?
Die Sitte gilt hier bei der Birsch:
Wenn enthäutet ist der Hirsch,
So spaltet man ihn erst einmal
Von dem Haupt herab zu Thal,
Darnach auch in die Viere,
So daß der vier Quartiere
Keins beträchtlich größer sei
Als die übrigen drei.
Das ist Sitt in diesem Land;
Kind, ist dir andrer Brauch bekannt?«
»Ja, Meister«, sprach er wider ihn.
»Das Land, da ich erzogen bin,
Da ist ganz anders der Brauch.«
»Und wie denn? sage mir das auch.«
»Entbästet wird der Hirsch bei mir.«
»Traun, Freund, ich säh es denn von dir,
Weiß ich nicht was entbästen sei.
Wir sind der Kunde Alle frei
In diesem Königreiche hie.
So hört ich auch das Wort noch nie
Von Heimischen noch Gästen:
Lieb Kind, was ist entbästen?
Bei deiner Güte, zeige mirs;
Geh her, entbäste diesen Hirsch.«
Das Kind sprach: »Lieber Meister mein,
Mag es mit euern Hulden sein
Und kann euch Liebes dran geschehn,
So laß ich euch gar gerne sehn,
Ist es mir selber recht bekannt,
Was Brauch ist in meinem Land,
Nach eurer Frage, mit dem Bast.«
Der Meister sah den jungen Gast
Mit freundlichem Lächeln an,
Denn er war selbst ein höfscher Mann
Und kannte alle Sitte wohl,
Die ein guter Mann verstehen soll.
»Ja«, sprach er, »lieber Freund, das thu.
Wohl her! Bist du zu schwach dazu,
Ich selbst und die hier bei mir sind,
Wir helfen dir mit Händen
Ihn legen oder wenden.
Du darfst mir und den Leuten
Nur mit dem Finger deuten.«
Tristan, der entführte Knab,
Seinen Mantel zog er ab
Und legt' ihn dort auf einen Block;
Dann zog er höher seinen Rock,
Wandte vorn das Aermelpaar,
Und strich zurück das schöne Haar,
Daß es ihm auf den Ohren lag.
Nun sahn sie All bei vollem Tag,
Die da bei dem Basten waren,
Sein Gehaben, sein Gebahren.
Sie nahmens in der Augen Hut;
Und Alle däucht' es auch so gut
Und lieblich zu betrachten,
Daß sie im Herzen dachten,
Gar adlich wär sein ganzes Wesen,
Seine Kleider reich und auserlesen,
Sein Leib nach Wünschen wohlgethan.
Da traten sie zu ihm heran
Und merkten wohl auf all sein Thun.
Hin gieng der Heimatlose nun,
Der junge Meister Tristan:
Er griff den Hirsch mit Händen an
Und wollt ihn auf den Rücken legen;
Doch konnt er ihn nicht frei bewegen,
Denn er war ihm allzu schwer.
Da bat er höfisch Die umher,
Daß sie ihn legten wie er wollte,
Wenn er den Bast beginnen sollte.
Nun, das war alsbald geschehn.
Zu dem Hirsche gieng er oben stehn;
Den begann er zu entkleiden.
Zuerst den Strich zu schneiden
Von dem Geäse bis hernieder;
Dann sich zu den Bugen wieder
Kehrend, löst' er sie gewandt,
Erst das rechte, dann das linker Hand.
Die beiden Keulen nahm er nun,
Ihnen lösend auch ihr Recht zu thun;
Begann die Haut zu scheiden
Dann an den Seiten beiden
Von den Haften überall
Von oben bis herab zu Thal
Und zog die Haut dem Hirschen nieder.
Dann zu den Bugen kehrt' er wieder
Sie zu entbästen von der Brust;
Doch blieb die ganz, litt nicht Verlust.
Die Bugen legt' er noch hindann;
Von dem Rücken begann
Er erst die Brust zu scheiden
Und von den Seiten beiden;
Zu jeder Hand drei Rippen auch:
Das ist der rechte Bastgebrauch;
Die läßt jederzeit daran,
Wer die Brust recht lösen kann.
Zu den Keulen jetzt gewandt
Entbästet' er mit kluger Hand
Die beiden Hinterbeine,
Zusammen, nicht alleine.
Ihr Recht er auch den beiden ließ:
Den Braten, wo der Rücken stieß
An die Lenden mit dem Ende
In der Breite anderthalber Hände;
Was die da Ziemer nennen,
Die solche Bastkunst kennen.
Dann gieng er zu den Rippenstücken,
Die schnitt er beide von dem Rücken,
Und kam zu Magen und Gescheide.
Doch weil nicht rein dieß Eingeweide
Seinen schönen Händen wär,
Rief er: »Schnell zwei Knechte her!
Da nehmet diese Stücke